Fussball

Österreichs Fußballerinnen kämpfen mit Krise und Missständen

Verletzte Stars, fehlende Strukturen und ein Missbrauchsskandal: Vor den Duellen in der WM-Qualifikation mit Deutschland kämpfen Österreichs Fußballerinnen mit vielen Problemen.

08.04.2026

Auf ein Neues: Österreichs Barbara Dunst (l) vom FC Bayern, verfolgt von den DFB-Stars Brand (M) und Gwinn. (Archivbild)Sebastian Gollnow/dpa

Auf ein Neues: Österreichs Barbara Dunst (l) vom FC Bayern, verfolgt von den DFB-Stars Brand (M) und Gwinn. (Archivbild)Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Keine Punkte, keine Tore und wenig Aussicht auf Besserung. Vor den beiden ungleich anmutenden Duellen in der WM-Qualifikation mit Deutschland ist die Lage von Österreichs Fußballerinnen düster. Teamchef Alexander Schriebl steht nach den beiden 0:1-Niederlagen gegen Norwegen und Slowenien in der Kritik, Leistungsträgerinnen wie Sarah Zadrazil vom FC Bayern fehlen weiter verletzt. Doch die Gründe für den Abschwung in der Alpenrepublik liegen tiefer.

„Die Leistung gegen Slowenien bringt einen zum Nachdenken und zeigt, dass momentan nicht alles rund läuft“, sagt Ex-Nationaltrainerin Irene Fuhrmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor den Quali-Spielen gegen die DFB-Elf am Dienstag (18.15 Uhr/ZDF) in Nürnberg und vier Tage später in Ried.

Hat schon bessere ÖFB-Zeiten erlebt: Ex-Teamchefin Irene Fuhrmann. (Archivbild)Georg Hochmuth/APA/dpa

Hat schon bessere ÖFB-Zeiten erlebt: Ex-Teamchefin Irene Fuhrmann. (Archivbild)Georg Hochmuth/APA/dpa

© Georg Hochmuth/APA/dpa

Mit Fuhrmann als Assistentin schaffte die ÖFB-Elf 2017 den Einzug ins EM-Halbfinale, der bislang größte Erfolg in ihrer Geschichte. Als die inzwischen 45-Jährige dann Chefin war (2020 bis 2024), ging’s 2022 noch mal ins EM-Viertelfinale, seither aber stetig bergab. Bei der WM 2023 und EM 2025 fehlten die Österreicherinnen. „Jetzt ist sicher so eine Phase, wo wir schauen müssen, dass wir wieder den Anschluss finden“, fordert Fuhrmann.

Dass nach den Erfolgen mit Fuhrmann nicht mehr so viel zusammenläuft, hat auch strukturelle Gründe. Eine eigene Sportdirektorin, wie etwa Nia Künzer beim DFB, gibt es im ÖFB nicht. Generell mangelt es an Frauen in Führungsgremien. Die einzige Frau im ÖFB-Aufsichtsrat ist Isabel Hochstöger, die den Frauen- und Mädchenfußball leitet und Genderbeauftragte des Verbands ist. Ein Stimmrecht im Aufsichtsrat hat Hochstöger nicht.

In der Fläche fehlen Angebote

In der Fläche fehlen Clubs, die Fußball für Frauen anbieten. „Wir haben definitiv zu wenig Mädchenteams“, sagt Fuhrmann. Das führe dazu, dass Mädchen, die irgendwann bei den Jungen-Mannschaften rausfallen, komplett mit dem Fußball aufhören, weil die Wege zum nächstgelegenen Verein zu weit sind und der Aufwand zu groß, erklärt die Ex-Nationaltrainerin.

Der Verband konzentriert sich vor allem auf die Spitzenförderung in der 2011 gegründeten ÖFB-Frauen-Akademie in St. Pölten (bei Wien), in die er pro Jahr die zehn talentiertesten Nachwuchs-Spielerinnen zwischen 14 und 19 Jahren aufnimmt - und nach eigenen Angaben 700.000 Euro jährlich investiert. „Das hat einen unheimlichen Mehrwert für uns gehabt, um die besten Talente gezielt auszubilden“, sagt Fuhrmann. Nun müssten aber weitere Schritte unternommen werden, um auch die Breite besser abzubilden. 

17.000 Mädchen und Frauen spielen im ganzen Land Fußball. Da brauche es Strukturen, die mitwachsen, findet Fuhrmann. „Und das ist das, was in meinen Augen fehlt.“ Eine lizenzierte ÖFB-Akademie sei zu wenig, moniert sie. Eine U23 als Unterbau zur A-Nationalelf fehlt.

„Wir sind sicher noch weit weg von equal play“

Von gleichen Bedingungen zwischen Männern und Frauen können die Austria-Fußballerinnen nur träumen. „Wir sind sicher noch weit weg von equal play“, sagt Fuhrmann. Von gleicher Bezahlung (equal pay) sowieso. Immerhin werde inzwischen eine Ligapartie pro Spieltag beim ORF gezeigt, der Rest gestreamt. „Das erhöht schon mal die Sichtbarkeit.“

In der öffentlichen Wahrnehmung hat es Österreichs Liga unverändert schwer. Spitzenreiter FK Austria Wien spielte zuletzt gegen Südburgenland vor 255 Zuschauern in der Liga. Der SKN St. Pölten trat in der Champions League gegen Juventus Turin (0:5) vor gerade mal vor 1.000 Fans an. Die Gehälter liegen weit unter den durchschnittlich 4.500 Euro pro Monat, die in der deutschen Bundesliga bezahlt werden. Auch deshalb wandern viele Spielerinnen schon in jungen Jahren ab.

Missbrauchsfall in Altach erschüttert Liga

Erschüttert hat die Liga der im Oktober öffentlich gewordene Missbrauchsfall beim SCR Altach: Über Jahre hinweg filmte ein Club-Mitarbeiter Spielerinnen heimlich in der Umkleide und beim Duschen, darunter auch Minderjährige. Das Urteil - sieben Monate auf Bewährung, 1.200 Euro Geldstrafe, Entschädigungszahlungen an die Opfer - ist inzwischen rechtskräftig. Viele Beobachterinnen wie Fuhrmann empfanden es als zu mild.

Es mangele am Aufklärungswillen und Informationsfluss in der Sache, kritisierten zudem Spielerinnen wie die Ex-Altacherin Eleni Rittmann. Das Urteil habe sie etwa aus den Medien erfahren, sagte Rittmann, die bis Sommer 2024 für den Club spielte, in einem Interview des „Tagesspiegels“. „Ich wohne inzwischen in Frankreich und konnte deshalb nicht beim Gerichtstermin sein. Aber dass mich weder Verein noch Polizei informiert haben, ist schwer zu akzeptieren. Ich fühlte mich völlig im Stich gelassen.“

Seit Anfang 2025 in der Verantwortung: Österreichs Nationaltrainer Alexander Schriebl. (Archivbild)Daniel Löb/dpa

Seit Anfang 2025 in der Verantwortung: Österreichs Nationaltrainer Alexander Schriebl. (Archivbild)Daniel Löb/dpa

© Daniel Löb/dpa