66 Prozent Zustimmung: Rückenwind für Olympia-Pläne in NRW
Nach den Bürgerentscheiden in NRW ist das Olympia-Projekt einen Schritt weiter. Wie es nun mit den Plänen weitergeht und wo noch nachgebessert werden muss.
16 von 17 Städten in NRW stimmten für eine Olympia-Bewerbung von Rhein und Ruhr.Christoph Reichwein/dpa
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Die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in Nordrhein-Westfalen hat eine wichtige Hürde genommen. 66 Prozent stimmten nach dem vorläufigen Endergebnis, das der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Montagmorgen mitteilte, in den Bürgerentscheiden für eine Bewerbung der Region „KölnRheinRuhr“ um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Die Wahlbeteiligung lag ohne Herten bei 32,9 Prozent.
Den Partybefehl hatte Ministerpräsident Hendrik Wüst schon mehr als 12 Stunden zuvor gegeben. „Wir können mit Fug und Recht sagen: Ein historischer Rückhalt für eine Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele kommt heute Abend aus Nordrhein-Westfalen“, sagte der CDU-Politiker am späten Sonntagabend in Köln. Trotz der stets geäußerten Zuversicht der Planer war ein Scheitern der Entscheide bis zuletzt nicht ausgeschlossen.
Langes Warten auf Kölner Ergebnisse
Ausgerechnet in Köln als „Leading City“ blieb es lange spannend. Erst um kurz nach 3.00 Uhr am Montagmorgen lag das Ergebnis vor: 57,4 Prozent votierten für die Bewerbung - deutlich weniger als in den übrigen Orten. In den anderen 16 Städten waren die Resultate bereits am Sonntagabend bekanntgeworden: Überall stimmten rund 1,4 Millionen der mehr als vier Millionen Wahlberechtigten mehrheitlich für eine Teilnahme ihrer Kommune.
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) ließ sich auch ohne Endergebnis schon feiern. Christoph Reichwein/dpa
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Teil der Bewerbung werden könnten demnach Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal. Auch in Herten sprachen sich mehr als 70 Prozent dafür aus, doch wegen einer zu niedrigen Wahlbeteiligung wurde das erforderliche Quorum nicht erfüllt. Damit fällt Herten vollständig aus der Bewerbung heraus.
Was passiert nach dem Olympia-Aus von Herten?
Doch Recklinghausen, das gemeinsam mit Herten als Austragungsort für die Mountainbike-Wettbewerbe auf der Halde Hoheward geplant war, signalisierte unmittelbar nach der Entscheidung, auch alleinverantwortlich übernehmen zu wollen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagte Recklinghausens Bürgermeister Axel Tschersich (SPD). Da die Abstimmungsfrage jedoch an die Kooperation mit Herten geknüpft gewesen sei, gelte es nun das weitere Vorgehen zu prüfen.
16 von 17 Städten in NRW stimmten für eine Olympia-Bewerbung von Rhein und Ruhr. Christoph Reichwein/dpa
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NRW hat genau wie die Mitbewerber München, Hamburg und Berlin noch bis Anfang Juni Zeit, das Konzept nachzubessern. Der DOSB bewertet alle Kandidaten mit Hilfe einer Matrix, in die auch die Bürgerentscheide einfließen. Am 26. September soll entschieden werden, welches der vier Konzepte für Deutschland ins internationale Bewerbungsverfahren geht. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet wohl frühestens 2027.
Kritik an Bewerbung bleibt laut
Nicht überall wurde das positive Abstimmungsergebnis begrüßt. Das Bündnis „NOlympia Köln“ kritisierte, dass viele Menschen gar nicht erst abgestimmt hätten und verwies auf seiner Ansicht nach zu niedrig angesetzte Kosten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht neben der Gefahr negativer Umweltauswirkungen vor allem in der Ja-Quote in Köln kein klares Pro-Olympia-Signal und hält es für zu schwach im Vergleich zu dem der Mitbewerber.
Neben NRW bewerben sich auch Hamburg, München und Berlin als deutsche Ausrichter. Christoph Reichwein/dpa
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Das NRW-Konzept setzt auf vorhandene Sportstätten und will Neubauten vermeiden. In der „Leading City“ Köln sind ein temporäres Leichtathletikstadion sowie das Athletendorf geplant. Ministerpräsident Wüst warb immer wieder für die „spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele“ und versprach einen Zuschauerrekord mit 14 Millionen Tickets und großen Kulissen, etwa beim Schwimmen auf Schalke oder Fußball in Dortmund.