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Heimspiel in London: Winter will ins WM-Finale

Die deutschen Frauen können bei der Tischtennis-Team-WM ins Endspiel einziehen. Die wichtigste Spielerin ist die Aufsteigerin der vergangenen anderthalb Jahre - mit Wurzeln im WM-Gastgeberland.

08.05.2026

Tischtennis-Star Sabine Winter. (Archivbild)Wang Ying/XinHua/dpa

Tischtennis-Star Sabine Winter. (Archivbild)Wang Ying/XinHua/dpa

© Wang Ying/XinHua/dpa

Der britische Kommentator war begeistert. „Sie könnte auch für England spielen“, rief er ins Mikrofon, als Deutschlands beste Tischtennis-Spielerin Sabine Winter bei der Team-WM in London wieder einmal die Sportwelt verblüffte. Mit 0:2 Sätzen lag sie im Viertelfinale gegen Hongkong bereits gegen ihre Gegnerin Doo Hoi Kem zurück. Doch die Aufsteigerin der vergangenen anderthalb Jahre gewann dieses Match noch mit 3:2, Deutschland zog ins Halbfinale ein, hat jetzt mindestens schon die Bronzemedaille sicher - und spielt an diesem Samstag gegen Japan um den Einzug ins WM-Endspiel.

„So eine WM-Medaille gewinnt man nicht jeden Tag“, sagte Winter danach. „Es ist ein Riesending, im Halbfinale zu sein. Japan ist sicher der große Favorit gegen uns. Aber wir haben absolut gar nichts zu verlieren. Wir werden um jeden Ball kämpfen und schauen, ob wir vielleicht eine kleine Chance kriegen. Und falls wir die kriegen, schlagen wir bestimmt zu!“

Winters Vater ist Brite

Für die 33-Jährige aus Bad Aibling in Oberbayern hat dieses Turnier in der Wembley Arena eine doppelte Bedeutung: eine sportliche und eine persönliche. Winters Vater ist Brite. Vor dem Abflug nach London erzählte sie von „Familienurlauben in England, bei denen wir Opa, Oma, Cousinen und Cousins getroffen haben. Natürlich habe ich mehr Bezug zu England als andere“.

Hinzu kommt: Der bisherige Verlauf dieser Weltmeisterschaft verstärkt nur noch den Eindruck, dass Winters sportlicher Aufstieg keine Grenzen hat. Zur Erinnerung: Bei den beiden vergangenen WM-Medaillen 2010 und 2022 gehörte sie zwar bereits zum deutschen Team, war aber nur eine Randfigur. Für die Olympischen Spiele 2024 wurde sie gar nicht nominiert.

Neuer Schläger, neuer Stil

Doch am Ende jenes Jahres wagte sie etwas, das sich auf diesem internationalen Niveau noch niemand getraut hatte: Winter änderte mit über 30 ihren Spielstil und den Schlägerbelag. Seitdem klebt ein glatter, reibungsfreier Antitop-Belag auf ihrer Rückhandseite, der die Ballwechsel teilweise extrem verlangsamt und ihre Gegnerinnen völlig entnervt. Spielerinnen wie Doo Hoi Kem aus Hongkong legt sie sich damit so zurecht am Tisch, dass sie den Punkt am Ende mit ihrer eigentlichen Stärke macht: dem Vorhandschlag.

Seitdem sie so spielt, kennt Winters Karriere nur eine Richtung: nach oben. Als einzige Europäerin gehört sie zu den besten Zehn der Weltrangliste. Sie gewann Europas Top-16-Turnier, die Team-EM ohne Satzverlust und erreichte beim Grand Smash in Singapur genauso das Halbfinale wie beim traditionsreichen World Cup in Macau. Auch bei der WM in London ist ihre persönliche Bilanz: sechs Siege in sieben Spielen.

Sabine Winter ist Neunte der Weltrangliste. (Archivbild)Then Chih Wey/XinHua/dpa

Sabine Winter ist Neunte der Weltrangliste. (Archivbild)Then Chih Wey/XinHua/dpa

© Then Chih Wey/XinHua/dpa

Acht Chinesinnen, fünf Japanerinnen - und Winter

Was sie über diese Entwicklung denkt? „Das kommt auf den Moment an“, sagt Winter. „Mal bin ich stolz. Mal bin ich eher perplex. Mal verspüre ich aber auch etwas mehr Druck als vorher.“

Ein großer Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Tischtennis ist, dass die chinesische Dominanz bei den Frauen noch anhält, während sie bei den Männern längst bröckelt. In der Weltrangliste stehen unter den Top 15 acht Chinesinnen, fünf Japanerinnen, eine Südkoreanerin - und eben Winter auf Platz neun.

Jeder besonders wertvolle Sieg wie gegen die Chinesin Wang Yidi beim World Cup oder die Japanerin Honoka Hashimoto bei dieser WM wird beim nächsten Mal gegen sie verwendet. „Die Gegnerinnen analysieren mich. Sie entwickeln im Training Methoden gegen meine Spielweise“, weiß Winter. „Es wird sich zeigen, wer sich schneller verbessert: meine Gegnerinnen oder ich. Bislang war ich immer schneller.“ Am besten auch am Samstag im Halbfinale der WM.

Sabine Winter (r) und Nina Mittelham wollen ins WM-Finale. (Archivbild)Xu Bingjie/XinHua/dpa

Sabine Winter (r) und Nina Mittelham wollen ins WM-Finale. (Archivbild)Xu Bingjie/XinHua/dpa

© Xu Bingjie/XinHua/dpa