Zweiter Versuch: Prozess um Maradona-Tod wird neu aufgerollt
Die argentinische Fußballlegende starb im November 2020 kurz nach einer Gehirnoperation. Bei der häuslichen Pflege des einstigen Superstars sollen schwere medizinische Fehler gemacht worden sein.
Maradona war im November 2020 im Alter von 60 Jahren gestorben. (Archivbild)Patrick Seeger/dpa
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Fünfeinhalb Jahre nach dem Tod von Diego Maradona steht das medizinische Team der argentinischen Fußball-Legende erneut vor Gericht. Der Prozess muss neu aufgerollt werden, nachdem das bisherige Verfahren nach 21 Verhandlungstagen im Mai vergangenes Jahres für nichtig erklärt worden war. Zuvor war eine Richterin der dreiköpfigen Kammer wegen ihrer Mitarbeit an einem nicht genehmigten Dokumentarfilm über den Prozess wegen Befangenheit vom Dienst suspendiert worden.
Ab Dienstag müssen sich in San Isidro nördlich von Buenos Aires nun sieben Ärzte und Pfleger von Maradona vor Gericht verantworten. Der Prozess dürfte sich über Monate hinziehen: Zunächst wurden zwei Verhandlungstage pro Woche angesetzt, insgesamt sollen rund 90 Zeugen vernommen werden.
Angeklagten drohen bis zu 25 Jahre Haft
Die Staatsanwaltschaft wirft Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque, seiner Psychiaterin Agustina Cosachov und einem Psychologen, einem weiteren Arzt, der medizinischen Koordinatorin der Krankenversicherung und zwei Pflegern Totschlag vor. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Freiheitsstrafen von bis zu 25 Jahren. Gegen eine weitere Krankenschwester wird in einem abgetrennten Prozess verhandelt.
Maradonas Leibarzt und weiteren Medizinern und Pflegern wird Totschlag vorgeworfen. (Archivbild)Natacha Pisarenko/AP/dpa
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Maradona war am 25. November 2020 in einer privaten Wohnanlage im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Wenige Wochen zuvor hatte er sich einer Gehirnoperation unterzogen. Nach Einschätzung der Ermittler waren bei der häuslichen Pflege des gesundheitlich schwer angeschlagenen Weltmeisters von 1986 massive Fehler gemacht worden.
Das Verfahren wird in dem südamerikanischen Land aufmerksam verfolgt. Maradona ist in Argentinien ein Nationalheld und wird von vielen Menschen fast schon religiös verehrt.
„Wir werden es schaffen. Dir wird die Gerechtigkeit zuteilwerden, die du verdienst, und alle, die uns ohne dich zurückgelassen haben, werden dafür bezahlen“, schrieb Maradonas Tochter Gianinna auf Instagram, als der Termin für den neuen Prozess bekanntgegeben wurde.
Probleme bei der häuslichen Pflege von Maradona
Bei der häuslichen Pflege Maradonas nach der Gehirnoperation kam es offenbar immer wieder zu Problemen, wie aus in argentinischen Medien veröffentlichten Chatprotokollen hervorgeht. Einmal übergab sich Maradona nach einem schweren Abendessen, einmal stürzte er in seinem Zimmer.
Offenbar lehnte er selbst eine ständige Betreuung durch Pflegekräfte ab, andererseits nahmen die Ärzte aber auch Warnhinweise nicht ernst und äußerten sich abfällig über ihren Patienten. Eine neue Einweisung in ein Krankenhaus wurde wohl aus Image-Gründen verworfen.
Die Fans der argentinischen Fußballlegende fordern Gerechtigkeit. (Archivbild)Sebastián Hipperdinger/EUROPA PRESS/dpa
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In dem Haus im Viertel San Andres in Tigre nördlich von Buenos Aires sollen Zeugenaussagen zufolge katastrophale Zustände geherrscht haben. Fraglich ist zudem, ob das angemietete Haus in der privaten Wohnanlage überhaupt für die Pflege eines kranken Menschen geeignet war.
Viel deutet darauf hin, dass sich Maradona zuletzt mit Menschen umgab, die mit dem Image des einstigen Superstars Geld verdienen wollten. Den schlechten Gesundheitszustand des einstigen Spitzensportlers verheimlichten die falschen Freunde mit allen Mitteln.
Sorge um finanzielle Einbußen
Offenbar fürchteten sie, von ihm unterzeichnete Verträge könnten sonst für ungültig erklärt werden. Beispielsweise soll sein Umfeld darauf bestanden haben, dass Maradona sich an seinem 60. Geburtstag im Stadion seines Vereins Gimnasia y Esgrima La Plata zeigte, obwohl er kaum gehen konnte und von zwei Begleitern gestützt werden musste.
Maradona wird in dem südamerikanischen Land als Held verehrt. (Archivbild)Natacha Pisarenko/AP/dpa
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Von seiner Familie hingegen wurde Maradona offenbar systematisch abgeschirmt. Seine Tochter Giannina beschwerte sich öffentlich, dass sie kaum Kontakt zu ihrem Vater aufnehmen könne.
„Wir brauchen Gerechtigkeit. Wir wollen, dass Diego endlich in Frieden ruhen kann“, sagte Maradonas Ex-Freundin Verónica Ojeda kürzlich in einem Interview der Zeitung „La Voz del Interior“. „Jene, die das alles getan haben, die Diego getötet haben, sollen ins Gefängnis kommen.“