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Coronavirus

Die Psychologie hinter den Hamster-Käufern

Studie in der Corona-Pandemie

Dienstag, 16. Juni 2020 - 12:15 Uhr

von Westfälische Nachrichten / Borkener Zeitung

Als sich das Coronavirus in der Welt ausbreitete, kam es zu Hamsterkäufen. In Deutschland stand vor allem Toilettenpapier ganz oben auf dem Einkaufszettel. Forscher - unter anderem der Uni Münster - haben untersucht, welche Menschen besonders zu Hamsterkäufen neigten.

Foto: dpa

Symbolbild

MÜNSTER. Nach der schnellen Verbreitung von des Coronavirus‘ (Covid-19) in Europa und Nordamerika im März 2020 begannen weltweit viele Menschen damit, Toilettenpapier und andere Waren in Massen zu kaufen und zu horten. Einige Unternehmen berichteten von einem Anstieg der Toilettenpapierverkäufe um bis zu 700 Prozent, obwohl die Regierungen dazu aufgefordert hatten, von „Panikkäufen“ abzusehen.

Welche Personengruppen bunkerten vorrangig Klopapier? Dieser Frage sind Psychologen der Universitäten St. Gallen und Münster sowie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig auf den Grund gegangen. In einer Online-Studie befragten sie laut einer Pressemitteilung der Uni Münster Ende März mehr als 1000 Erwachsene aus 35 Ländern, die sie über die sozialen Medien rekrutiert hatten.

Diese Menschen haben Toilettenpapier gehamstert

Das Hauptergebnis: Menschen, die sich durch Covid-19 stärker bedroht fühlen und deren Persönlichkeit durch ein besonders hohes Maß an Emotionalität und Gewissenhaftigkeit geprägt ist, haben sich eher mit Toilettenpapier bevorratet als Menschen, die diese Merkmale nicht haben. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Plos One“ erschienen.

In einem Online-Fragebogen auf Deutsch und Englisch untersuchten die Wissenschaftler, inwiefern das persönliche Bedrohungsgefühl durch das Coronavirus erklären kann, ob Menschen mehr Klopapier als gewöhnlich kaufen. Gleichzeitig schauten sie sich an, welche Faktoren dieses Verhalten erklären könnten.

Emotional und Ordnungsbewusst

Den Ergebnissen nach kauften Menschen umso mehr Klopapier, je kritischer sie ihre allgemeine Gesundheits- oder Arbeitssituation bewerteten. Personen, die sehr selbstdiszipliniert und ordnungsbewusst sind und üblicherweise weit im Voraus planen, verhielten sich in der kritischen Phase der Corona-Krise ähnlich - gleiches galt für Personen, die grundsätzlich dazu neigen, besonders emotional zu sein.

„Ein zusätzlicher Befund, den wir spannend fanden, war, dass der Faktor der persönlichen Aufrichtigkeit und Bescheidenheit nicht mit dem Klopapier-Kaufverhalten zusammenhing“, sagt Koautor Dr. Richard Rau von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Personen, die ihr persönliches Interesse an erste Stelle setzen, neigten demnach nicht in größerem Maße zu Hamsterkäufen als Personen, die eher das Wohl aller im Blick behalten. „Das spricht dafür, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelte und auch Leute, die eher bescheiden und sozial eingestellt sind, vom Bedrohungsgefühl leiten ließen und sich zu eher unsozialen Verhaltensweisen genötigt sahen“, sagt Richard Rau.

Amerikaner horteten mehr als Europäer

Darüber hinaus beobachteten die Forscher, dass ältere Menschen mehr Toilettenpapier horteten als jüngere Menschen und Amerikaner mehr als Europäer. Die Wissenschaftler räumen jedoch ein, dass ihre Ergebnisse wohl nur rund zwölf Prozent des veränderten Klopapier-Kaufverhaltens erklären und dass einige psychologische Erklärungen und situative Faktoren wahrscheinlich nicht berücksichtigt wurden. „Die subjektive Bedrohung durch Covid-19 scheint ein wichtiger Auslöser für das Klopapier-Horten zu sein. Dennoch sind wir noch immer weit davon entfernt, dieses Phänomen umfassend zu verstehen“, betont Richard Rau.