Borken

Leserbrief: „Überholte Machtstrukturen“

Leserbrief zur Berichterstattung zur Gleichberechtigung in Schützenvereinen der Region.

13.04.2026

Symbolbild.

Symbolbild.

© Rolf Vennenbernd/dpa

In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Man könnte denken, wir sind im 21. Jahrhundert, doch die aktuelle Debatte um die Mitwirkung von Frauen in vielen Schützenvereinen unserer Region lässt mich daran zweifeln.

Ist die Wunschvorstellung einiger Männer denn wirklich, dass die Frau nur dekorativ neben dem Schützenkönig steht? Woher kommt die Angst davor, Frauen eine Stimme zu geben? Natürlich sind Veränderungen erst einmal angsteinflößend, aber sie können durchaus positiv sein und neue, kreative Ideen hervorbringen.

Allein die Tatsache, dass nur Männer darüber entscheiden und abstimmen, ob Frauen überhaupt aktives Mitglied in einem Verein werden dürfen, lässt mich den Kopf schütteln. Es macht mich sehr betroffen, dass in einigen Vereinen sogar mit einer (großen) Mehrheit gegen die Öffnung für Frauen gestimmt wird. Natürlich sei hier erwähnt, dass auch viele Männer für eine Öffnung stimmen und an einer Mehrheit gescheitert sind. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, alle Männer über einen Kamm scheren zu wollen.

Tradition ist auch mir wichtig. Aber hier wird an überholten Machtstrukturen festgehalten. Ich bin stolz darauf, einem Verein anzugehören, mit dem ich nicht nur groß geworden, sondern mit dem ich mich durch die Öffnung für Frauen nun sogar noch besser identifizieren kann. Möchte eine Frau nicht in den Vorstand oder den Vogel abschießen? Völlig in Ordnung. Aber ich möchte zumindest die Chance dazu haben, es zu dürfen. Ich möchte alles dürfen, was auch ein Mann darf – denn das ist für mich gelebte Gleichberechtigung und das 21. Jahrhundert.

In meinem Beruf als Lehrkraft ist es meine Pflicht, alle Schüler und Schülerinnen gleich zu behandeln – unabhängig von Geschlecht, Religion, Hautfarbe oder Behinderung. Wenn mich Jugendliche fragen, warum Frauen in manchen Vereinen nicht mitschießen dürfen, kann ich nicht erklären, warum Gleichberechtigung im Vereinswesen endet.

Haben wir nicht eine Vorbildfunktion für die nächste Generation an Anwärtern und Anwärterinnen auf die Königs/Königinnenwürde? Sollte nicht ein gemeinsames Wirken aller das Ziel sein, um Zukunft neu zu gestalten? Veränderung kann am einfachsten gelebt werden – die Vogelstange in Gemenwirthe übrigens einer der besten Beweise dafür.

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Symbolbild.

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© Rolf Vennenbernd/dpa