Borken

BZ-Abendsprechstunde: Experten erklären die Krankheit Reflux

Bei der jüngsten BZ-Abendsprechstunde in Kooperation mit dem Klinikum Westmünsterland informierten sich rund 160 Besucher über die Krankheit Reflux. Im Expertentalk sprachen Dr. Markus Bourry, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Dr. Alexander Brock, Leiter des Refluxzentrums und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, über das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten.

Von Christa Niermann

16.04.2026

Dr. Markus Bourry, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Dr. Alexander Brock, Leiter des Refluxzentrums und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, informierten über das Refluxzentrum Borken. Moderiert wurde die Veranstaltung von Edgar Rabe (von links).

Dr. Markus Bourry, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Dr. Alexander Brock, Leiter des Refluxzentrums und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, informierten über das Refluxzentrum Borken. Moderiert wurde die Veranstaltung von Edgar Rabe (von links).

© Christa Niermann

BORKEN. Am Mittwochabend haben rund 160 Besucher die Gelegenheit genutzt, sich in der BZ-Abendsprechstunde in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Westmünsterland über die Krankheit „Reflux“ bei einem öffentlichen Beratungsabend unter dem Motto „Reflux verstehen und behandeln“ zu informieren. So gab es Antworten auf drängende Fragen zu Sodbrennen, Rückfluss von Mageninhalt und verschiedene Behandlungsoptionen.

Dr. Alexander Brock, Leiter des Refluxzentrums und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, eröffnete den Abend mit einem Überblick über die Ursachen und Mechanismen des Reflux. Er erklärte anschaulich, wie ein defekter Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre zu Beschwerden führt, und warum eine genaue Diagnose entscheidend ist. Besonderes Augenmerk legte er auf die modernen Untersuchungsmethoden, die im Refluxzentrum Borken eingesetzt werden. So wie die klassische Endoskopie zur Erkennung von Entzündungen und Veränderungen der Speiseröhrenschleimhaut. Die sogenannte pH-Metrie, die 24-Stunden-Messung der Säure- oder Laugenmenge, sorge für objektive Daten. Mit diesem Diagnoseverfahren kann ein Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre festgestellt werden.

Die Manometrie ist eine weitere Untersuchungsform: „Dafür wird eine Sonde durch die Nase in die Speiseröhre bis in den Magen geführt. Gemessen werden die Druckverhältnisse im Ruhezustand und beim Schlucken“, erläuterte Brock. Darüber hinaus könnten der Schluckakt als solches sowie die Funktionen des Speiseröhrenschließmuskels analysiert werden. „Für einige Patienten ist diese Untersuchung nicht so toll“, ergänzte Dr. Brock, doch sein Team begleite die Patienten sehr einfühlsam durch diese rund 30-minütige Prozedur.

Im Anschluss an eine Manometrie schließe sich häufig eine Impedanzmessung an. Bei dieser Untersuchung verbleibt eine Sonde über 24 Stunden in der Speiseröhre. Die Impedanzmessung erkenne nicht nur den Säurerückfluss, sondern auch das Hochsteigen von Gasen und Nahrungspartikeln - aufschlussreich bei sogenanntem stillen Reflux, der nahezu symptom- und beschwerdefrei auftreten könne und deshalb schwer zu diagnostizieren sei.

Interdisziplinäre Diagnostik schließt Lücken

Typische Symptome für Reflux und eine entstandene Refluxkrankheit seien neben Sodbrennen chronisches Räuspern, Kloßgefühl im Hals sowie Heiserkeit und Reizhusten. Mit anschaulichen Bildern und Fallbeispielen machte Dr. Brock deutlich, wie die Diagnosemethoden eine individualisierte Therapie ermöglichen. „Viele Patienten leiden jahrelang, weil unspezifische Symptome wie Reizhusten oder Heiserkeit falsch eingeordnet werden. Unsere interdisziplinäre Diagnostik im Refluxzentrum schließt diese Lücken“, betonte er.

Dr. Markus Bourry, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und stellvertretender Leiter des Refluxzentrums, ergänzte die Informationen um die chirurgischen Perspektiven. Er stellte klar, dass Operationen erst nach Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen in Betracht kämen und insbesondere bei schweren Fällen dem Patienten mehr Lebensqualität brächten. Im Fokus seiner Erläuterungen standen verschiedene minimalinvasive Operationstechniken. Häufig werde eine Manschette um den Mageneingang der Speiseröhre gelegt, der die Röhre zu Dreivierteln oder auch ganz umschließt. „Diese Operationen haben eine Erfolgsrate von mehr als 90 Prozent“, erläuterte Bourry.

Häufig werden Zwerchfellbrüche operiert. Solche Brüche seien oft Ursache von Refluxerkrankungen. In einigen Fällen solcher Zwerchfellbrüche sei es notwendig, den nach oben gewanderten Magen zurück unter das „reparierte“ Zwerchfell zu führen. „Heutige Operationen sind präzise, schonend und ambulant machbar. Patienten sind oft bereits nach wenigen Wochen beschwerdefrei“, erläuterte Bourry. Er betonte: Das Ziel der Arbeit im Refluxzentrums sei es, die Lebensqualität der Patienten langfristig zu sichern.

Vorsorge ist wichtig

Die aktive und ausführliche Fragerunde machte den Leidensdruck vieler der an Reflux Erkrankten im Saal deutlich. „Wann muss operiert werden?“ „Was ist stiller Reflux?“ „Sind die verschriebenen Protonenpumpenhemmer langfristig sicher?“ „Wann muss die Dosierung angepasst werden?“ - waren nur einige der Fragen. Dabei machten die Ärzte noch einmal deutlich, wie wichtig Vorsorge ist. Beispielsweise eine Magenspiegelung, die eine Früherkennung von Reflux und eventuell auftretendem Speiseröhrenkrebs ermöglicht. Das richtige Einnehmen der klassischen Reflux-Medikamente sei generell immens wichtig für die Patienten. 30 bis 45 Minuten vor dem Frühstück und weiteren Mahlzeiten sei in den meisten Fällen ein optimaler Zeitraum.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Refluxzentrum Borken ermögliche eine ganzheitliche Betreuung – von der ersten Untersuchung bis hin zu komplexen Operationen. Ebenso arbeiten die Ärzte, die seit vielen Jahren zum Team des Klinikums Westmünsterland gehören, eng mit Hausärzten und den benachbarten Gastroenterologen zusammen.

„Für einige Patienten ist diese Untersuchung nicht so toll“


Dr. Alexander Brock

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