Wissenschaft

Warnstreik trifft Haribo-Stammwerk in Bonn

Fruchtgummi und Lakritz laufen bei Haribo in Bonn vom Band: An diesem Freitag ist die Produktion beeinträchtigt. Auslöser ist ein Warnstreik.

24.07.2026

Die Gewerkschaft NGG bestreikt das Haribo-Stammwerk in Bonn.Benjamin Westhoff/dpa

Die Gewerkschaft NGG bestreikt das Haribo-Stammwerk in Bonn.Benjamin Westhoff/dpa

© Benjamin Westhoff/dpa

Beim Gummibärchen-Hersteller Haribo haben Beschäftigte am Stammwerk in Bonn ihre Arbeit niedergelegt und für mehr Lohn gestreikt. Zur Zahl der Streikenden machten die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und das Unternehmen unterschiedliche Angaben. Sarah Richter von der NGG sagte am Freitagnachmittag, die Hälfte der Frühschicht-Besetzung sei der Arbeit ferngeblieben. Bei der Spätschicht sei der Anteil noch deutlich höher gewesen. Die Rede war von mehreren Hundert Beteiligten.

Eine Haribo-Sprecherin sprach hingegen von einer Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich. „Der Betrieb läuft nach wie vor weiter.“ Die Gewerkschaft berichtete von einer schleppenden Produktion von Fruchtgummi und Lakritz. Soweit bekannt, seien dabei auch Beschäftigte aus anderen Bereichen eingesetzt worden, „um die Abläufe am Laufen zu halten“. 

An einer Kundgebung vor dem Werkstor beteiligten sich nach Angaben der NGG etwa 90 Menschen. An dem Standort sind laut Haribo etwa 600 Menschen beschäftigt. Der Warnstreik läuft 18 Stunden und endet am Freitagabend um 23 Uhr. Auch andere Betriebe wie Lindt und Lambertz wurden bestreikt. 

Was die Gewerkschaft fordert und die Arbeitgeber bieten

Der Tarifvertrag in der NRW-Süßwarenindustrie gilt den Angaben zufolge für rund 17.000 Beschäftigte, dabei inbegriffen sind neben Haribo auch Standorte von Katjes in Emmerich, Storck in Halle/Westfalen und dem Kartoffelchips-Hersteller Intersnack („funny-frisch“) in Grevenbroich. 

Der bisherige Tarifvertrag lief Ende April aus, die NGG fordert ein Lohnplus von 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Arbeitgeber bieten einen 24 Monate laufenden Tarifvertrag, bei dem es in zwei Schritten um jeweils zwei Prozent nach oben gehen soll. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie bietet zudem zwei Einmalzahlungen von je 156 Euro netto. 

Die Lage der Branche sei angespannt, heißt es vom Verband. Die Produktionsmenge der deutschen Süßwarenindustrie sei 2025 um knapp vier Prozent auf 3,73 Millionen Tonnen gesunken. Zugleich blieben die Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik hoch. Die Forderung der Gewerkschaft sei wirtschaftlich nicht tragfähig. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 13. August geplant.

Haribo-Beschäftigte vor dem Stammwerk in Bonn.Benjamin Westhoff/dpa

Haribo-Beschäftigte vor dem Stammwerk in Bonn.Benjamin Westhoff/dpa

© Benjamin Westhoff/dpa

Haribo verkaufte 2025 so viele Süßigkeiten wie nie zuvor

Haribo meldete im Mai einen Absatzrekord. Der Absatz des Unternehmens legte 2025 weltweit um 4,5 Prozent zu. Haribo-Produkte sind nach Unternehmensangaben in fast 200 Ländern weltweit zu kaufen. Sie werden demnach an 16 Standorten in elf Ländern produziert. Haribo beschäftigt rund 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit 2018 hat das Unternehmen seinen Sitz in Grafschaft in Rheinland-Pfalz.

Blick auf ein Haribo-Werk. Das Bonner Stammwerk wird bestreikt.Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Blick auf ein Haribo-Werk. Das Bonner Stammwerk wird bestreikt.Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

© Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa