Wissenschaft

Regallücken bei Tofu – Nachfrage übersteigt Produktion

Proteinreiche Produkte sind gefragt. Das spüren derzeit auch Tofu-Fans. Bei Supermärkten und Discountern ist das Lebensmittel manchmal knapp. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

03.06.2026

Die Grundzutat für Tofu ist die Sojabohne. (Symbolbild)picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/ZB

Die Grundzutat für Tofu ist die Sojabohne. (Symbolbild)picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/ZB

© picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/ZB

Wer in diesen Tagen nach Tofu sucht, wird nicht immer fündig. In Lebensmittelgeschäften in Deutschland sind unterschiedlich große Regallücken zu beobachten. Die Warenverfügbarkeit sei eingeschränkt, sagt ein Sprecher des Handelskonzerns Rewe. „Ein Grund ist die rasant gestiegene und nach wie vor sehr hohe Nachfrage.“ 

Hinzu kämen Kapazitätsengpässe bei einzelnen Herstellern. Eigenmarken und Markenprodukte sind betroffen. Eine rasche Entspannung ist laut Rewe nicht in Sicht. Eine vollständige Normalisierung dürfte sich frühestens Ende 2026 einstellen, so der Sprecher. 

Auch andere Händler berichten von einer gestiegenen Nachfrage. Im Einzelfall könne es vorkommen, dass bestimmte Artikel vorübergehend nicht verfügbar seien, sagte eine Sprecherin von Kaufland. Der Discounter Aldi Nord teilte mit: Sollten Artikel kurzzeitig vergriffen sein, würden die Regale zügig wieder aufgefüllt. Zuvor hatten andere Medien berichtet.

Hersteller Taifun: Produktion einzelner Produkte pausiert

Der große Tofu-Hersteller Taifun schreibt auf seiner Internetseite: „Leider konnten wir zuletzt nicht alle Produkte in der nachgefragten Menge zur Verfügung stellen.“ Vorübergehende Produktionsprobleme hätten eine stark reduzierte Naturtofu-Menge verursacht, die Basis aller Produkte sei. In der Folge seien Lagerbestände deutlich zurückgegangen, im Einzelhandel seien Produkte deshalb teilweise „nicht so gut verfügbar“.

Bei einigen Produkten hat Taifun die Herstellung vorerst eingestellt, um die Produktion zu stabilisieren. Sie sollen schrittweise wieder ins Sortiment genommen werden – nach aktuellem Stand Anfang 2027. Um die Versorgung zu sichern, erweitert das Unternehmen seine Produktionskapazitäten. Am Standort in Freiburg wird in diesem Jahr eine neue Tofu-Anlage und ein Soja-Silo gebaut. Tofu wird aus Sojabohnen hergestellt.

Auch der Hersteller Treiber Tofu aus Berlin berichtet von Engpässen. „Wir produzieren derzeit an der Kapazitätsgrenze. Soja ist verfügbar, daran liegt es nicht.“ Die Produktion soll ausgeweitet werden. Dies brauche jedoch Zeit.

Vor allem in Städten und bei Jüngeren beliebt

Die Produktion von Fleischersatzprodukten ist 2025 laut Statistischem Bundesamt nach langem Boom erstmals leicht gesunken. Tofu werde bei Kunden jedoch immer stärker nachgefragt, vor allem in Städten und bei Jüngeren, sagt Björn Fromm, Edeka-Händler und Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels. Deshalb werde sofort spürbar, „wenn ein Hersteller mit seinen Produktionskapazitäten nicht schnell genug hinterherkommt“. 

Das Interesse an eiweißreichen Produkten ist laut Fromm in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Sie passten zum Trend zu Gesundheit und längerem Leben und würden für den Muskelaufbau empfohlen. Auch das Milchprodukt Skyr war in den vergangenen Monaten in Geschäften teilweise vergriffen. Händler führten dies ebenfalls auf die gestiegene Nachfrage nach proteinreicher Ernährung und Social-Media-Trends zurück.

Tofu-Absatz bei Rewe 2025 um 30 Prozent gestiegen

Bei Rewe hat sich die Tofu-Nachfrage in den vergangenen drei bis vier Jahren nach eigenen Angaben verdoppelt. 2025 habe der Absatz rund 30 Prozent über dem Vorjahr gelegen.

Tofu habe sich als Lebensmittel etabliert, passe gut zur deutschen Küche und sei universell einsetzbar, sagt Gunther Hirschfelder, Ernährungsforscher der Universität Regensburg. „Viele Menschen versuchen besser zu leben und ihrem Körper etwas Gutes zu tun.“ Tofu genieße einen besseren Ruf als andere Alternativprodukte und sei vergleichsweise preiswert. 

„Tofu hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte hingelegt“, sagt Ivo Rzegotta vom Thinktank „The Good Food Institute Europe“. Getrieben werde das Wachstum vor allem von preiswerten Eigenmarkenprodukten und neuer Popularität durch soziale Medien. Dennoch bleibe Tofu ein vergleichsweise kleines Segment. Der Absatz pflanzlicher Fleischalternativen sei fast viermal so hoch wie der von Tofu.