Politik Inland

NRW gehört bei Bildungsstudie zu Schlusslichtern

NRW schneidet in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft wieder recht schwach ab. Es gibt aber auch Positives in der Analyse aus ökonomischer Sicht.

14.09.2026

Die IQB-Bildungsstudie für 2025 liegt mit Daten auch für NRW vor. (Archivbild) Roland Weihrauch/dpa/dpa-tmn

Die IQB-Bildungsstudie für 2025 liegt mit Daten auch für NRW vor. (Archivbild) Roland Weihrauch/dpa/dpa-tmn

© Roland Weihrauch/dpa/dpa-tmn

Nordrhein-Westfalen schneidet in einer Vergleichsstudie aus bildungsökonomischer Perspektive erneut schlecht ab und gehört unter den Bundesländern zu den Schlusslichtern. Im Handlungsfeld Schulqualität landet NRW im „Bildungsmonitor“ der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) auf dem vorletzten Platz. Neuntklässlerinnen und Neuntklässler zeigten unterdurchschnittliche Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften.

Der „Bildungsmonitor“ betrachtet Entwicklungen in 13 Handlungsfeldern und stützt sich dabei unter anderem auf Zahlen des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen von 2024. Bundesweiter Spitzenreiter ist erneut Sachsen.

Nachholbedarf auch bei beruflicher Bildung

Nachholbedarf sieht der „Bildungsmonitor“ auch bei der beruflichen Bildung: In puncto Ausbildungsstellen sei die Quote der unversorgten Bewerber in NRW mit 13,9 Prozent schlechter als im Bundesschnitt (10,4 Prozent).

Die Bildungsausgaben fallen im Verhältnis zu den öffentlichen Gesamtausgaben im Ländervergleich „relativ gering“ aus, heißt es für NRW. Betrachte man aber die Bildungsausgaben pro Kind, so seien diese im bevölkerungsreichsten Bundesland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dennoch liegen die Ausgaben an den Grundschulen pro Schülerin und Schüler bei 8.100 Euro und damit unter dem Bundesschnitt von 9.000 Euro.

Ein weiterer Befund: In NRW verlassen 7,3 Prozent der Abgänger die Schule ohne einen Abschluss. Das sei aber immerhin etwas besser als der Deutschland-Durchschnitt. In einigen Handlungsfeldern sieht der Bericht NRW im vorderen Feld oder im Mittelfeld - etwa bei der Digitalisierung oder bei den Forschungsausgaben pro Forscherin und Forscher im Jahr 2024.

Monitor analysiert aus rein wirtschaftlicher Sicht

Die vom Institut der deutschen Wirtschaft im INSM-Auftrag durchgeführte Studie untersucht anhand von 98 Indikatoren die Bildungssysteme der Bundesländer. Im Fokus stehe, welchen Beitrag das Bildungssystem leiste, um Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten. Die seit Jahren sinkenden Schüler-Kompetenzen gefährdeten individuelle Teilhabe und Aufstiegschancen junger Menschen, aber auch die Fachkräftebasis der deutschen Wirtschaft, betonten die Autoren.

Erst vor wenigen Tagen wurden die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie Pisa vorgelegt: Die getesteten 15-Jährigen in Deutschland schneiden in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht ab wie nie zuvor und erzielen die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen im Jahr 2000.

Opposition und Bildungsgewerkschaften fordern Umdenken

SPD-Fraktionschef Jochen Ott forderte die Landesregierung zum Handeln auf. „Ich weiß nicht, wie lange sich die Landesregierung die Lage noch tatenlos anschauen will“, sagte er. Es brauche eine grundlegende Bildungsreform mit entschlackten Lehrplänen und dem Ziel, Problemlösungskompetenzen und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Die Bildungsgewerkschaft VBE forderte, die Studie müsse ein Weckruf für die NRW-Politik sein. „Die Probleme sind seit Jahren bekannt: Personalmangel, fehlende Zeit, hohe Belastungen und vielerorts Rahmenbedingungen, die mit den Anforderungen nicht Schritt halten“, sagte Landeschefin Anne Deimel. Neben dem Schulunterricht sei eine qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung wichtig, um Bildungschancen zu verbessern.

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte, vor allem Schulen in schwierigen sozialen Lagen besonders zu fördern. „Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht, allen Schulen dasselbe zu geben, sondern ihnen das zu geben, was sie für ihre Schülerinnen und Schüler benötigen“, sagte die GEW-Landeschefin Ayla Çelik.