Krisengipfel Davos: Wie redet man mit Trump über Grönland?
Die Annexionsfantasien des US-Präsidenten bestimmen das Weltwirtschaftsforum. Es soll „Im Geiste des Dialogs“ stehen. In Zeiten von Trump ein ambitioniertes Ziel.
USA House in Davos: Pomp und Glaube eng beieinander.Benedikt von Imhoff/dpa
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Der Altar ist eine Bühne. Werbetafeln, buntes Licht - und sehr viel Amerika. Vor der Orgelempore künden Banner vom nahenden 250. Jahrestag der Gründung der USA. Zum Weltwirtschaftsforum in Davos hat die US-Delegation eine ganze Kirche als „USA House“ geschmückt. Hier wird über Künstliche Intelligenz und Raumfahrt diskutiert, aber auch über Gott. Glaube, Pomp und Pathos eng beieinander: Es wirkt wie ein Sinnbild der Politik von Donald Trump.
Der US-Präsident soll am Mittwoch in Davos eine Rede halten, an die die Teilnehmer große Erwartungen haben. Trumps Besuch macht klar: Bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) geht es in diesem Jahr um mehr als um die Weltwirtschaft und eine neue Handelsordnung. Es geht um die Frage, ob das, was man einst den Westen nannte, so überhaupt noch existiert. Wie steht es um das transatlantische Verhältnis? Und könnten die Europäer Trump in persönlichen Gesprächen von seinen Grönland-Ambitionen und Zollplänen abbringen?
„Stop Trump, No WEF“: Bei diesen Demonstranten sind weder der US-Präsident noch das Treffen selbst beliebt.Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
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Abseits des offiziellen Programms im Davoser Kongresszentrum dürfte es zu einer ganzen Reihe durchaus außergewöhnlicher Dialogformate kommen. „Im Geiste des Dialogs“: Selten war das WEF-Motto wohl so passend und so zweifelhaft zugleich. Es wirkt wie eine hehre, aber aus der Zeit gefallene Hoffnung. Wie viel ernsthafter und lösungsorientierter Dialog ist überhaupt noch möglich, wie viel will Trump überhaupt noch?
Was bringt Reden mit Trump?
So ein Dialog über Grönland werde für die EU schwer, meint die US-Expertin Laura von Daniels. „Mit Blick auf die 250-Jahre-Feier Anfang Juli hat sich Trump möglicherweise in den Kopf gesetzt, einen großen territorialen „Gewinn“ für die USA herauszuholen“, sagt die Forschungsgruppenleiterin Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik der Deutschen Presse-Agentur.
Die Ambitionen des US-Präsidenten auf Grönland und seine Zolldrohungen gegen Länder wie Deutschland, die Annexionspläne nicht schlucken wollen, dürften auch beim WEF viele schockiert haben. Erneut verschärft Trump damit die internationale Tonart. Und seine Drohungen stehen diametral zu dem, was das Weltwirtschaftsforum eigentlich propagiert: freien Handel, Globalisierung, Multilateralismus, also die Zusammenarbeit der Staaten auf der Welt.
Trump reist mit der größten und ranghöchsten Delegation an, die der kleine Wintersportort in den Schweizer Bergen je gesehen hat. Nicht nur wird er begleitet von Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick. Auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, ein Top-Verhandler, sind dabei.
Der Zwiespalt der Europäer in Davos
Die USA und die Ukraine wollen das Forum nutzen, um ihre Friedensgespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs fortzusetzen. Es wird ein Spitzentreffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den Europäern rund um Bundeskanzler Friedrich Merz und den französischen Staatschef Emmanuel Macron erwartet.
Man hofft auf die Zustimmung des US-Präsidenten zu Sicherheitsgarantien für Kiew. Und klar ist: In diesem Prozess ist man angewiesen auf Trump, auf seinen Draht zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Den noch jungen Friedensprozess will niemand gefährden.
In diesem Jahr feiern die USA 250 Jahre Unabhängigkeit: Will Trump als Geschenk einen territorialen Gewinn?Benedikt von Imhoff/dpa
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Das zeigt genau den Zwiespalt der Europäer in Davos. Denn fast zeitgleich und am gleichen Ort müssten sie beim Thema Grönland eigentlich einen ganz anderen Ton anschlagen. Es ist die erste Chance für die Europäer, Trump nach der Eskalation um die arktische Insel persönlich zu treffen. Zwar gab es Telefonate Trumps mit dem britischen Premier Keir Starmer und Nato-Chef Mark Rutte. Persönliche Treffen aber erzielen bei Trump häufig mehr Wirkung.
Um ein solches bemüht sich unter anderem Merz. Er wolle am Mittwoch direkt mit Trump sprechen, sagte der Bundeskanzler. „Ich will es nicht, aber wenn es nötig ist, dann werden wir natürlich auch unsere europäischen Interessen, auch unsere deutschen nationalen Interessen schützen.“ Auch Rutte betonte auf X, er freue sich, Trump in Davos zu sehen.
Spoke with @POTUS regarding the security situation in Greenland and the Arctic. We will continue working on this, and I look forward to seeing him in Davos later this week.
— Mark Rutte (@SecGenNATO) January 18, 2026
Was das bringen wird, wird zentral davon abhängen, in welcher Stimmung Trump in die Schweiz reist. Er dürfte jedenfalls schon gemerkt haben, dass die Europäer seine Zollankündigung nicht einfach konsequenzlos schlucken. Als erste Reaktion beschloss Brüssel, die Zoll-Vereinbarung zwischen Europa und den USA auf Eis zu legen. US-Produkte bekommen also erst einmal keinen zollfreien Zugang in den europäischen Binnenmarkt.
„Die EU sollte sich gemeinsam mit UK und Kanada gegen Trumps aggressive Politik wehren“, sagt auch US-Expertin von Daniels. Auf die angedrohten Zölle könne die Gemeinschaft nun mit der Eröffnung eines sogenannten ACI-Verfahrens reagieren. Damit lägen Gegenzölle sowie Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für Waren und Dienstleistungen auf dem Tisch, eine europäische „Handels-Bazooka“ quasi. „Sie müsste es dann in Extremgeschwindigkeit beschließen und umsetzen, um Trumps Kalkül zu beeinflussen“, sagt von Daniels.
Bundesregierung ringt um Position
Die Frage nach der richtigen Reaktion ist für die Bundesregierung nicht so einfach zu beantworten. Vizekanzler Lars Klingbeil wirbt für eine deutliche Antwort der EU. Er sieht das transatlantische Verhältnis ohnehin „in der Auflösung“. „Wir lassen uns nicht erpressen. Wir lassen uns nicht provozieren. Nicht mit Zöllen, nicht mit Worten“, betonte er am Wochenende.
Außenminister Johann Wadephul widerspricht indirekt im ZDF-„heute journal“: Es sei klar, dass Europa die USA brauche - und es sei ja auch noch denkbar, dass Trump seine Zollankündigung wieder zurücknehme.
In Brüssel soll es noch in dieser Woche einen Krisengipfel der Europäer geben. In Davos gibt es die Hoffnung, dass bis dahin einige Wogen geglättet sein könnten. Nicht umsonst hat sich das WEF die Maxime gegeben, die Welt zum Besseren zu verändern.
USA House in einer Kirche: Der Altar ist eine Bühne.Benedikt von Imhoff/dpa
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In Davos sehen einige Einwohner die jährliche Veranstaltung kritisch.Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
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