Fussball

Türkische Fußballfans provozieren kurdischen Verein

Beim Match am Montag zwischen Kocaelispor und dem mehrheitlich kurdischen Verein Amedspor schwenken einige Fans gelbe Tüten - ein Symbol, das in der Türkei an blutige Zeiten erinnert.

25.08.2026

Der mehrheitlich kurdische Fußbalverein Amedspor war im Mai 2026 in die türkische Süper Lig aufgestiegen. (Archivbild)Mehmet Masum Suer/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Der mehrheitlich kurdische Fußbalverein Amedspor war im Mai 2026 in die türkische Süper Lig aufgestiegen. (Archivbild)Mehmet Masum Suer/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

© Mehmet Masum Suer/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Nach dem Fußballspiel zwischen Kocaelispor und Amed Sportif Faaliyetler hat die Staatsanwaltschaft Kocaeli die Festnahme von fünf Fans angeordnet. Ihnen werden „Anstiftung der Bevölkerung zu Hass und Feindseligkeit“ und „Sprechchöre mit bedrohendem oder beleidigendem Inhalt“ vorgeworfen. Die Fans hatten in der türkischen Süper Lig am Montag auf der Tribüne des Gastgebers Kocaelispor gelbe Plastiktüten geschwenkt, um die Fans der gegnerischen Mannschaft zu provozieren, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu die Staatsanwaltschaft. 

Anspielung auf historischen Konflikt

Die Tüten gelten als eine Anspielung auf zahlreiche Tötungen von mutmaßlichen PKK-Kämpfern in der Türkei in den 90er Jahren, deren Leichname oft in gelben Leichensäcken an die Hinterbliebenen übergeben wurden. Die Zeit war geprägt vom blutigen Kampf zwischen dem türkischen Staat und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, dem Zehntausende zum Opfer fielen. 

Bereits in der Vergangenheit hatte es ähnliche symbolische Provokationen gegen den Verein gegeben, die Sperrungen für Fans zur Folge hatten. „Amed“ ist der kurdische Name der Stadt Diyarbakir im Südosten der Türkei, deren Fußballverein im Mai dieses Jahres erstmals in die Süper Lig aufgestiegen war. Die Anwaltskammer von Diyarbakir stellte ebenfalls Strafanzeige. 

Vereinsvorsitzender: „Gegenseitigen Respekt verteidigen“

Der Vorsitzende von Amedspor, Nahit Eren, schrieb auf der Plattform X, die Atmosphäre im Stadion, die verwendete Sprache und die Symbole seien „besorgniserregend“ gewesen. Er sei überzeugt, dass Sportstätten Orte sein sollten, an denen Respekt und Fairplay vorherrschen. Von den Justizbehörden erwarte er eine Untersuchung der Vorfälle. 

„Wir werden unter allen Umständen weiterhin die verbindende Kraft des Sports, den sozialen Frieden und den gegenseitigen Respekt verteidigen“, schrieb Eren. Der Rivale Kocaelispor, der das Spiel 2:0 im heimischen Stadion gewann, äußerte sich bisher nicht zu dem Vorfall.