Politik Inland

Ukraine attackiert wieder Ölraffinerien - Russland gelassen

Die Ukraine fühlt sich von den USA im Stich gelassen, während Russland seine Angriffe intensiviert. Selenskyj will sich nicht in Zurückhaltung üben - Moskau spricht von einem Affront gegenüber Trump.

15.10.2026

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich nicht mehr an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieinfrastruktur halten und wieder russische Ölraffinerien angreifen.Jordan Pettitt/PA Wire/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich nicht mehr an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieinfrastruktur halten und wieder russische Ölraffinerien angreifen.Jordan Pettitt/PA Wire/dpa

© Jordan Pettitt/PA Wire/dpa

Die Ukraine hält sich nicht mehr an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen und greift wieder russische Ölraffinerien an. Die Zurückhaltung sei vorbei, sagte Selenskyj der „Financial Times“. Demnach äußerte Selenskyj auch seine Verärgerung über den „gefährlichen“ Mangel an US-Geheimdienstdaten und der parallelen Drosselung des Satelliteninternetdienstes Starlink, während Russland seine Angriffe auf die Ukraine intensiviere. 

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete Selenskyjs Äußerungen als direkten und groben Affront gegenüber Trump. Aus dem Kreml hieß es, Kiew handle gegen die Friedensbestrebungen der USA.

Russland hatte bereits am Mittwoch über neue ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow berichtet. Nun gab es nach einem Angriff auf die Ölraffinerie Rjasan erneut einen Brand.

Kallas verteidigt ukrainisches Vorgehen 

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verteidigte die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien. „Der Großteil der russischen Kriegsfinanzierung stammt aus Öleinnahmen“, sagte die frühere estnische Regierungschefin beim EU-Gipfel in Brüssel. Deshalb sei es der richtige Weg, Russland die Finanzierung des Krieges abzuschneiden. „Wir müssen Russland unter Druck setzen, damit es den Krieg beendet – und nicht die Ukraine, damit sie kapituliert“, sagte Kallas. Selenskyj ist derzeit in Brüssel und wird am Freitag als Gast am EU-Gipfel teilnehmen.

Trump hatte erklärt, dass die USA Diesel aus Russland importieren wollten und Selenskyj daher die Attacken einstellen solle. Selenskyj sagte zuletzt, dass die Ukraine die Angriffe tagelang unterlassen habe. Damit sei es nun vorbei, sagte er nun. 

Musk fordert Selenskyjs Rückzug

Zuvor hatten US-Militärs nach Selenskyjs Darstellung ihren ukrainischen Kollegen erklärt, dass sie keine Geheimdienstdaten mehr liefern würden, wenn die Ukraine nicht aufhöre, russische Ölraffinerien anzugreifen. Zugleich sei das für das ukrainische Militär wichtige Starlink-System gedrosselt worden. „Das war kein technisches Problem, das war Absicht“, sagte Selenskyj. 

Der US-Tech-Milliardär Elon Musk sagte dazu, das US-Militär und Trump hätten über die Begrenzung des militärischen Starlink-Ablegers Starshield zu entscheiden. Starlink hingegen werde als kommerzieller Dienst nur für zivile und für Verteidigungszwecke, aber nicht für militärische Offensiven genutzt.

In einem Post auf seiner Plattform X sagte Musk auch, es sei für Selenskyj an der Zeit, abzutreten. Die Ukraine beklagt immer wieder den massiven Druck der USA, in dem Krieg mit Russland nachzugeben. Selenskyj lehnt das ab.

Russland setzt Angriffe auf Ukraine fort

Russland hat auch in den vergangenen Tagen ungeachtet der Klagen in Kiew über nicht rechtzeitige Vorwarnungen und damit zu späten Luftalarm seine Angriffe auf das Land massiv fortgesetzt. Auch tagsüber gingen russische Drohnenangriffe weiter. In der Hauptstadt Kiew und im südukrainischen Odessa wurden nach Behördenangaben mindestens neun Menschen bei Drohnenangriffen verletzt - darunter einem Einschlag in einen Supermarkt.

Zuvor waren bei russischen Drohnenangriffen im zentralukrainischen Gebiet Kirowohrad Behörden zufolge mindestens drei Menschen getötet und sechs weitere laut Behörden verletzt worden. Im Gebiet Dnipropetrowsk seien drei weitere Menschen getötet worden. Selenskyj sprach von einer „gezielten Eskalation“ Russlands nach der Lockerung von Sanktionen durch die USA. 

Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen eine großangelegte russische Invasion.