„Brät immer weiter“: Hitze-Problem bei French Open
Die Spieler stöhnen, die Besucher flüchten in den Schatten, ein Ballkind kippt fast um: Die Hitze ist ein großes Thema bei den French Open. Boris Becker erinnert mit Gruseln an die „Weichei“-Zeiten.
Die Tennisprofis nutzen jede Möglichkeit zur Abkühlung.Marcin Cholewinski/ZUMA Press Wire/dpa
© Marcin Cholewinski/ZUMA Press Wire/dpa
Der vielleicht größte Gegner bei den French Open in Paris ist für die Tennisprofis die brutale Hitze. „Es brät halt immer weiter“, sagte Laura Siegemund. Und Eva Lys verriet: „Ich habe mir im Kopf immer gesagt: Du wirst nicht diejenige sein, die wegkippt. Aber von rechts nach links laufen - man schwitzt sich da einen ab.“
Seit dem Auftakttag am vergangenen Sonntag gibt es beim Grand-Slam-Turnier Sonne pur und Temperaturen um oder über 30 Grad, am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen. Selbst langjährige Begleiter des Sandplatz-Events können sich an ein solch konstant heißes Wetter im Mai nicht erinnern.
„Du musst dich benehmen“
Alexander Zverev freut es: „Ich liebe Hitze.“ Andere Tennisprofis stöhnen darüber - so wie Daniil Medwedew. Bei der Erstrunden-Pleite des Russen musste seine Frau ihn während des Matches Medienberichten zufolge sogar maßregeln: „Es ist für alle heiß. Alle leiden. Du musst dich benehmen.“
Auch viele Besucher, Linienrichter und Ballkinder leiden unter den Bedingungen. Die Partie von Andrej Rubljow gegen Ignacio Buse musste kurz unterbrochen werden, weil ein Ballmädchen wackelig auf den Beinen war und beinahe ohnmächtig geworden wäre. Die Schiedsrichterinnen leisteten umgehend Hilfe, das Mädchen erholte sich Medienberichten zufolge schnell.
A ball girl was struggling with the heat during the Rublev and Buse match at Roland Garros.
— The Tennis Letter (@TheTennisLetter) May 25, 2026
Glad she’s okay… these conditions are brutal.
❤️🩹🙏 pic.twitter.com/XufwCudhPQ
Eiswürfel auf dem Kopf, viel trinken und Sonnenbrille
Und die Profis? Der Kanadier Gabriel Diallo gab wegen der extremen Hitze in der ersten Runde auf. „Es wurde schlimmer und schlimmer“, klagte er. Manche nahmen eine medizinische Auszeit. Die meisten legen sich in den Matchpausen nasse Handtücher in den Nacken und große Eiswürfelbeutel auf den Kopf. Schatten spendet währenddessen der von Ballkindern gehaltene Sonnenschirm. US-Star Coco Gauff legt gar ihre Ersatzschläger in die Kühlbox neben der Bank.
Doch all das hilft nur bedingt. „Man kann von der Bank kommen und merkt plötzlich, dass die Konzentration nachlässt“, sagte die gebürtige Russin Daria Kasatkina. „Man muss unglaublich viel auf die Ernährung achten, wie viel man trinkt, dass man Salz und Elektrolyte zu sich nimmt“, berichtete Lys: „Ich glaube, alles, was man trinkt, schwitzt man wieder aus.“
Die heftige Sonneneinstrahlung ist auch spielerisch ein Problem für die Profis. Oft war zu beobachten, wie die Spielerinnen und Spieler beim Ballwurf die Aufschlagbewegung abbrachen. Tamara Korpatsch behalf sich mit einer Sonnenbrille, mit der sie den Durchblick behielt. „Es gefällt mir viel lieber, so zu spielen“, sagte die Hamburgerin: „Ich kann den Ball besser sehen und bin echt sehr lichtempfindlich.“
Behielt mit einer Sonnenbrille den Durchblick: Tamara KorpatschFrank Molter/dpa
© Frank Molter/dpa
Das sehen die Hitze-Regeln vor
Die Organisatoren haben eine Richtlinie für extreme Wetterbedingungen eingeführt. Diese orientiert sich an der Wet Bulb Globe Temperature (WBGT), die zur Bestimmung der Hitzebelastung für den menschlichen Körper herangezogen wird. Auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind werden berücksichtigt.
Steigt der WBGT-Wert über 30,1 Grad, können die Profis an bestimmten Zeitpunkten zehnminütige Kühlpausen beantragen. Bei über 32,2 Grad soll es laut der Organisatoren verpflichtende Unterbrechungen geben. Dazu kam es an den ersten drei Wettkampftagen aber nicht. Ähnliche verbindliche Hitzeschutz-Regeln gibt es auch bei den Vereinigungen ATP und WTA.
Becker: „Wehe, du hast dich beschwert“
Solche Regeln gab es früher nicht. „Das kannst du heute keinem jungen Spieler erklären, wie sie uns früher behandelt haben“, sagte Tennis-Ikone Boris Becker bei Eurosport: „Und wehe, du hast dich früher beschwert, dann warst du auf gut Deutsch ein Weichei. Ich finde es gut, dass es heute anders ist und die Spieler geschützt werden.“
Die Besucher des Grand-Slam-Turniers in Roland Garros müssen sich selbst schützen. Sie suchen auf der traditionsreichen Anlage überwiegend schattige Plätze auf. Vor den Wasser-Spendern, Wasser-Sprinklern und auch Sonnencreme-Ständen gibt es lange Schlangen. Besserung ist erst ab Sonntag in Sicht: Dann sollen die Temperaturen auf 24 Grad fallen.
Auch Eva Lys litt bei ihrem Erstrundenmatch unter den Bedingungen. Frank Molter/dpa
© Frank Molter/dpa
Viel trinken und Eisbeutel - viel mehr können die Spieler und Spielerinnen nicht machen.Frank Molter/dpa
© Frank Molter/dpa
Auch für die Besucher sind die Bedingungen schwierig.Aurelien Morissard/AP/dpa
© Aurelien Morissard/AP/dpa
Die Plätze in Roland Garros müssen bei der Hitze oft bewässert werden.Frank Molter/dpa
© Frank Molter/dpa