Wissenschaft

Schadenersatz für Stromio-Kunden? Vergleich möglich

Mehr als 4.600 Stromio-Kunden hoffen in einem Sammelklage-Prozess auf Schadenersatz – jetzt könnte es doch noch einen Vergleich geben. Warum am Ende vielleicht noch ein Gericht entscheiden muss.

16.04.2026

Muss der Stromhändler Stromio mehr als 4.600 Kundinnen und Kunden Schadenersatz zahlen? Es könnte doch noch einen Vergleich geben. (Symbolbild)Guido Kirchner/dpa

Muss der Stromhändler Stromio mehr als 4.600 Kundinnen und Kunden Schadenersatz zahlen? Es könnte doch noch einen Vergleich geben. (Symbolbild)Guido Kirchner/dpa

© Guido Kirchner/dpa

Im Fall der Schadenersatz-Sammelklage der Verbraucherzentrale Hessen gegen den Stromhändler Stromio wollen die Beteiligten jetzt über eine außergerichtliche Einigung verhandeln. Dies erklärte der Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, Philipp Wendt, nach einer mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Hamm. Kommt keine Einigung zustande, will das Gericht nach Angaben eines Gerichtssprechers am 28. Mai seine Entscheidung verkünden. 

Der sogenannten Musterfeststellungsklage haben sich mehr als 4.600 Personen angeschlossen. Ein Eintrag ins Klageregister ist jetzt nicht mehr möglich. 

Die Verbraucherzentrale hatte den Energiediscounter 2022 in der Sammelklage auf Schadenersatz verklagt (Az. 2 MK 1/22), nachdem Stromio Ende 2021 alle seine Lieferverträge gekündigt hatte. Branchenkenner gingen damals davon aus, dass bundesweit mehrere hunderttausend Kunden von den Kündigungen betroffen waren. 

Verbraucherzentrale: Durchschnittlich 350 Euro Schadenshöhe 

Laut Verbraucherzentrale rutschten die Betroffenen in eine teure Ersatzversorgung, erfuhren davon aber oft erst Wochen später. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Hessen waren die Kündigungen rechtswidrig und begründen einen Anspruch auf Schadenersatz. Nach Berechnungen der Verbraucherschützer liegt die durchschnittliche Schadenshöhe bei etwa 350 Euro. 

Stromio hatte die Vorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen und die Kündigungen mit unvorhersehbaren „Preisexplosionen an den europäischen Energiehandelsplätzen“ im Vorfeld des russischen Angriffs auf die Ukraine begründet. „In rechtlicher Sicht kam es durch die geopolitisch bedingte drastische Erhöhung der Energiepreise zu einer Störung der Geschäftsgrundlage, die zur Kündigung der Verträge berechtigte“, hatte im vergangenen Jahr ein Stromio-Anwalt auf Anfrage erklärt. 

Parteien wollen eine Lösung innerhalb eines Monats 

„Im Ergebnis ist das Gericht der Auffassung, dass unsere Klage ganz überwiegend zulässig und begründet ist, was die Hauptsacheanträge angeht“, sagte Wendt jetzt. Stromio habe daraufhin seinen Willen zu einem Vergleich geäußert und einen Einigungsvorschlag vorgelegt. „Den konnten wir jetzt in der Kürze nicht abschließend bewerten.“ Man habe sich einen Monat Zeit gegeben, eine Lösung zu finden. Kommt ein Vergleich zustande, muss er vom Gericht noch genehmigt werden.