Schalke-Sponsor Beumer hofft auf Fußballfans als Mitarbeiter
Schalkes Stadion heißt Veltins-Arena, das Sponsoring soll Lust machen auf Bier aus dem Sauerland. Auf das Schalke-Trikot kommt bald der Firmenname Beumer. Lust auf ein Gepäckförderband für daheim?
Wo die wohl alle arbeiten? Einige von ihnen künftig vielleicht ja bei der Beumer Group. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa
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Der neue Schalke-Hauptsponsor Beumer rechnet sich bessere Karten bei Jobsuchenden aus, wenn sein Firmenname ab der kommenden Saison auf dem Trikot und den Spielfeld-Banden des Gelsenkirchener Fußballclubs zu sehen sein wird. Außerhalb von Beckum, wo die Beumer Group ihren Firmensitz hat, sei man nun mal recht unbekannt, sagte der Firmeninhaber Christoph Beumer der dpa. „Niemand aus Münster, Bielefeld, dem Sauerland oder dem Ruhrgebiet kommt auf seiner Jobsuche auf die Idee, wegen eines Jobs bei Beumer anzufragen - das ändert sich künftig hoffentlich.“
Die Firma brauche motivierte Leute, da eigne sich Stadionwerbung gut. „Unsere Marke wird gestärkt und kommt in die Köpfe der Menschen, die morgen einen Job suchen und dann vielleicht an uns denken.“
Der Geschäftsführer der Beumer-Group Rudolf Hausladen (links) steht an der Firmenzentrale in Beckum neben dem Beiratsvorsitzenden und Firmengründer-Enkel Christoph Beumer. Max Lametz/dpa
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Großer Mittelständler im Nischenmarkt
Bernhard Beumer, der Großvater von Christoph Beumer, gründete die Firma 1935 und verkaufte Fördertechnik für Schüttgut, dies auch für den Bergbau im Ruhrgebiet. Inzwischen hat das Unternehmen gut 6.000 Beschäftigte, 1.200 davon in Deutschland und davon wiederum 1.000 in der 37.000-Einwohner-Stadt Beckum im Kreis Warendorf. Die Firma ist auf Wachstumskurs. 2024 machte sie 1,4 Milliarden Euro Umsatz und damit doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor. Zum Gewinn werden keine Angaben gemacht.
Die Beumer Group stellt Gepäck-Förderbänder für Flughäfen, Sortierbänder für Paketzentren sowie Fördertechnik für Erzminen und Zementfabriken her. Während andere Fußballmannschaften Marken auf der Brust haben, deren Produkte und Dienstleistungen sich die Zuschauer kaufen können - etwa Vodafone bei Borussia Dortmund -, hat Beumer ausschließlich Firmen als Kunden.
Obwohl die Fußballfans die Beumer-Produkte also nicht kaufen werden, investiert die Firma pro Jahr Medienberichten zufolge bis zu sieben Millionen Euro in das Schalke-Engagement. Den Betrag kommentieren Beumer und Schalke nicht. Bislang heißt der Trikotsponsor Sun Minimeal, ein Hersteller von komprimierten Gerichten.
Blick auf die Beumer-Zentrale in Beckum.Max Lametz/dpa
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Firmeneigentümer hat das „Schalke-Gen“
Lohnen sich die Millionenausgaben, um einen Firmennamen bekannter zu machen und dadurch mehr Bewerbungen zu bekommen? Der 63-jährige Beumer betont, dass das eine unternehmerische Entscheidung gewesen sei. Zugleich schränkt er ein, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht klar auszurechnen sei.
Beumer war bis 2022 Firmenchef, dann wechselte er an die Spitze des Firmenbeirats. Er fügt hinzu, dass die Schalke-Partnerschaft natürlich auch eine emotionale Sache sei. „Ich bin Schalker, meine Kinder sind Schalker, meine Familie war schon immer Schalker“, sagt das SO4-Vereinsmitglied. „Das Schalke-Gen hat man mir mit der Geburt eingepflanzt.“
„Wir verstehen unser Engagement nicht als klassische Werbung, sondern als langfristige Partnerschaft“, sagt Vorstandschef Rudolf Hausladen. „Die Partnerschaft mit Schalke gibt uns eine Sichtbarkeit, die am Arbeitsmarkt ein Türöffner sein kann hin zu Fachkräften, die wir dringend brauchen.“ Die Firma hat derzeit 245 offene Stellen. Der Vertrag mit Schalke läuft mindestens bis 2029.
Noch steht auf dem Schalke-Trikot der Lebensmittelhersteller Sun Minimeal, ab Sommer ist dort Beumer zu lesen. Hier Kenan Karaman beim Torjubel unlängst im Spiel gegen Preußen Münster. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa
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Keine unerwünschten Nebenwirkungen erwartet
Firmeninhaber Christoph Beumer sieht Parallelen zwischen dem Fußball und seinem Geschäft der Logistikanlagen. „Du brauchst Einsatz- und Siegeswillen im Club wie im Unternehmen.“
Mal angenommen, Beumer kann tatsächlich bei SO4-Fans punkten und mehr geeignete Beschäftigte für sich gewinnen - was ist eigentlich mit den Fans anderer Clubs, die nicht allzu gut zu sprechen sind auf Königsblau, etwa Fans von Borussia Dortmund?
Beumer erwartet keine unerwünschten Nebenwirkungen. „Wir haben auch viele BVB-Fans in unserer Belegschaft: Die freuen sich auch, dass es bald möglicherweise wieder ein Derby gibt in der Bundesliga und dass die Firma sich nun so klar zum Fußball bekennt.“
Das Firmenlogo von Beumer zeigt einen Pfeil nach unten. Das zeige, dass es mit dem neuen Sponsor für SO4 wieder abwärtsgehen werde, machten sich BVB-Fans in den sozialen Medien lustig. Das Logo geht zurück auf die Zeichnung einer in der Fördertechnik eingesetzten Tragrolle kombiniert mit dem eingestanzten Pfeil für die Drehrichtung.
In Verbindung zu Schalke 04 sagt Beumer zur Nach-Unten-Pfeilrichtung: „Der Schacht ist unten, man muss wissen, wo die Wurzeln sind. Und wenn wir Schalker wieder vom Titel oder der Champions League träumen, ist es gut, wenn man immer weiß, wo man herkommt.“
Da sollen auch Schalke-Fans rein: Eingang des Beumer-Ausbildungszentrums in Beckum.Max Lametz/dpa
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Kopfschütteln eines Werbepsychologen
Marketingexperten zweifeln an der Arbeitsmarkt-Wirkung der millionenschweren Sponsoringausgaben von Beumer. „Wer Fachkräfte gewinnen soll, der sollte gezielter vorgehen - etwa indem er den Sport an einer Technischen Hochschule fördert, wo die Ingenieure von morgen ausgebildet werden“, sagt der Werbepsychologe Joost van Treeck von der Hamburger Hochschule Fresenius.
Das Beumer-Engagement bei Schalke dürfe als ebenso persönliche wie emotionale Entscheidung eines Fußballfans verstanden werden. „Manche Unternehmer stellen sich einen goldenen Porsche vor die Tür, andere Unternehmer sehen sich am Ziel ihrer Träume, wenn ihr Name auf einem Fußballtrikot zu sehen ist.“ Wirtschaftlich mache das „in den seltensten Fällen“ Sinn.
Blick in eine Produktionshalle der Beumer Group.Max Lametz/dpa
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