Wissenschaft

Marmelade könnte teurer werden: Einbußen bei der Rübenernte

Ob Backwaren, Fertiggerichte, Süßigkeiten oder Limonaden: Rübenzucker ist in vielen Produkten enthalten. Weil die Rübenernte schwach ausfällt, könnten manche Produkte ein paar Cent teurer werden.

18.10.2026

Ein Rübenroder erntet in Sinnersdorf (NRW) Zuckerrüben.Federico Gambarini/dpa

Ein Rübenroder erntet in Sinnersdorf (NRW) Zuckerrüben.Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Nach dem Start der Zuckerrüben-Ernte stehen Landwirte vor herben Einbußen. Im Rheinland liege der Rübenertrag wohl nur bei etwa 71 Tonnen pro Hektar und damit 20 bis 25 Prozent niedriger als im Vorjahr, sagte Peter Kasten vom Rheinischen Rübenbauer-Verband der dpa in Bonn. 

Im Vergleich zum mehrjährigen Mittelwert lägen die Einbußen bei 15 bis 20 Prozent. Das Anbaugebiet der Verbandsmitglieder erstreckt sich von der Mosel in Rheinland-Pfalz bis nach Lüttich (Belgien), ins westliche Münsterland und ins Ruhrgebiet (Dortmund). Trockenheit und Hitze hätten den Rüben im Sommer massiv zugesetzt, sagte Kasten.

Thomas Böcker von der Landwirtschaftskammer NRW spricht von einem sehr schlechten Sommer für Hackfrüchte wie die Zuckerrübe. Es sei zu trocken und zu heiß gewesen, so der Agrarexperte. Im vergangenen Jahr sei die Ernte gut ausgefallen, woraufhin die Bauern deutlich mehr abgeliefert hätten als eigentlich vorgesehen - so ein Spielraum nach oben ist in der Branche üblich. Weil die Zuckerfabriken ihr Vertragsvolumina daraufhin reduzierten, hätten viele Landwirte ihre Rüben-Anbaufläche deutlich reduziert. Dass auf dieser verkleinerten Fläche nun deutlich weniger Ertrag sei, treffe die Landwirte hart.

Marmelade könnte ein paar Cent teurer werden

Nachdem die Zuckerpreise in den vergangenen Jahren gesunken sind, könnten sie künftig wieder etwas anziehen. Am Markt liege der Preis für ein Kilo Rübenzucker, der von einer Zuckerfabrik an den Großhandel geliefert wird, derzeit bei etwa 50 Cent. Sobald es zu Neuverhandlungen zwischen den Fabriken und der Lebensmittelindustrie kommt, dürften die Zuckerpreise ansteigen, so Böcker.

„Der Zuckersektor hat in den vergangenen Jahren einen gravierenden Preissturz erlebt und zu nicht kostendeckenden Erlösen aus Rübenanbau und Zuckererzeugung geführt“, sagt der Geschäftsführer des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes, Kasten. „Aktuell festigen sich die Preise aufgrund eines knapperen Zuckerangebotes in der EU wieder.“

Wer im Supermarkt einkauft, könnte somit im kommenden Jahr leichte Preissteigerungen verspüren. Ob Süßigkeiten, Kekse oder Limonaden - in solchen Produkten und noch vielen weiteren ist Zucker drin. „Ein Glas Marmelade könnte ein paar Cent teurer werden“, schätzt Fachmann Böcker. Es sei aber unklar, wie die Hersteller und Händler den Anstieg des Rübenpreises auf den Verbraucher weiterreichen. „Das Zuckerangebot wird sich dieses Jahr aber so stark verkleinern, dass es mich wundern würde, wenn sich dieser Effekt nicht auswirkt auf den Preis eines Supermarktproduktes.“

Laut Statistischem Bundesamt werden in NRW in diesem Jahr auf 49.000 Hektar Zuckerrüben angebaut und damit um 8000 Hektar weniger als 2025. Den vorläufigen Zahlen zufolge hat Nordrhein-Westfalen aktuell hinter Niedersachsen die zweitgrößte Rüben-Anbaufläche in Deutschland. Der Vorsprung Niedersachsens ist allerdings groß, die Flächen in diesem Bundesland kommen auf 95.500 Hektar - also fast doppelt so viel wie in NRW. Auf Platz 3 liegt Bayern mit 47.500 Hektar und auf Platz 4 Sachsen-Anhalt mit 43.400 Hektar.