Wissenschaft

Fähren fahren wieder - „Noch so ein Jahr schaffen wir nicht“

Jahrelang galt das Jahr 2018 als beispiellos für Niedrigwasser im Rhein und anderen Flüssen - so niedrig wie damals waren die Pegelstände sonst nie. Bis zu diesem Jahr.

24.10.2026

Die Zonser Fähre an einem Regentag im August - wenig später musste sie wieder aufhören, da der Pegelstand erneut sank. (Archivbild)Wolf von Dewitz/dpa

Die Zonser Fähre an einem Regentag im August - wenig später musste sie wieder aufhören, da der Pegelstand erneut sank. (Archivbild)Wolf von Dewitz/dpa

© Wolf von Dewitz/dpa

Nach einer langen Zwangspause wegen Niedrigwasser nehmen immer mehr Rheinfähren den Betrieb wieder auf. Die Fähren in Bad Honnef (NRW) und Linz (Rheinland-Pfalz) sind schon seit einiger Zeit wieder unterwegs, nun kündigte auch die Zonser Fähre die Wiederaufnahme des Fährbetriebs für Sonntag an - sie fährt von Düsseldorf nach Dormagen-Zons. „Es geht endlich wieder los“, sagte der Unternehmer Wolfgang Jansen der dpa.

Die Fähre von Bonn-Bad Godesberg nach Königswinter soll am Montag wieder starten. Für die Fähre zwischen Leverkusen und Köln könnte es ebenfalls nächste Woche weitergehen - am Montag soll das geprüft werden, wie eine Sprecherin der Stadt Leverkusen sagte.

Nach einem trockenen Sommer sind die Pegelstände nach einigen Regentagen zwar gestiegen, aber noch immer auf einem niedrigen Niveau. So schätzte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für Samstagmorgen einen Pegelstand von 17 Zentimetern in Düsseldorf und damit zwei Zentimeter mehr als einen Tag zuvor. 

Das ist zwar deutlich mehr als vor einigen Wochen, als der Pegelstand sogar in den Minusbereich gesunken war und damit so niedrig wie noch nie. Der aktuelle Samstagswert liegt aber immer noch unter den 23 Zentimetern des Jahres 2018, der zuvor der Negativ-Rekordwert gewesen war. Am Sonntag kommt der Prognose zufolge deutlich mehr Wasser aus Süddeutschland an, dann soll der Düsseldorfer Pegelstand auf 30 Zentimeter springen.

Bild von der Zonser Fähre vom August - zwischenzeitlich fuhr sie mal wieder ein paar Tage in diesem Sommer, dann ging die Zwangspause weiter. (Archivbild)Wolf von Dewitz/dpa

Bild von der Zonser Fähre vom August - zwischenzeitlich fuhr sie mal wieder ein paar Tage in diesem Sommer, dann ging die Zwangspause weiter. (Archivbild)Wolf von Dewitz/dpa

© Wolf von Dewitz/dpa

Herbe wirtschaftliche Einbußen für die Fährbetriebe

Für die Betreiber war die Niedrigwasser-Zwangspause ein herber Rückschlag. „Für uns ist das eine Katastrophe, so etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt der Chef der Zonser Fähre, Jansen. 68 Tage habe seine Fähre in diesem Jahr nicht fahren können. Die Zwangspause sei damit viel länger gewesen als 2018, als es 46 Tage gewesen waren. „Das ist dramatisch.“

Der 76-Jährige betreibt die Fähre zusammen mit seinen Söhnen, das Unternehmen hat zudem fünf Festangestellte und fünf Aushilfen. Erstmals ging die Firma in Kurzarbeit - ein Teil des Lohns wurde von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt und der andere Teil von Jansen. Nur weil das Jahr 2025 sehr gut gewesen sei, habe man in diesem Jahr finanziell überstanden. Aber: „Noch so ein Jahr schaffen wir nicht“, so Jansen. 

Für die Zonser Fähre war der Zeitpunkt der Zwangspausen denkbar schlecht, da viele Fußgänger und Fahrradfahrer das Schiff im Sommer für einen Ausflug nach Zons mit seinem mittelalterlichen Zentrum nutzen. Die Zonser Fähre, auf der auch Autos Platz finden, fährt normalerweise zwar fast das ganze Jahr, im Herbst und Winter befördert sie aber deutlich weniger Fahrgäste. Der Umsatz sei im bisherigen Jahresverlauf um mehr als ein Drittel eingebrochen, sagt Jansen. Der Fährbetreiber ist frustriert, dass die Politik zu wenig mache und der Rhein trotz anderslautender Ankündigungen nicht richtig vertieft worden sei.

Solche Schilder wie hier an der Zonser Fähre waren lange auch anderswo am Rhein zu sehen. (Archivbild)Wolf von Dewitz/dpa

Solche Schilder wie hier an der Zonser Fähre waren lange auch anderswo am Rhein zu sehen. (Archivbild)Wolf von Dewitz/dpa

© Wolf von Dewitz/dpa

Fähre am Niederrhein macht Schluss für dieses Jahr

Die Bislicher Fähre, die zwischen Wesel und Xanten verkehrt, konnte dieses Jahr nach Auskunft des Fährleiters Philipp Feine vom Bislicher Heimatverein schon mehr als acht Wochen nicht fahren. Betriebstage werden in diesem Jahr nicht mehr dazu kommen - die Ausflugsfähre stellt ihren Betrieb jedes Jahr am letzten Oktoberwochenende ein. 

Feine schätzt, dass die Fähre dieses Jahr nur bis zu 45.000 Passagiere verbucht hat und damit 20.000 weniger als in normalen Jahren. „Finanziell trifft uns das“, sagt Feine. „Nur dank des guten Vorjahres ist das kein wirtschaftlicher Genickbruch für uns.“

Mit Blick auf das kommende Jahr sagt der Fährleiter, man werde mit den Behörden über Maßnahmen sprechen. So könnte möglicherweise die Rampe geändert werden, um den Fährbetrieb bei Niedrigwasser länger aufrechtzuerhalten als dieses Jahr.