Politik Inland

Zentralrats-Vize Lehrer: Antisemitismus ist normal geworden

Jüdische Vertreter in Deutschland blicken mit Sorge auf das Erstarken der Ränder bei den vergangenen Wahlen. Den Vorstand der Kölner Synagogengemeinde erschüttert eine fehlende Solidarität.

25.09.2026

Abraham Lehrer, Vorsitzender der Kölner Synagogen-Gemeinde zeigt sich erschreckt von der fehlenden Solidarität mit Juden nach starken Ergebnissen für AfD und Linke. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa

Abraham Lehrer, Vorsitzender der Kölner Synagogen-Gemeinde zeigt sich erschreckt von der fehlenden Solidarität mit Juden nach starken Ergebnissen für AfD und Linke. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nach den Wahlen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen vermisst Abraham Lehrer, Vorstand der Kölner Synagogen-Gemeinde und Vize-Präsident des Zentralrats der Juden, Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland. „Antisemitismus ist so normal geworden, dass es die Leute nicht mehr dazu bringt, auf die Straße zu gehen“, sagte Lehrer im Interview des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (Freitagsausgabe). 

Angesichts der starken Ergebnisse der AfD sowie der Linken in Berlin habe es ihn am meisten erschrocken, „dass die berühmte Mitte der Gesellschaft noch immer nicht verstanden hat, welche Sorgen und Ängste die jüdische Gemeinschaft in Deutschland umtreibt.“

„Ich weiß nicht, vor wem ich mehr Angst haben soll.“

Kaum jemand habe offen Solidarität bekundet, so Lehrer. „Am schlimmsten finde ich, dass sich alle wegducken.“ Es treffe ihn, wenn bei der Siegesfeier der Berliner Linken ein „Hamas-Vertreter zugegen“ sei, und es treffe ihn, wenn bei einer Wahl die AfD erfolgreich sei, „die geschichtsrevisionistische Positionen“ vertrete und „die Erinnerungskultur abschaffen“ wolle. „Ich weiß nicht, vor wem ich mehr Angst haben soll“, sagte Lehrer der Zeitung.

Auch in seiner Gemeinde in Köln gebe es einzelne Familien, die sich deshalb entschieden hätten, Deutschland zu verlassen. Mit den Gedanken seien sie nicht allein: Es gebe zwar keine Auswanderungswelle wie in Frankreich, aber viele in der jüdischen Gemeinde, „die über Plan B nachdenken“, so Lehrer.