Wissenschaft

Behörde schlägt lokale Zwangsabschaltung von DSL-Netz vor

Überall in Deutschland soll künftig Internet im Gigabit-Speed möglich sein, so will es die Politik. Mit DSL-Telefonleitungen schafft man das nicht. Und trotzdem bleibt ihr Marktanteil hoch. Was tun?

19.01.2026

Es gibt längst besseres Internet, doch Millionen Haushalte setzen in Deutschland weiter auf DSL-Verbindungen.Fabian Sommer/dpa

Es gibt längst besseres Internet, doch Millionen Haushalte setzen in Deutschland weiter auf DSL-Verbindungen.Fabian Sommer/dpa

© Fabian Sommer/dpa

Damit das recht langsame Internet über Telefonleitungen - DSL oder VDSL genannt - endlich zum Auslaufmodell wird, setzt die Bundesnetzagentur die Deutsche Telekom unter Druck. Die Regulierungsbehörde stellte ein Konzeptpapier vor, das eine lokale DSL-Abschaltpflicht für den Magenta-Konzern vorsieht. Dadurch sollen Glasfaser-Kabel, die stabileres und schnelleres Internet ermöglichen als die dünnen Telefonleitungen aus Kupfer, stärker genutzt werden. Dies wiederum würde Investitionen in diese zukunftsträchtige Glasfaser-Technologie belohnen. 

Es geht um lokale DSL-Abschaltungen, die auf lange Sicht schrittweise zu einem bundesweiten Abschied von der in die Jahre gekommenen Technologie führen sollen. Die ersten DSL-Abschaltungen in bestimmten Gebieten könnten etwa ab 2030 erfolgen.

Glasfaser-Investitionen zahlen sich bislang nicht aus

In Deutschland werden zwar Milliardenbeträge in den Glasfaser-Ausbau investiert, die tatsächliche Nutzung durch die Menschen ist aber eher verhalten. Das ist für Investoren ein Problem, schließlich verdienen sie mit ihrem Highspeed-Internet weniger Geld als gedacht. Vielen Menschen genügt offenbar ihr alter DSL-Vertrag. Laut einer Marktstudie des Branchenverbandes VATM hatten zum Jahreswechsel 23 Millionen Haushalte und Unternehmen in Deutschland noch DSL/VDSL-Internet, das waren 0,7 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Ähnlich moderat war der Rückgang in den Vorjahren.

Zugleich stieg die Anzahl der Glasfaser-Kabel, die in der Straße oder bis ins Haus liegen, deutlich stärker. 2025 ging es laut VATM-Studie um 3,7 auf 24,8 Millionen Haushalte hoch. Hierbei kommt circa die Hälfte von der Telekom und die andere von Wettbewerbern, etwa von der Firma Deutsche Glasfaser.

Das Konzeptpapier der Netzagentur darf als Gegenwind für die Telekom verstanden werden.Oliver Berg/dpa

Das Konzeptpapier der Netzagentur darf als Gegenwind für die Telekom verstanden werden.Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Telekom möchte DSL-Abschaltung selbst entscheiden

Die Telekom hat angesichts ihrer hohen Glasfaser-Investitionen durchaus ein Eigeninteresse, wenn mehr Kunden von DSL auf Glasfaser wechseln. Allerdings möchte der Bonner Konzern seine langjährigen Kunden nicht verprellen. Es darf bezweifelt werden, ob frustrierte Kunden, denen die Telekom das DSL abstellt, einen Glasfaser-Vertrag bei der Telekom unterschreiben würden. Gut möglich, dass sie zur Konkurrenz wechseln. Die Telekom möchte selbst entscheiden, wann sie wo den Betrieb von DSL-Leitungen in einer Gegend beendet.

Ein Telekom-Sprecher sagte, die Netzagentur blende aus, dass nicht Zwang, sondern der Wettbewerb um den Kunden entscheidend sei. Er forderte, bei der Abkehr von Kupfer auch Kabelnetze in den Blick zu nehmen - also das Internet über Fernseh-Kupferkabel, die vor allem Konkurrent Vodafone nutzt. Aus Sicht der Telekom sollten diese Fernsehkabel bei einer möglichen Abschaltpflicht einbezogen werden. Das Konzeptpapier sei ein Debattenbeitrag, das man nun im Detail prüfen werde, so der Telekom-Sprecher. 

Konzeptpapier mit bitteren Pillen für beide Seiten

Das Regulierungskonzept der Behörde ist eine Empfehlung an das Bundesdigitalministerium, ein entsprechendes Gesetz zu erarbeiten. Dem Papier zufolge soll in einem Gebiet ein „Migrationsprozess“ von Kupfer auf Glasfaser eingeleitet werden können, in der mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen Glasfaser bis in die Wohnung oder ins Büro liegt - es geht um „Fiber to the Home“ (FTTH) und „Homes connected“, der bundesweite Anteil liegt hierbei derzeit laut Bundesnetzagentur nur bei 21 Prozent. In manchen Kommunen ist der Wert aber schon deutlich höher.

Das Konzeptpapier sieht aber nicht nur eine bittere Pille für die Deutsche Telekom vor, sondern auch für deren Wettbewerber. Denn eine Voraussetzung für die Einleitung der DSL-Abschaltung soll sein, dass das Glasfasernetz der Telekom-Konkurrenten nutzbar sein soll für alle („Open Access“). 

Bislang sind die Telekom-Konkurrenten dazu nicht gezwungen, künftig sollen sie es sein. Sie müssten also auch den ehemaligen Staatsmonopolisten auf ihr lokales Glasfaser-Netz lassen, bevor die DSL-Abschaltung eingeleitet werden kann. Zwar sind Kooperationen der verschiedenen Internetanbieter üblich, sie sind aber freiwillig - und geschehen nicht über ein staatliches Druckmittel.

Sollten die Vorschläge der Netzagentur in ein Gesetz münden, würde es noch dauern, bis deswegen in ersten Gegenden DSL abgeschaltet wird. Denn das Papier enthält umfangreiche Fristen: Drei Jahre vor der tatsächlichen Abschaltung sollen die Nutzer darüber informiert werden und zwei Jahre vor dem lokalen DSL-Aus darf dort kein DSL-Vertrag mehr verkauft werden. Wird also 2027 ein Gesetz beschlossen, könnte es im Jahr 2030 zu den ersten lokalen DSL-Abschaltungen in Deutschland kommen.

„Der Wechsel auf Glasfaser ist ein zukunftsorientiertes Internet-Upgrade für Deutschland“, sagt Netzagentur-Chef Klaus Müller. Verbraucher sollten früh und ausführlich über alle Schritte des Übergangs informiert werden. „Sie sollen auch in der Glasfaserwelt zwischen verschiedenen Anbietern und fairen Preisen wählen können.“