Ruderer Zeidler und die Jagd nach dem nächsten Rekord
Nach mehreren Bestmarken in dieser Saison will Oliver Zeidler in Amsterdam weiter Geschichte schreiben. Dabei hat der Olympiasieger neben seinem vierten WM-Titel auch die Weltbestzeit fest im Blick.
Oliver Zeidler will in Amsterdam seinen vierten WM-Titel gewinnen. (Archivbild) Antonio Calanni/AP/dpa
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Oliver Zeidler hat in diesem Jahr noch kein Rennen verloren und zugleich mehrere Rekorde aufgestellt. Bei der Weltmeisterschaft in Amsterdam will der Olympiasieger im Ruder-Einer seine perfekte Saison mit seinem vierten WM-Titel krönen - und zugleich die nächste Marke seiner außergewöhnlichen Karriere setzen. „Der Weltrekord ist auf jeden Fall ein Thema“, sagte der 30-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
„Wir trainieren ja auch auf den Zeiten, um den irgendwann mal anzugehen. Allerdings ist Rudern eine Freiluftsportart. Es muss sehr viel zusammenpassen, um die perfekten Bedingungen zu haben. Deswegen kann ich nichts versprechen, aber die Form ist eigentlich da“, betonte Zeidler. Auf der Amsterdamer Bosbaan trifft er ab Mittwoch auf 40 Konkurrenten. Über Vorlauf sowie Viertel- und Halbfinale geht es im Einer dann bis zum Finale am Sonntag.
Mit neuem Trainingsansatz zum nächsten Coup
Ins Rennen geht er als Vize-Weltmeister. Im vergangenen Jahr hatte sich der Olympiasieger von Paris auf sein Studium in Lausanne konzentriert und trotz deutlich reduzierten Trainings bei der WM in Shanghai den zweiten Platz hinter dem Griechen Stefanos Ntouskos belegt. Für die Saison 2026 haben Zeidler und sein Vater und Trainer Heino den Ansatz verändert: mehr und längere Rudereinheiten, dafür etwas weniger Intensität. Der Plan scheint aufzugehen.
Neben Titeln strebt der 30-Jährige auch eine Weltbestzeit an. (Archivbild) Antonio Calanni/AP/dpa
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Nach einem beeindruckenden EM-Auftritt reist Zeidler mit viel Rückenwind zur WM. In Varese gewann er vor drei Wochen seinen vierten EM-Titel im Einer. Im Halbfinale stellte er einen EM-Rekord (6:37,87 Minuten) über 2.000 Meter auf, im Finale unterbot er diese Marke noch einmal (6:36,39). Dabei war Zeidler nach einem Trainingslager mit der Schweizer Nationalmannschaft, für die seine Freundin startet, nach eigenen Angaben sogar eher müde nach Italien gereist.
Bestmarke in Reichweite
Auf dem Weg zu Olympia 2028 in Los Angeles will Zeidler seine starke Entwicklung fortsetzen. Legt man die aktuellen Ergebnisse zugrunde, scheint der Deutsche prädestiniert in Reichweite der Weltbestzeit - aufgestellt am 18. Juni 2017 im polnischen Posen durch den Neuseeländers Robbie Manson (6:30,74 Minuten) - zu kommen. Bei allen drei Wettkämpfen, die er in dieser Saison absolvierte, siegte er und verbesserte seine Saison-Bestzeit stetig.
Bei allen drei internationalen Wettkämpfen in dieser Saison konnte Zeidler gewinnen. (Archivbild) Philipp Schmidli/KEYSTONE/dpa
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Auch sonst lief es für Zeidler in diesem Jahr. Im April holte er sich in München auf der Regattastrecke der Olympischen Spiele 1972 den deutschen Meistertitel im Einer, so dass sich ein Familienkreis schloss. Die Medaille wurde ihm von seinem Großvater Hans-Johann Färber überreicht, der 1972 Gold im Vierer mit Steuermann gewonnen hatte. Einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte sich Zeidler zuvor bereits im Februar mit einem Ergometer-Weltrekord.
Zeidler: „Rekorde sind da, um gebrochen zu werden“
„Rekorde sind ja da, um gebrochen zu werden. Das sind so Benchmarks, würde ich sagen, wo man einfach auch neue Maßstäbe im Sport setzen kann. Das ist natürlich etwas, das mich antreibt“, betonte der Ausnahmesportler vor den Titelkämpfen in Amsterdam. „Mittlerweile habe ich ja alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Aber wirklich so der Schnellste in irgendwas zu sein, ist natürlich eine große Ehre und auch ein großer Ansporn“, meinte der Ruderer.
Langfristig will sich Zeidler einen Platz in der Geschichte seines Sports sichern. „Ich möchte einfach irgendwann derjenige sein, der bestimmte Titel am häufigsten gewonnen hat oder eine Bestmarke aufgestellt hat. Ich denke, das ist das sportliche Erbe, das ich mir aufbauen möchte“, betonte er. Der nächste Schritt auf dem Weg zu diesem Vermächtnis könnte nun in Amsterdam folgen – mit dem vierten WM-Titel und einem Angriff auf die Weltbestzeit.