Wissenschaft

Bundesbank senkt Prognose: Hoher Ölpreis bremst Wirtschaft

Der Iran-Krieg zieht die deutsche Wirtschaft nach unten. Nun erwartet auch die Bundesbank weniger Wachstum - und rechnet mit Folgen für Inflation und Arbeitsmarkt.

12.06.2026

Die deutsche Wirtschaft bekommt die Folgen des Iran-Kriegs zu spüren. (Symbolbild)Bernd Thissen/dpa

Die deutsche Wirtschaft bekommt die Folgen des Iran-Kriegs zu spüren. (Symbolbild)Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Die Bundesbank erwartet wegen des Iran-Kriegs weniger Wachstum für die deutsche Wirtschaft. Sie rechnet im laufenden Jahr nur noch mit einem Mini-Wachstum von kalenderbereinigt 0,5 Prozent und ist damit noch etwas pessimistischer als im Dezember. Vor einem halben Jahr hatte die Notenbank für 2026 kalenderbereinigt 0,6 Prozent Plus beim realen Bruttoinlandsprodukt vorhergesagt.

„Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben“, erklärte die Bundesbank in Frankfurt. Der Energiepreisschock treibe die Teuerung nach oben. Darüber hinaus würden die Unternehmen durch Lieferengpässe belastet.

Erst nach den schwachen Sommermonaten könnte die Konjunktur wieder allmählich an Fahrt gewinnen, schreibt die Bundesbank. Daher sei im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 0,8 Prozent zu rechnen, das dann 2028 auf 1,4 Prozent steigen könne. Allerdings werde die Konjunktur weiter durch den Fachkräftemangel und hohe Arbeits- und Energiekosten belastet.

Prognosen reihenweise gesenkt 

Mit ihrer gesenkten Prognose reiht sich die Bundesbank ein in den Chor pessimistischer Vorhersagen für die deutsche Wirtschaft. Sowohl die Bundesregierung als auch ihr Beratungsgremium, die „Wirtschaftsweisen“, rechnen mit mageren 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. Schon 2025 war Deutschland mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent nur knapp am dritten Jahr ohne Wachstum in Folge vorbeigeschrammt.

Krieg treibt Inflation hoch

Höhere Kosten für Energie wie Öl und Gas treiben zudem die Inflation nach oben: Die Bundesbank rechnet dieses Jahr mit einer für europäische Vergleichszwecke harmonisierten Inflationsrate (HVPI) von 2,9 Prozent, die dann 2027 leicht auf 2,7 Prozent sinkt und erst 2028 spürbar auf 1,9 Prozent.

Auch für den Arbeitsmarkt erwartet die Bundesbank Folgen. Demnach dürfte die Beschäftigung in diesem Jahr zunächst leicht sinken und ab Mitte des kommenden Jahres wieder spürbar steigen. Ein Schrumpfen der Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesbank durch höhere Staatsausgaben etwa für Infrastruktur mit den Milliarden-Sondervermögen verhindert. 

Wegen der Wirtschaftskrise wächst der Druck auf die Bundesregierung, Reformen anzuschieben. Bis zur parlamentarischen Sommerpause im Juli will sie ein Reformpaket schnüren, das den Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungen, die Einkommensteuer und den Bürokratieabbau umfasst.

Je höher die Teuerungsrate, umso weniger können sich die Menschen für einen Euro leisten. (Symbolbild)Sebastian Kahnert/dpa

Je höher die Teuerungsrate, umso weniger können sich die Menschen für einen Euro leisten. (Symbolbild)Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa