Staatsanwaltschaft prüft mögliche Übergriffe bei Festnahme
Maskiert, verletzt: Ein junger Mann wird bei Köln bei der Festnahme des mutmaßlichen Mörders eines ukrainischen Politikers versehentlich gefesselt – und leidet nach eigenen Angaben noch immer.
In Heinsberg geriet ein Unschuldiger ins Visier einer Spezialeinheit. (Symbolbild)Marcus Brandt/dpa
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Die Staatsanwaltschaft Aachen hat Vorermittlungen eingeleitet wegen möglicher Körperverletzungs- und Amtsdelikte gegen Polizisten einer Spezialeinheit der nordrhein-westfälischen Polizei. Einen entsprechenden Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.
Hintergrund ist die im Februar erfolgte Festnahme eines mutmaßlichen Mörders des ukrainischen Politikers Andrij Portnow am Busbahnhof von Heinsberg (Regierungsbezirk Köln) durch Spezialeinheiten der Polizei NRW, Beamte der Kriminalpolizei sowie spanische Polizeikräfte. Dabei war versehentlich auch ein unbeteiligter junger Mann festgenommen worden.
Unbeteiligter Verhafteter leidet bis heute an Folgen des Zugriffs
Bei dem Einsatz sei sein Gesicht auf den Asphalt gedrückt worden, schilderte der Betroffene der „Zeit“. Ihm sei eine Augenmaske übergestülpt und er sei mit Kabelbindern auf dem Straßenboden fixiert worden. Bei dem Zugriff habe er Verletzungen davongetragen und kämpfe bis heute mit den psychischen Folgen der Verhaftung.
Die Schilderungen der Verhaftung decken sich laut „Zeit“ mit Augenzeugen-Berichten sowie Bild- und Videomaterial. Nachdem die Verwechslung bemerkt worden sei, habe man den Unschuldigen ohne Entschuldigung oder Entschädigung gehen lassen.
Die Aachener Staatsanwaltschaft machte zunächst keine weiteren Angaben zu dem Vorfall oder der Person des unmittelbar Betroffenen.
Tödliche Schüsse im Mai 2025
Portnow war am 21. Mai 2025 in einem Vorort von Madrid auf offener Straße mit mehreren Schüssen getötet worden. Zwischen 2010 und 2014 arbeitete er in der Ukraine als Berater und Vizechef des Präsidialamts unter dem damaligen russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch.
Zuvor war Portnow mehrere Jahre Jurist und Parlamentsabgeordneter der Partei von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Nach dem Sturz von Janukowitsch 2014 lebte er zunächst im russischen Exil und kehrte kurz vor dem Wahlsieg von Wolodymyr Selenskyj 2019 in die Ukraine zurück.
Nach dem russischen Einmarsch von 2022 verließ der mehrfache Familienvater das Land wieder – diesmal gen Westen. In den Monaten vor seinem Tod hatte er in der Ukraine vor allem durch erfolgreiche Klagen gegen Medien Aufmerksamkeit erregt, die ihn als „prorussisch“ bezeichnet hatten. Die USA hatten 2021 Sanktionen gegen ihn verhängt. EU-Sanktionen mussten nach erfolgreichen Klagen wieder aufgehoben werden.