Wissenschaft

Warnstreik legt Nahverkehr lahm - Was fährt noch?

Der Wochenanfang ist für Millionen Fahrgäste des Nahverkehrs diesmal eine besondere Herausforderung. Haltestellen werden nicht angefahren. Das hat Folgen für den Straßenverkehr.

02.02.2026

Flaggen weisen vor dem Betriebshof Nord der Kölner Verkehrs-Betriebe auf einen Warnstreik hin.Henning Kaiser/dpa

Flaggen weisen vor dem Betriebshof Nord der Kölner Verkehrs-Betriebe auf einen Warnstreik hin.Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Leere Haltestellen, volle Straßen: Ein ganztägiger Warnstreik hat den öffentlichen Nahverkehr in großen Teilen Nordrhein-Westfalens lahmgelegt. Busse, Straßen- und U-Bahnen blieben am Montag in den Depots. 12.000 Beschäftigte seien dem Aufruf zu Arbeitsniederlegungen gefolgt, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Laut ADAC machte sich der Warnstreik im morgendlichen Berufsverkehr auf den Straßen insbesondere in den Ballungsräumen bemerkbar. Am Dienstag soll sich die Lage im ÖPNV aber wieder normalisieren.

Nahezu alle großen Verkehrsbetriebe betroffen

Die Gewerkschaft Verdi hatte Beschäftigte in insgesamt rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Dazu zählen nahezu allen großen kommunalen Nahverkehrsunternehmen des Landes wie die KVB in Köln, die Rheinbahn in Düsseldorf, DSW21 in Dortmund oder der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Münster. Die Aseag in Aachen ist eine der wenigen Ausnahmen, die nicht von dem Tarifkonflikt betroffen sind. 

Die Schranke bleibt unten. Bei vielen kommunalen Nahverkehrsbetrieben bleiben die Fahrzeuge in den Depots.Henning Kaiser/dpa

Die Schranke bleibt unten. Bei vielen kommunalen Nahverkehrsbetrieben bleiben die Fahrzeuge in den Depots.Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

„Alle Ein- und Ausgänge sind symbolisch blockiert“, sagte Frank-Michael Munkler von Verdi zur Situation bei der KVB. Busse und Bahnen seien in den Depots geblieben, sagte auch Linda Malolepszy, die bei Verdi unter anderem für die Rheinbahn zuständig ist.

In einigen Städten waren Busse von Subunternehmen unterwegs. Reisende mussten im Internet und in Apps schauen, welche Verbindungen sie nehmen konnten. Auch der Bahnverkehr mit Regionalzügen und S-Bahn-Linien war nicht von dem Warnstreik betroffen.

S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht von den Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr betroffen. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa

S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht von den Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr betroffen. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Geduldsprobe für Autofahrer

Der Warnstreik im kommunalen Nahverkehr und mehrere Unfälle stellten zu Wochenbeginn viele Autofahrer im Berufsverkehr auf eine Geduldsprobe. Zwar hätten sich die Zahl der Staus und die Staulänge am Morgen auf einem ähnlichen Niveau wie zu Beginn der Vorwoche bewegt. „Allerdings stehen die Menschen länger im Stau“, sagte ADAC-Sprecher Thomas Müther. „Der Warnstreik macht sich bemerkbar, insbesondere in Ballungsräumen.“ 

Nach den Daten des ADAC gab es am Montagmorgen kurz vor 8.00 Uhr knapp 260 Kilometer Stau und zähflüssigen Verkehr auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen - bundesweit waren es 500 Kilometer. Der Zeitverlust habe im Einzelfall bis zu einer Stunde betragen. Der ADAC-Sprecher verwies dabei auch auf Unfälle wie auf der A3 zwischen Leverkusen und dem Kreuz Hilden sowie auf der A40. Unfälle hätten im morgendlichen Berufsverkehr besonders große Auswirkungen.

Berufspendler fahren mit ihren Autos zur Arbeit. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

Berufspendler fahren mit ihren Autos zur Arbeit. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

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Schulpflicht besteht

Schüler hatten zwar teilweise Probleme, in ihr Klassenzimmer zu kommen - einfach zu Hause bleiben durften sie aber nicht. Das NRW-Schulministerium hatte im Vorfeld ausdrücklich auf die Schulpflicht hingewiesen. „Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin“, hatte das Ministerium auf der Plattform Facebook erklärt. Eltern müssten deshalb dafür Sorge tragen, dass ihre Kinder zur Schule kommen. Sollte einer Schülerin oder einem Schüler der Schulweg im Einzelfall nicht zumutbar sein, handele es sich um entschuldigte Fehlzeiten, hieß es.

Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt?

Die erste Verhandlungsrunde für die etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW war am 21. Januar ohne Ergebnis geblieben. Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit solle von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen, fordert Verdi NRW.

Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen

Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der kommunalen Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, sodass der Nahverkehr bereits jetzt attraktive Arbeitsplätze biete. Würde man den Forderungen nachkommen, müsse voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, längere Takte und die Vergabe von Beförderungen ans private Busgewerbe nachgedacht werden.

Hinweise auf den Warnstreik an Fahrgäste.Henning Kaiser/dpa

Hinweise auf den Warnstreik an Fahrgäste.Henning Kaiser/dpa

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Warnstreik auch bei den Kölner Verkehrs-Betrieben KVB.Henning Kaiser/dpa

Warnstreik auch bei den Kölner Verkehrs-Betrieben KVB.Henning Kaiser/dpa

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