DGB will mehr Ausbildungsplätze: Betriebe sollen zahlen
Viele Jugendliche suchen eine Lehrstelle, doch nur ein kleiner Teil der Betriebe bildet aus. Der DGB fordert einen Topf, aus dem Ausbildungsbetriebe Geld bekommen, zahlen sollen vor allem andere.
Oft finden Ausbildungssuchende und Ausbildungsbetriebe nicht zusammen. (Symbolfoto) Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
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Wer in Nordrhein-Westfalen einen Ausbildungsplatz sucht, soll nach dem Willen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) bessere Chancen bekommen. Der DGB NRW forderte die Landesregierung auf, einen „Zukunftsfonds Ausbildung“ einzurichten. Fast alle Betriebe sollen einzahlen, Betriebe mit Azubis bekommen Geld zurück. „Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen ist dramatisch“, sagte DGB-Landeschef Thorben Albrecht bei der Vorstellung des Konzepts.
Nach Angaben des DGB bleibt in NRW mehr als jeder fünfte junge Mensch zwischen 20 und 34 Jahren dauerhaft ohne Berufsabschluss. Ein wichtiger Grund seien fehlende Ausbildungsplätze. „Nur noch jedes fünfte Unternehmen in NRW bildet aus, das ist zu wenig“, sagte Albrecht.
Regional gebe es große Unterschiede. „In Essen kamen auf 152 Bewerberinnen und Bewerber nur 100 Ausbildungsplätze“, so Albrecht. Vergangenes Jahr seien von 24.000 jungen Menschen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen hätten, 12.000 seien in eine Maßnahme gekommen oder weiter im Berufskolleg geblieben, 12.000 „sind dann schon komplett rausgefallen“.
Was der DGB vorschlägt
Das Konzept hat der Arbeitsmarktforscher Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen ausgearbeitet. Demnach sollen die Betriebe in NRW 0,5 Prozent der Bruttolohnsumme ihrer Beschäftigten in den Fonds zahlen. Ausgenommen wären Branchen, die schon eine Ausbildungsumlage haben, etwa die Pflege und das Bauhauptgewerbe, sowie Branchen, die überwiegend schulisch ausbilden.
Wer ausbildet, soll pro Azubi und Jahr 5.000 Euro aus dem Fonds bekommen. Für Betriebe ohne Azubis würde Nichtausbilden damit teurer, für Ausbildungsbetriebe würde es sich mehr lohnen. Nach den Berechnungen im Auftrag des DGB kämen in dem Fonds insgesamt knapp 1,4 Milliarden Euro zusammen, wovon der Großteil für den Azubi-Zuschuss und 100 Millionen für andere Aufgaben ausgeben werden könnten.
Was das für junge Menschen bedeutet
Ausbildungssuchende bekämen aus dem Fonds kein Geld. Er soll Betrieben einen Anreiz geben, zusätzliche Lehrstellen anzubieten. Theoretisch könnte dadurch auch ein höheres Gehalt von Azubis finanziert werden, einen Zwang dazu gäbe es aber nicht. Kurzfristig ändert sich ohnehin nichts: Es handelt sich bislang lediglich um eine Forderung der Gewerkschaften, nicht um ein Vorhaben der Landesregierung.
Dass die Lage angespannt ist, zeigen Zahlen der Arbeitsagentur: Bis Ende August meldeten die Betriebe in NRW knapp 93.000 Ausbildungsstellen, 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Tausende junge Menschen suchten eine Stelle, gleichzeitig war eine ähnlich hohe Zahl an Plätzen unbesetzt.
Die Arbeitgeber in NRW halten nichts von der Forderung nach einem Fonds. „Er bewirkt rein gar nichts gegen die fehlende Ausbildungsreife vieler Bewerber und die Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen“, teilte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Landesvereinigung der Unternehmensverbände, Tanja Nackmayr, mit. Es brauche etwa eine bessere Vorbereitung in der Schule.
Unterstützung bekommt der DGB von der oppositionellen SPD-Landtagsfraktion. „Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe können davon profitieren“, sagte Lena Teschlade, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.