Ohne „Feuerwehrmann“ am Abgrund: Ende soll Fortuna retten
Düsseldorf wollte eigentlich aufsteigen und kämpft gegen den Abstieg. Am Abgrund übernimmt nun kein klassischer Feuerwehrmann wie Friedhelm Funkel den Trainerjob. Der Sportvorstand erklärt, warum.
Alexander Ende soll Fortuna Düsseldorf retten.Christoph Reichwein/dpa
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Einen Verdacht räumte Sven Mislintat gleich zu Beginn aus. „Wir haben den Trainerwechsel nicht vorgenommen, um tolle Wortspiel-Witze zu machen“, sagte der Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf bei der Vorstellung seines neuen Trainers. Alexander Ende übernimmt den Job von Markus Anfang. Auffällig ist das aber nicht nur wegen des Nachnamens.
Dass ein Trainer bei einem Abstiegskandidaten gefeuert wird und kurz darauf einen anderen retten soll, ist ungewöhnlich. Beim rheinischen Traditionsclub, der eigentlich um den Aufstieg in die Bundesliga spielen wollte, soll genau das passieren. Nicht einmal einen Monat nach seinem Aus bei Preußen Münster lautet Endes Auftrag, den Absturz der Fortuna in die Drittklassigkeit zu verhindern. Beim aktuellen Zweitliga-Tabellenletzten aus Westfalen hatte man ihm das nicht mehr zugetraut.
Mislintats Plan: Langfristige Lösung statt „Feuerwehrmann“
Ein „Feuerwehrmann“ wie der im Umfeld teils geforderte Friedhelm Funkel kam für Mislintat nicht infrage. Er setzt in der prekären Situation mit nur einem Punkt Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz auf einen Coach, von dessen Konzept er auch langfristig überzeugt ist. Es gehe nicht nur darum, „einen Impuls zu setzen“, sondern auch auf fußballerisch-inhaltlich gelungenes aufzusetzen und sich zu verbessern, sagte er.
Ende sieht das ähnlich: „Alles umkrempeln, alles sofort neu, das wird nicht funktionieren“, sagte der 46-Jährige. „Ich würde nicht hier sitzen, wenn ich nicht 100-prozentig davon überzeugt wäre, dass viel Potenzial in diesem Kader steckt.“
Das zeigte die Fortuna zuletzt kaum. Vier Spiele in Serie verlor Düsseldorf in den vergangenen Wochen. Mit nur 27 Toren in 29 Partien stellen die Landeshauptstädter die schlechteste Offensive der 2. Bundesliga. In Florent Muslija fällt zudem ein wichtiger Kreativspieler und der zweitbeste Torschütze bis über das Saisonende hinaus mit einem Kreuzbandriss aus.
Noch drei Spiele gegen direkte Konkurrenten
„Natürlich tut das weh“, sagte Ende, nahm aber auch gleich die Teamkollegen des 27-Jährigen in die Pflicht: „Das ist eine Riesenchance zu zeigen, dass ich ein Spieler bin, der in der Situation da ist.“
Sportvorstand Sven Mislintat (r) verfolgt Endes Werdegang schon länger.Christoph Reichwein/dpa
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Am Samstag trifft die Fortuna in Magdeburg auf einen direkten Konkurrenten im engen Kampf um den Klassenerhalt. Zu Hause gegen Dynamo Dresden und am letzten Spieltag in Fürth warten weitere Teams, die gegen den Abstieg spielen. Zudem muss Düsseldorf noch bei Spitzenreiter Schalke und gegen Aufstiegskandidat Elversberg antreten.
Mislintat sprach von einer Situation, „in der wir alles selbst in der Hand haben“. In den Katakomben der Düsseldorfer Arena betonte er mehrfach, dass nun alle im Club gefordert seien. „Es ist ganz wichtig, dass wir alle mithelfen und uns nicht verstecken können hinter irgendjemanden“, sagte der 53-Jährige - ein Verweis auf die vermeintliche „Schutzfunktion“, die ein „Feuerwehrmann“ gehabt hätte.
Ende will die Fans wieder mitnehmen
Besonderes Augenmerk wird aber trotzdem natürlich nun auf Ende liegen - dem bereits dritten Fortuna-Trainer nach Daniel Thioune und Anfang in dieser Saison. Der gebürtige Grevenbroicher berichtete von vielen Menschen in seinem Umfeld, „die mit Herzblut an der Fortuna hängen“.
Es gehe jetzt auch darum, das große Fan-Potenzial mit engagierten Leistungen zu mobilisieren und zu nutzen. „Dieser Verein wird getragen von einer unfassbaren Tradition und einer Fanbase. Das Ganze anzuzünden, ist unser Auftrag“, sagte er.
Auch, wenn er gerne schönen Fußball spielen lassen möchte, weiß er: „Ohne kratzen, kämpfen, beißen, ohne diesen Spirit, wird es in den nächsten Wochen nicht gehen.“