Wissenschaft

Nahverkehr: Großer Warnstreik und Teilausfälle am Tag danach

Den kommunalen Nahverkehr in NRW nutzten täglich Millionen Fahrgäste. An diesem Donnerstag bleiben jedoch vielerorts wieder Busse und Bahnen in den Depots. Am Freitag sind Teilausfälle möglich.

18.03.2026

Hinweise auf den Warnstreik an Fahrgäste. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa

Hinweise auf den Warnstreik an Fahrgäste. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Keine Stadtbahnen und nur wenige fahrende Busse: Zum zweiten Mal in dieser Woche müssen Fahrgäste an diesem Donnerstag (19. März) vielerorts mit erheblichen Einschränkungen im kommunalen Nahverkehr rechnen. Die Gewerkschaft Verdi hat in allen Regionen Nordrhein-Westfalens Beschäftigte in vielen Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik aufgerufen.

Busse und Stadtbahnen stünden in den bestreikten Betrieben von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht weitgehend still, teilte die Gewerkschaft mit. Nur die Stadtwerke Münster würden nicht bestreikt. Bereits am Dienstag (17. März) hatten Arbeitsniederlegungen des Fahrpersonals in vielen Städten zu umfangreichen Ausfällen im kommunalen Nahverkehr geführt. 

Teilausfälle am Freitag möglich

Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr können auch an diesem Freitag (20. März) in vielen Städten zu Einschränkungen bei Bus und Bahnen führen. Verdi ruft in ausgewählten Betriebshöfen von etlichen Nahverkehrsbetrieben Mitarbeiter zu Arbeitsniederlegungen auf, wie eine Sprecherin sagte. 

Je nach betroffenem Standort kann es nach Einschätzung der Gewerkschaft zu Einschränkungen auf einzelnen Linien und Strecken kommen. In kleineren Unternehmen sei teilweise auch das gesamte Streckennetz betroffen. 

Am Freitag (19. März) werden ausgewählte Betriebshöfe bestreikt. Teilausfälle im Bus- und Bahnangebot sind laut Verdi möglich. (Archivbild)Oliver Berg/dpa

Am Freitag (19. März) werden ausgewählte Betriebshöfe bestreikt. Teilausfälle im Bus- und Bahnangebot sind laut Verdi möglich. (Archivbild)Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Wo werden Betriebshöfe bestreikt?

Die Liste der Nahverkehrsbetriebe, deren Streckennetz durch den geplanten Warnstreik in bestimmten Betriebshöfen am Freitag betroffen sein könnte, umfasst rund 20 Unternehmen. Darunter befinden sich unter anderem die Stadtwerke Bonn, die KVB (Köln), die Rheinbahn (Düsseldorf), die Dortmunder Stadtwerke, die Bogestra im mittleren Ruhrgebiet und die Stadtwerke Hamm. 

Welche Verkehrsalternativen gibt es? 

Erfahrungsgemäß fahren zumindest einige Busse privater Subunternehmer, wenn Busse und Stadtbahnen in den Depots bleiben. S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht vom Tarifkonflikt im Nahverkehr betroffen und können etwa in Großstädten genutzt werden, um ein großes Stück voranzukommen. Der ADAC rät zu Fahrgemeinschaften und für Kurzstrecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten wie Leihräder oder auch Elektroscooter. 

Das Fahrrad ist eine Alternative beim Warnstreik im Nahverkehr. (Archivbild) Bernd Thissen/dpa

Das Fahrrad ist eine Alternative beim Warnstreik im Nahverkehr. (Archivbild) Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Müssen Schulkinder trotzdem zur Schule? 

Das NRW-Schulministerium hatte bei vorangegangenen Warnstreiks im Nahverkehr darauf hingewiesen, dass Schulpflicht besteht: „Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin.“ 

Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt? 

Im Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr geht es um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 Nahverkehrsbetrieben in NRW. In zwei Verhandlungsrunden ist bislang keine Einigung erzielt worden. Die dritte Tarifrunde beginnt am 24. März. Durch Warnstreiks ist in den vergangenen Wochen und Tagen mehrfach der Nahverkehr vielerorts lahmgelegt worden.

Arbeitszeit im Fokus

Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll außerdem von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. 

Ein großangelegter Warnstreik legt am Donnerstag (19. März) vielerorts den Nahverkehr lahm. (Archivbild)Sascha Thelen/dpa

Ein großangelegter Warnstreik legt am Donnerstag (19. März) vielerorts den Nahverkehr lahm. (Archivbild)Sascha Thelen/dpa

© Sascha Thelen/dpa

Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen 

Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze. 

Viele Betroffene 

Die kommunalen Nahverkehrsbetriebe in NRW befördern nach einer früheren Einschätzung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen pro Tag im Durchschnitt etwa fünf Millionen Fahrgäste. Da es oft Hin- und Rückfahrten sind, könnten es etwa 2,5 Millionen tägliche Nutzer im Nahverkehr sein.