Bundesbankchef Nagel: „Die Inflation ist immer noch zu hoch“
Mit Entspannung im Iran-Krieg sind die Ölpreise stark gefallen, der Druck auf die Inflation sinkt. Die EZB solle trotzdem Kurs halten, meint Nagel. Mit Ende des Tankrabatts erwartet er mehr Inflation.
Joachim Nagel sieht die Inflation im Euroraum immer noch als zu hoch an. (Archivbild)Arne Dedert/dpa
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Nach Ansicht von Bundesbankpräsident Joachim Nagel sollte die Europäische Zentralbank (EZB) trotz des starken Ölpreisrückgangs Kurs halten. „Die Inflation ist immer noch zu hoch“, sagte Nagel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ am Rande des EZB-Notenbankforums im portugiesischen Sintra. Die EZB hatte im Juni erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben, um die stark gestiegene Inflation im Euroraum zu bekämpfen.
Mit der Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten sind die Ölpreise auf das Niveau vor dem Iran-Krieg gefallen - von in der Spitze rund 120 Dollar je Barrel Brent-Öl auf zuletzt rund 73 Dollar. „Ich teile die Überraschung vieler Ökonomen über Ausmaß und Tempo des Preisrückgangs,“ sagte Nagel. Selbst in den mildesten Szenarien der EZB sei das nicht vorgesehen gewesen. Trotzdem meint er: „Wir sollten unser Inflationsbild deswegen nicht komplett umwerfen.“
Nagel: Ende des Tankrabatts wird Inflation in Deutschland hochtreiben
In Deutschland dürfte das Ende des Tankrabatts die Inflation erst einmal in die Höhe treiben, meint Nagel. Trotzdem sei es richtig, die bis Ende Juni befristete Steuersenkung auslaufen zu lassen, die die Teuerung zuletzt gedämpft hatte.
Mit dem Ölpreisschock war die Inflation im Euroraum im Mai auf 3,2 Prozent geklettert und damit weit über das EZB-Ziel von zwei Prozent. Mit dem Rückgang der Ölpreise lässt der Preisdruck nach: In Deutschland fiel die Inflation im Juni auf 2,3 Prozent und in der Eurozone insgesamt auf 2,8 Prozent.
Manche Ökonomen glauben, dass die EZB die Leitzinsen bei ihrer nächsten Zinsentscheidung im Juli unverändert lassen könnte. EZB-Direktorin Isabel Schnabel stellte dagegen weitere Leitzinserhöhungen in Aussicht.
Auf die Frage, ob in Deutschland schon andere Preise und Löhne als Reaktion auf die hohen Energiepreise gestiegen sind, sagte Nagel: „Zweitrundeneffekte als Folge der gestiegenen Energiepreise sind in Deutschland in der Breite bislang kaum zu beobachten gewesen.“ Je länger die Inflation aber über dem EZB-Ziel bleibe, desto mehr wachse die Wahrscheinlichkeit dafür.