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Folgen unabsehbar: Coronavirus stoppt NBA - Tokio trotzt

Olympia

Donnerstag, 12. März 2020 - 12:35 Uhr

von Von Jens Marx, Maximilian Haupt und Wolfgang Mülle

dpa Berlin. Die NBA setzt den Spielbetrieb aus. Südamerikas Fußballbosse wollen eine Verschiebung der WM-Quali. Geisterspiele nun auch in England. Der Coronavirus greift weiter um sich. Eine kurzfristige Absage des Formel-1-Auftakts scheint auch nicht ausgeschlossen.

Dem Weltsport droht das Erliegen. Die Corona-Pandemie stoppt eine Liga nach der anderen.

Heute stellte die berühmte NBA den Spielbetrieb vorerst ein. „Das scheint aus einem Film zu sein, nicht aus der Realität“, sagte Mark Cuban, Clubbesitzer der Dalles Mavericks. Es gehe nun nicht mehr um Basketball: „Wenn das hier einfach explodiert, dann denkst du an deine Familie und möchtest sicher gehen, dass du das Richtige tust.“

Ein Weitermachen-wie-bisher gibt es fast nirgendwo mehr. Der südamerikanische Fußballverband rief die FIFA zur Verschiebung der ersten WM-Qualifikationsspiele auf. Nach Frankreich, Deutschland und Spanien soll nun auch in der englischen Premiere League an diesem Wochenende hinter verschlossenen Türen gespielt werden.

In Melbourne reagierte Superstar Lewis Hamilton mit unverhohlenem Unverständnis auf den Formel-1-Auftakt in Australien. Die Fragezeichen auch hinter der EM im Sommer werden immer größer, ebenso wie hinter den Olympischen Spielen in Tokio.

Selbst wenn die Verantwortlichen dort allen Entwicklungen zum Trotz das Gegenteil beteuern. Man treffe Vorbereitungen, die Sommerspiele und die anschließenden Paralympics wie geplant auszurichten, meinte Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga einen Tag, nachdem die Weltgesundheitsorganisation die Verbreitung des neuen Coronavirus als Pandemie eingestuft hatte. In 115 Ländern hat sich nach WHO-Angaben das Sars-CoV-2 inzwischen ausgebreitet, fast 4300 Menschen sind daran gestorben.

„Ich kann nicht sagen, dass das keine Auswirkung haben wird. Aber ich glaube, dass eine Absage unmöglich ist“, sagte Tokios Gouverneur Yuriko Koike. Das Entfachen des Olympischen Feuers etwas später im antiken Olympia sollte allerdings schon zur Show unter Gleichgesinnten werden. Nur 100 geladene Gäste, meist Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, sollten teilnehmen - ursprünglich waren mehr als 700 Gäste eingeladen. 

Dass nun die USA auch noch ein Einreiseverbot für Europäer für 30 Tage erließen, dürfte für den Sport weitere Folgen haben. Seien es geplante Trainingscamps oder Wettbewerbe. Beispielsweise fällt legendäre Masters in Augusta, das renommierteste Golf-Turnier der Welt, in den Zeitraum, es soll vom 9. bis 12. April stattfinden.

Wie geht es weiter? Weitere Abbrüche und Absagen sind wahrscheinlicher, als ein halbwegs geregelter Ablauf. In Deutschland ist von Verantwortlichen im Basketball eine Entscheidung zu erwarten, auch im Handball soll das Vorgehen geklärt werden, nachdem die Deutsche Eishockey Liga die Spielzeit vorzeitig und ohne Meisterkür beendet hatte.

Die rechnerische Wahrcheinlichkeit, dass weitere Sportler, wie die Fußball-Profis Peter Hübers von Hannover 96 oder Daniele Rugani von Juventus Turin positiv getestet werden, steigt mit den wachsenden Zahlen weltweit infizierter Menschen.

Aus Sorge um die Gesundheit der gesamten Fußball-Familie schrieb der südamerikanische Dachverband einen Brief an die FIFA. Die für den 26., 27. und 31. März geplanten Spiele unter anderem von Brasilien und Argentinien in der Qualifikation für die WM 2022 in Katar sollen verschoben werden. Das Risiko für Legionäre aus den europäischen Ligen, in Quarantäne zu kommen, und daher nicht zur Verfügung zu stehen, ist den Südamerikanern zu groß. Mit einem sportlichen fairen Wettbewerb hätten die Partien dann wohl auch nur noch wenig zu tun.

Fraglich ist, wie es nun auch im internationalen Vereins-Fußball weiter geht. Geisterspiele sind das eine und machen auch nur dann Sinn, wenn die Fans sich nicht vor dem Stadion in großen Gruppen treffen wie in Paris beim Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund oder in Mönchengladbach beim Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln.

Aber was passiert allen voran mit den italienischen Mannschaften, die noch in Champions League - Juventus Turin, Atalanta Bergamo und SSC Neapel - sowie Europa League - Inter Mailand, AS Rom - verblieben sind? Juventus „setzt derzeit alle gesetzlich vorgeschriebenen“ Vorgaben zur Quarantäne um, teilte der Rekordmeister mit. Das betreffe auch die Personen, die mit dem positiv getesteten Rugani Kontakt hatten. Ob das Achtelfinal-Rückspiel am kommenden Dienstag (21.00 Uhr) gegen Olympique Lyon stattfinden kann, ist offen.

Das gilt auch für das Formel-1-Rennen in Melbourne. Fünf Verdachtsfälle gibt es im Fahrerlager. Und der Superstar im Albert Park ist in Sorge. „Für mich ist es schockierend, dass wir alle in diesem Raum sitzen“, sagte Lewis Hamilton.