Wissenschaft

Deutz übernimmt Flensburger Rüstungsfirma FFG

Vom Traktormotor zum Panzerantrieb: Deutz setzt mit der Übernahme der FFG auf Verteidigung. Das Unternehmen will dabei kein klassischer Rüstungskonzern werden.

05.11.2026

Der Motorenbauer DEUTZ hat die Rüstungsfirma FFG übernommen. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa

Der Motorenbauer DEUTZ hat die Rüstungsfirma FFG übernommen. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Der Kölner Motorenbauer Deutz hat die Flensburger Rüstungsfirma FFG übernommen und sein Geschäft mit Militärgütern damit deutlich gestärkt. Die Transaktion sei vollzogen, teilte das Unternehmen in Köln mit. FFG steht für Flensburger Fahrzeugbau GmbH. Die Firma mit Sitz in Schleswig-Holstein beschäftigt gut 1.100 Mitarbeiter, damit hat Deutz nun rund 7500 Mitarbeiter.

Die bereits im Juli verkündete und nun finalisierte Übernahme kostet rund 1,6 Milliarden Euro - ein Teil des Betrags wurde in bar bezahlt und der andere in Deutz-Aktien. Die vier FFG-Eigentümerfamilien halten insgesamt 29,9 Prozent der Anteile, damit sind sie der größte Deutz-Aktionär.

Militärfahrzeuge für Bundeswehr und Nato

Das Flensburger Unternehmen wartet und modernisiert Panzer und andere Militärfahrzeuge. Zu den Kunden gehören die Bundeswehr, Dänemark und andere Nato-Staaten sowie die Ukraine. Deutz hat bereits eine kleine Rüstungssparte, in der etwa Motoren für Truppentransporter hergestellt werden. Diese Sparte ist aber noch klein, durch die FFG-Übernahme wird das Portfolio deutlich erweitert. Bislang geht es bei Deutz vor allem um Motoren für Hebebühnen, Traktoren, Erntemaschinen und anderes schweres Gerät sowie Generatoren her. Nun kommen Panzer hinzu.

Das Tochterunternehmen soll im kommenden Jahr eine Milliarde Euro Mehrumsatz im Defense-Bereich einbringen. „Die FFG wird künftig den Kern des Deutz-Defense-Geschäfts bilden“, teilte das Unternehmen mit. Auch wenn Defense das Geschäft maßgeblich prägen soll, wolle Deutz nicht zum klassischen Verteidigungsunternehmen werden, sagte Konzernchef Sebastian Schulte.

Der Ukraine-Krieg hat der Rüstungsbranche in den vergangenen Jahren einen Wachstumsschub gegeben - die Ukraine brauchte dringend Waffen und Nato-Staaten beschlossen, ihre Armeen angesichts der russischen Bedrohung aufzurüsten. Die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall schossen nach oben, in diesem Jahr sanken sie aber deutlich.

Ist Deutz nicht etwas zu spät dran, um von dem Rüstungsboom zu profitieren? Und was passiert eigentlich, wenn der Ukraine-Krieg endet oder einfriert und die Nachfrage nach Rüstungsgütern doch nicht so hoch ist wie angenommen? „Das ist jetzt kein Strohfeuer“, sagte Deutz-Chef Schulte. Man sehe eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben, die langfristige Verträge ermöglichten. „Das ist sicherlich etwas, was die nächsten fünf, vielleicht auch zehn Jahre noch Implikationen hat, weil sich die sicherheitspolitische Lage verändert hat.“ Mit Blick auf die Kosten der Übernahme sagte Schulte, FFG sei für die Transaktion auf ein „sehr moderates Level“ bewertet worden.

Geschäfte entwickeln sich positiv

Deutz legte Geschäftszahlen vor, denen zufolge die Firma weiter auf Wachstumskurs ist. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 11,3 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro; das Betriebsergebnis (Ebit) zog um 60,8 Prozent auf 64,5 Millionen Euro an.

Die Zahlen hatten Licht und Schatten: Die Service- und Energie-Geschäfte liefen im dritten Quartal gut, das Motorengeschäft entwickelte sich hingegen mäßig. Bei Dieselmotoren für Bau- und Landmaschinen sei die Nachfrage nach wie vor noch nicht so, wie es sich das Unternehmen wünsche, so Schulte. Besonders im Bereich der kleinen Motoren ist die Nachfrage niedrig, die im Werk in Köln-Porz produziert werden. Gleichwohl geht die Kölner Firma davon aus, im Gesamtjahr 2026 einen Umsatz zwischen 2,3 Milliarden bis 2,5 Milliarden Euro zu erreichen. 2025 hatte der Umsatz 2,04 Milliarden Euro betragen.