Borken

Diskussionsabend mit den Borkener Bürgermeisterkandidaten in Marbeck

Wie geht es in Marbeck weiter? Wo soll das neue Wohngebiet hin und gibt es bald einen Lebensmittelladen? Am Donnerstagabend waren die beiden Bürgermeisterkandidaten zu Gast in dem Borkener Stadtteil und diskutierten mit den Bewohnern vor der Kommunalwahl über die Zukunft. Der Herausforderer zeigte sich dabei wenig angriffslustig. Hier gibt es eine Zusammenfassung von dem Abend.

Von Sven Kauffelt

28.08.2020

Gut 50 Zuhörer waren zu dem Diskussionsabend von „Wir in Marbeck“ mit den beiden Bürgermeisterkandidaten zum Heimathaus gekommen.

Gut 50 Zuhörer waren zu dem Diskussionsabend von „Wir in Marbeck“ mit den beiden Bürgermeisterkandidaten zum Heimathaus gekommen.

© Sven Kauffelt

50 Marbecker im Gespräch mit Mechtild Schulze Hessing und Martin Schulz

MARBECK. Die Initiative „Wir in Marbeck“ hat die beiden Borkener Bürgermeisterkandidaten Mechtild Schulze Hessing (CDU) und Martin Schulz (SPD) zur Gesprächsrunde am Heimathaus eingeladen. Nach lockerer Einleitung geriet der Abend schnell zu einem ausgedehnten Themen-Abend mit der amtierenden Verwaltungschefin und etwa 50 Anwesenden.

Das waren die Themen

Neues Wohngebiet: Diese zentrale Forderung aus dem Entwicklungskonzept soll möglichst schnell umgesetzt werden, da waren sich beide Kandidaten einig. „Es ist die Fläche, die Sie alle im Kopf haben“, sagte Schulze Hessing über die Pläne im Rathaus. Zwischen Engelradingsee und Beckenstrang also. Die Verhandlungen mit zwei Eigentümern seien weit fortgeschritten. Sie sei „sehr zuversichtlich“, dass es noch in diesem Jahr zu einem Abschluss komme. „Unser Ziel ist, im Jahr 2022 in die Vermarktung einzusteigen“, so Schulze Hessing – sofern die Verkäufer und die Anwohner mitspielen.

Die direkten Anwohner an der Ölmühe klatschen nicht alle Beifall. Schule Hessing entgegnete auf Nachfrage, ob eine Erweiterung in Richtung Heiden nicht sinnvoller wäre, dass ein Baugebiet hier einfacher und schneller umzusetzen sei. Die an der anderen Ortsseite nötige Überquerung sei ein planerisches Hindernis. Den Einwurf von Martin Schulz, eine Brücke oder Unterführung zu bauen („das wäre doch einfach“), ließ sie nicht gelten.

Klar ist: Alle Bemühungen der Verwaltung laufen auf dieses Stück hinaus, Alternativen sind offenbar nicht weiterverfolgt worden. Diese, so die Bürgermeisterin, könne man für die nächste Erweiterung ins Auge fassen.

Sportanlagen: Der FC Marbeck bemüht sich seit Langem um Unterstützung für die Modernisierung seiner Sportanlagen. Zusagen dafür gab‘s von beiden Kandidaten. „Ich setze mich dafür ein, dass der FC Marbeck dann vier Rasenplätze hat“, sagte Martin Schulz. Zudem sei es wichtig, dass es eine sichere Radwegeverbindung aus dem Ort zum Sportplatz gebe. „Es ist schon fast beschämend, dass da so lange nichts passiert ist“, sagte der SPD-Kandidat in einem seiner seltenen angriffslustigen Momente.

Auch da konnte Mechtild Schulze Hessing ihren Amtsbonus ausspielen und auf aktuelle Gespräche mit der Vereinsspitze um Präsident Werner Wessing verweisen. Es solle, sagte sie ohne konkret zu werden, „eine verbesserte Infrastruktur“ geben. Offenbar ist ein Kunstrasenplatz, vom FC lange gefordert, mittlerweile vom Tisch, solange der Aschenplatz zumindest durch einen Rasenplatz ersetzt wird.

Mobilität: FC-Präsident Wessing forderte, wie schon am Dienstag bei der BZ-Podiumsdiskussion, ein Mobilitätskonzept für das gesamte Stadtgebiet. Bei den Radwegen verwies Schulz auf die Nachbarn: „Man muss Dinge nicht komplizierter machen, als sie sind und kann sich innovative Fahrradkonzepte bei den Holländern abgucken.“ Schulze Hessing sieht in Fahrradstraßen ein probates Mittel – möglicherweise ebenso für den Weg zum Sportgelände wie für eine Verbindung nach Borken. Dies befände sich „in der Prüfung“, sagte sie, ebenso wie Fahrradstraßen-Verbindungen zu anderen Ortsteilen. Der Klimaschutzmanager, der am 1. September seinen Dienst antrete, habe unter anderem die Aufgabe, ein Mobilitätskonzept mitzuentwickeln.

Kita und Schule: Der einzige Punkt, bei dem die Amtsinhaberin zwischenzeitlich in die Devise geriet, war die Zukunft der Kinderbetreuung. Eine Mutter und Moderator Andreas Voßkamp erinnerten Schulze Hessing daran, dass die Verwaltungsspitze den Marbeckern den Bau einer weiteren Kita praktisch versprochen hätte. Die Bürgermeisterin ließ sich aber nicht auf einen Blankoscheck ein: „Wenn der Bedarf da ist, bauen wir auch eine neue Kita.“ Heißt: Wenn die Geburtenzahlen in Marbeck so hoch bleiben wie zuletzt, ist der Bedarf vorhanden. Baupotenziale für junge Familien, so die Überlegung, könnte dabei hilfreich sein. Dort, so Schulze Hessing, hätte die Verwaltung ein Grundstück im Auge.

„Unser Ziel muss sein, allen Kindern gute Bildung zu ermöglichen“, sagte Martin Schulz zum Thema Grundschule. Es sei wichtig, weiter in das Gebäude zu investieren: „Da ist jeder Euro gut angelegtes Geld.“

Eine Absage erteilte Mechtild Schulze Hessing der Frage, ob die Grundschule zweizügig geführt werden könne. Dies sei aufgrund der gesamten Schulplanung nicht umsetzbar, auch nicht im Wechsel mit der Josefschule: „Dass eine Zügigkeit zwischen den Schulen hin- und herwechselt, das geht nicht.“ Der Bestand der (einzügigen) Schule sei allerdings ebenso gesichert wie die Kinderbetreuung, so Schulze Hessing.

Nahversorgung: „All das, was wichtig für uns ist, hat Marbeck nicht“, sagte eine Besucherin frustriert: Arzt, Apotheke, Lebensmittel und Geldautomat waren damit zuvorderst gemeint. Die Lebensmittelversorgung ist ein altes Thema in Marbeck. Da machte auch Martin Schulz wenig Hoffnung, schlug aber vor, ein einst angedachtes Genossenschaftsmodell „einfach mal auszuprobieren“.

Mechtild Schulze Hessing erinnerte an bisherige – vergebliche – Bemühungen und verwies auch auf Heiden: „Man sieht ja, wie schwierig das Thema selbst in einem deutlich größeren Ort ist.“ Hoffnung, dass sich das ändert, hat sie offenbar nicht: „Einen Versorger nach Marbeck zu bekommen, ist im Moment nicht realisierbar.“

Ein ÖPNV-„Pilotprojekt“, von Werner Wessing ins Spiel gebracht, könnte aber etwas Abhilfe schaffen.

Mehr zur Kommunalwahl 2020

Die BZ hat bereits am Dienstagabend mit den Fraktionsvorsitzenden diskutiert. Den Live-Stream können Sie sich hier noch einmal ansehen:

Live-Stream: Diskussion mit den Borkener Fraktionsvorsitzenden

Alle wichtigen Infos rund um die Kommunalwahl am 13. September finden Sie hier.

Diskussionsabend mit den Borkener Bürgermeisterkandidaten in Marbeck

© Sven Kauffelt

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