Wissenschaft

Landwirte melden Ernteverluste: „Pflanzen unterversorgt“

Wegen anhaltender Trockenheit rechnen Landwirte in NRW mit deutlichen Einbußen bei der Ernte. Das bedeutet erneut wirtschaftliche Probleme – bereits im zweiten Jahr in Folge.

23.08.2026

Aufgrund der Dürre in diesem Jahr rechnen die Landwirte in Nordrhein-Westfalen mit Einbußen. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

Aufgrund der Dürre in diesem Jahr rechnen die Landwirte in Nordrhein-Westfalen mit Einbußen. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

„Ein bisschen Verlust aufgrund des Wetters planen wir Landwirte immer ein. Aber, wenn es nicht bald stark regnet, wird es knapp“, sagt Erich Gussen, Vorsitzender des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes. Teils seien die Pflanzen „seit Wochen unterversorgt“.

Die Dürre setzt den Landwirten in Nordrhein-Westfalen zu: Maispflanzen wachsen zum Teil ohne Kolben. Es werden weniger und vor allem kleinere Kartoffeln erwartet. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeuten die Ernteausfälle zum zweiten Mal in Folge Einbußen.

„Die Getreideernte ist dieses Jahr noch keine Katastrophe“

Bei den Kartoffel- und Maispflanzen kommt laut Gussen bereits jede Hilfe zu spät. Die Landwirte erzielten in diesem Jahr deutlich geringere Erträge als ursprünglich erwartet. Diese fehlten nicht nur im Verkauf, sondern auch in anderen Sparten der Landwirtschaft.

Gussen baut in Jülich zwischen Köln und Aachen selbst Zuckerrüben, Mais und Getreide an. Beim Mais verzeichne er die größten Ernteeinbußen, sagt er. Etwas besser stehe es noch ums Getreide. „Die Getreideernte ist dieses Jahr noch keine Katastrophe“, sagt Gussen. Die diesjährige Erntebilanz des Bauernverbandes nennt beim Getreide-Ertrag einen Rückgang von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Bei den Zuckerrüben besteht laut Gussen noch Hoffnung - je nachdem, wie viel es in den nächsten Wochen regne.

Die Kühe in Nordrhein-Westfalen finden auf den Feldern zu wenig Gras, weshalb manche Milchviehbetriebe schon jetzt ihre Wintervorräte verfüttern. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

Die Kühe in Nordrhein-Westfalen finden auf den Feldern zu wenig Gras, weshalb manche Milchviehbetriebe schon jetzt ihre Wintervorräte verfüttern. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Zu wenig Futter für die Kühe

Wer auf eine Wiese schaut, sieht derzeit mehr braune als grüne Halme. Das noch vorhandene Gras reiche kaum als Futter für Kühe, teilt Jan-Malte Wichern, Sprecher der NRW-Landwirtschaftskammer, mit. Deshalb verfütterten manche Milchviehbetriebe schon jetzt ihre Wintervorräte an Heu. Sie rechneten damit, in den nächsten Monaten zusätzliches Futter kaufen zu müssen. 

Ob und wie viel letztendlich fehle, bleibe abzuwarten, sagt Wichern. Fraglich sei auch, wo das zusätzliche Futter herkomme. Die hitzebedingten Ernteengpässe beträfen ganz Deutschland.

„Manche Landwirte lassen den Eisbergsalat im Boden“

Landwirte in Nordrhein-Westfalen leiden laut Gussen seit längerem unter einer starken finanziellen Belastung durch sinkende Erzeugerpreise sowie steigende Energie- und Personalkosten. Die Dürre verstärke die bereits wirtschaftlich angespannte Situation der Betriebe.

2025 hätten extreme Wetterwechsel, neue Schädlinge und ein harter Preisdruck die Landwirte trotz zufriedenstellender Erntemengen herausgefordert, wie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau mitteilte.

Die Kosten für die Ernte seien auch in diesem Jahr teils höher als die Erlöse aus dem Gemüseverkauf. „Manche Landwirte lassen den Eisbergsalat im Boden. Es lohnt sich nicht, ihn zu ernten“, betont Gussen. Lebensmitteleinzelhändler kauften vermehrt Obst und Gemüse aus dem Ausland, das im Vergleich zu deutschen Produkten günstiger angeboten werden könne.

Deutscher Bauernverband fordert finanzielle Entlastung 

Die Bundesregierung müsse angesichts der angespannten Lage eingreifen, fordert der Deutsche Bauernverband in seiner diesjährigen Erntebilanz. Als nötige Maßnahmen nennt der Verband finanzielle Entlastungen beim Dünger-Vorkauf für das nächste Jahr und eine Senkung der Dieselsteuer. 

Für die Bewässerung und Ernte der Pflanzen seien Maschinen mit einem hohen Kraftstoffverbrauch im Einsatz. Eine Kostendeckung sei für die Landwirte kaum noch realistisch, sagt Gussen vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband. 

Die Böden auf den Feldern sind teilweise staubtrocken. Kartoffeln werden dadurch weniger und auch kleiner. (Archivbild)Roberto Pfeil/dpa

Die Böden auf den Feldern sind teilweise staubtrocken. Kartoffeln werden dadurch weniger und auch kleiner. (Archivbild)Roberto Pfeil/dpa

© Roberto Pfeil/dpa

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sicherte den Landwirten als Reaktion auf die Erntebilanz 2026 am Dienstag Hilfe zu. Im nächsten Jahr sollen die Direktzahlungen laut Rainer von bisherigen 4,1 Milliarden Euro auf 4,9 Milliarden Euro steigen. „Wenn Ernten schlechter ausfallen und gleichzeitig Kosten steigen, brauchen die Betriebe Planungssicherheit und Stabilität“, sagte der CSU-Politiker. 

Dürresituation in Westfalen-Lippe besorgniserregend

Wie stark die Landwirte in NRW von den Auswirkungen der Hitze betroffen sind, unterscheidet sich je nach Standort, so Wichern von der NRW-Landwirtschaftskammer. Im westfälischen Gebiet habe es bis Mitte Juni überdurchschnittlich viel geregnet, wovon die Pflanzen zunächst profitiert hätten.

Trotzdem sei die aktuelle Dürresituation in Westfalen-Lippe besorgniserregend, teilt Frauke Froning, Sprecherin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, mit. Im Juli habe der Niederschlag in dem Gebiet nur 36 Prozent des üblichen Wertes erreicht. 

Rheinland besonders betroffen

In Regionen mit eher sandigen Böden, etwa im Rheinland um Dormagen und Köln sowie in der Köln-Aachener Bucht, ist die Situation noch kritischer. Nach dem ausgebliebenen Regen im Juli habe der Boden dort viel zu wenig Wasser für die Pflanzen enthalten, berichtet Wichern.