Wissenschaft

Steuerfahnder setzen auf KI-Analyse riesiger Datenmassen

Eine noch recht junge Behörde spielt eine zentrale Rolle, um den Sumpf aus Steuerbetrug trockenzulegen. Spezielle Verhörräume und ein Lagezentrum sollen helfen - und Künstliche Intelligenz.

11.09.2026

Das Schild ist noch recht frisch am Eingung der LBF-Zentrale.Wolf von Dewitz/dpa

Das Schild ist noch recht frisch am Eingung der LBF-Zentrale.Wolf von Dewitz/dpa

© Wolf von Dewitz/dpa

Nordrhein-Westfalens Steuerfahnder möchten Betrügern künftig verstärkt mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz das Handwerk legen. „Finanzkriminalität hinterlässt heute immer häufiger digitale Spuren“, sagte Landesfinanzminister Marcus Optendrenk (CDU) bei der Einweihung der neuen Zentrale des Landesamtes zur Bekämpfung von Finanzkriminalität (LBF) in Düsseldorf. Daher bräuchten Fahnder etwa KI-Tools, um Beweise zu sichten und auszuwerten. „Wenn man ein Terabyte an Daten zum Auswerten hat, stellt man sich die Frage, wie soll man das denn machen, wenn man das am Computer nur scrollen kann.“ 

Das 2024 gegründete LBF ist Deutschlands größte Steuerfahndung. Die Behörde hat mehr als 1.200 Beschäftigte, von denen gut die Hälfte Steuerfahnder sind. Die anderen Beschäftigten kümmern sich um Bußgeldsachen, IT-Fragen und anderes. Der Vize-Behördenchef Michael Schneiderwind berichtete von gewaltigen Datenmassen, die durchforstet werden müssen. Für das Sortieren und Zuordnen brauche man KI. 

Die Steuerfahnder-Behörde arbeitet mit dem Fraunhofer-Institut IAIS aus Sankt Augustin zusammen, eine Forschungskooperation für die KI-Software begann im vergangenen Jahr. Über das neue digitale Tool sagte Minister Optendrenk: „Das führt dazu, dass wir die Datenmengen auswertbar machen und dann lernt das System quasi in sich selbst.“ 

Es gehe um eine KI-Analyse in einem geschützten Raum, ohne externe Cloud. „Wir wollen flächendeckende Steuerfahndung zum Erfolg bringen“, sagte der Christdemokrat. „Also dass man nicht nur Steuerschaden reduziert, sondern auch Steuerstrafrecht umsetzbar macht.“ 

NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk sieht Fortschritte im Kampf gegen die Finanzkriminalität.Wolf von Dewitz/dpa

NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk sieht Fortschritte im Kampf gegen die Finanzkriminalität.Wolf von Dewitz/dpa

© Wolf von Dewitz/dpa

Mit der KI chatten und zu den Beweismitteln befragen 

Vize-Behördenchef Schneiderwind sagte, dass das neue Fraunhofer-Analysetool bereits jetzt deutlich helfe. „Der Fahnder kann mit seinen Asservaten chatten und Fragen stellen.“ Man könne mit Stichwörtern suchen und fremdsprachliche Texte übersetzt bekommen. „Eine ungeordnete Datenmenge wird strukturiert und händelbar gemacht.“ An den Beweismitteln geändert werde natürlich nichts durch die KI. 

Behördenleiterin Stephanie Thien betonte, dass die Steuerfahnder weiterhin das Sagen hätten. „Nicht das Programm macht die Arbeit, sondern das Programm hilft, die Arbeit überhaupt zu bewältigen in seiner Vielfalt.“ Ihr Vize Schneiderwind sagte: „Die letzte Entscheidung hat der Fahnder - immer, das bleibt so.“