IW-Studie: NRW muss mehr tun, um sein Potenzial zu nutzen
Ob Thyssenkrupps Stahlsparte oder der Autobauer Ford Deutschland - Industriefirmen mit viel Tradition bauen kräftig Personal ab. Also lasst uns mehr für die Industrie tun, mahnt ein Branchenvertreter.
Arndt Kirchhoff mahnt Entlastungen für die Wirtschaft an. Shireen Broszies/dpa
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Angesichts des massiven Jobabbaus in Nordrhein-Westfalens Industrie hat ein führender Wirtschaftsvertreter Impulse von der Politik angemahnt. Pro Monat gingen in dem Bundesland rund 3000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren, sagte der Präsident von Unternehmer NRW, Arndt Kirchhoff, bei der Vorstellung einer IW-Studie in Düsseldorf. „Das sind im Jahr 36.000 Industriejobs, die erst einmal nicht wiederkommen - das ist natürlich dramatisch.“ Das habe auch Auswirkungen auf nachgelagerte Wirtschaftsbereiche im Handel, Handwerk und Dienstleistungen. Solche Jobs seien auch wichtig zur Finanzierung der Sozialsysteme.
Mit Blick auf die Landtagswahl im April 2027 in NRW sagte Kirchhoff, die schwarz-grüne Landesregierung habe in zentralen Politikbereichen Fortschritte erzielt, so beim Bürokratieabbau, in der Innovations- und Bildungspolitik sowie in der Wirtschafts- und Verkehrspolitik. „Aber die wirtschaftliche Grundstimmung hat sich in den Unternehmen dadurch noch nicht geändert.“
Daher seien weitergehende Schritte nötig, um die Wirtschaft zu entlasten. „Das Land sollte einen Gang hochschalten und mehr Ehrgeiz entwickeln“, sagte Kirchhoff und schränkte ein, dass natürlich auch der Bund und die EU gefragt seien. In der Politik sollte generell die Devise gelten: „Alles tun, was die Wirtschaft und Industrie stärkt und alles unterlassen, was sie schwächt.“
IW-Studie zeigt Perspektiven für NRW auf
Hubertus Bardt vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) stellte eine Studie vor, die Potenziale und Probleme in Nordrhein-Westfalens Wirtschaft aufzeigte. Mit Blick auf den monatlichen Jobverlust in der Industrie sagte Bardt, das seien sehr leistungsfähige Branchen und keineswegs Auslaufmodelle. „Unser Geld, unseren Wohlstand verdienen wir mit den wertschöpfungsintensiven Industrietätigkeiten.“ Zwar würden in anderen Bereichen Jobs aufgebaut, etwa in der Pflege, dort werde aber weniger gezahlt als in der Industrie.
Der Wissenschaftler mahnte weitere Fortschritte im Bürokratieabbau und in der Digitalisierung an, außerdem müssten Defizite bei Straßen, Brücken und Schienen angegangen werden. Bei Firmengründungen liegt NRW der Studie zufolge zwar leiht über dem Bundesdurchschnitt, Standortvorteile wie die Forschungslandschaft und eine wachsende Recheninfrastruktur werden aber zu wenig genutzt, als dass es eine „nachhaltige Gründungsdynamik“ gebe.
In der Studie werden zwar auch die wirtschaftlichen Potenziale des bevölkerungsreichsten Bundeslandes beschrieben, im wirklich hellen Licht erstrahlt NRW aber nicht. So liege Nordrhein-Westfalen bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung nur im unteren Mittelfeld der Bundesländer, heißt es in der Ausarbeitung. Das Bildungssystem wiederum weise strukturelle Defizite auf. Die frühkindliche Bildung sollte gestärkt und das Bildungssystem stärker auf die Sicherung von Mint-Fachkräften ausgerichtet werden, so die Autoren. Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.