Politik Inland

Münster beim Umstieg auf E-Busse in NRW am weitesten

Leise, ohne Abgase und schnell: Wer im Urlaub etwa an der italienischen Adria-Küste war, hat viele E-Busse gesehen. Hierzulande sind sie oft noch selten. Warum das so ist und wie die Erwartungen sind.

06.10.2026

Auf der Armaturentafel eines Linienbusses erkennt man den Ladestand der Batterie, der hier bei 94 Prozent liegt.Christoph Reichwein/dpa

Auf der Armaturentafel eines Linienbusses erkennt man den Ladestand der Batterie, der hier bei 94 Prozent liegt.Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

In vielen Großstädten dominieren nach wie vor Busse mit Dieselantrieb das Stadtbild. In Nordrhein-Westfalen schneiden in einem aktuellen Ranking der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Essen (Platz 38), Wuppertal (37) und Krefeld (36) besonders schlecht ab. Sie hatten laut der Auswertung Ende 2025 keine batteriebetriebenen E-Busse im Bestand und setzten außerdem bei Neuanschaffungen zum großen Anteil auf Verbrenner.

Busse mit reinem Dieselantrieb machen in den 39 größten deutschen Städten 70 Prozent aus, wie aus einer Untersuchung der Umwelthilfe hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 

E-Antrieb ohne Batterie

Wenn Städte keine batteriebetriebenen Elektrobusse haben, heißt aber nicht zwingend, dass dort nur Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen. Das zeigt das Beispiel Wuppertal: Dort sind nämlich Elektrobusse mit Brennstoffzelle unterwegs. Sie machen nach Angaben der dortigen Stadtwerke ein Sechstel der Flotte aus.

Die Stadtwerke Krefeld erklärten, der Einsatz batteriebetriebener E-Busse sei nicht flexibel auf allen Linien mit nur einer Batterieladung möglich, insbesondere im Winter. Sollte sich die Reichweite der E-Busse deutlich ändern, rückten sie in den Fokus. Aktuell seien 10 Wasserstoffbusse im Einsatz, 2027 kämen 19 weitere hinzu.

Die für den öffentlichen Nahverkehr in Essen zuständige Ruhrbahn erklärte, es würden 19 Busse mit Wasserstoff betrieben. Die Busflotte bestehe zum Großteil aus knapp 300 Diesel-Bussen, die die Abgasnorm Euro VI erfüllten und die ein kleines elektrisches Unterstützungssystem besäßen. 

Münster fährt voran

Am besten in NRW schnitt im Ranking der Umwelthilfe Münster auf Platz 5 ab, wo es fast 50 Prozent E-Busse gibt. Es folgt Köln auf Platz 11, dort sind etwa 25 Prozent der Busse elektrisch betrieben. Mönchengladbach auf Platz 12 hat eine E-Quote von gut 20 Prozent. In diesen Städten werden keine neuen Verbrenner gekauft. 

Ein E-Bus fährt in Duisburg. Christoph Reichwein/dpa

Ein E-Bus fährt in Duisburg. Christoph Reichwein/dpa

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Bilanz der „Lebensdauer“

E-Busse verursachen nach einer Untersuchung der gemeinnützigen Organisation International Council on Clean Transportation (2023) erheblich weniger Treibhausgase als Busse mit Diesel-Antrieb. Bei ihrer Herstellung entstünden zwar höhere Emissionen. Dies werde aber über die Nutzungsdauer der Busse mehr als ausgeglichen, weil sie im Betrieb klimafreundlicher seien. Je höher der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne, desto besser falle die Bilanz aus. Zudem seien E-Busse besser für die Luftqualität vor Ort.

Kritik an Bundesregierung

Diesel-Busse würden normalerweise über zehn Jahre betrieben, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Städte, die bis 2030 neue Verbrenner anschafften, verschöben den Abschied von fossilen Antrieben so bis in die 2040er-Jahre. Die DUH kritisiert, dass die Bundesregierung Förderprogramme zum Ankauf von Bussen mit alternativen Antrieben kürzen wolle. 

Tendenz steigend

Nach einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pwc waren Ende 2025 insgesamt 4.752 Busse mit vollelektrischen Antrieben auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das waren 14 Prozent der gesamten Stadtbusflotte von etwa 35.000 Fahrzeugen, heißt es in dem Bericht.

Die E-Busse sind umweltfreundlicher als Dieselfahrzeuge.Christoph Reichwein/dpa

Die E-Busse sind umweltfreundlicher als Dieselfahrzeuge.Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

Hohe Investitionskosten bremsen

Die Tendenz sei stark steigend. Verkehrsunternehmen hätten 2025 rund 1.400 E-Busse neu in Betrieb genommen - fast doppelt so viele wie 2024. Hohe Investitionskosten beim Kauf der Fahrzeuge sowie beim Ausbau der Ladeinfrastruktur und Netzanschlüsse bremsten jedoch den Fortschritt. 

E-Bus-Bestand könnte sich verdoppeln

Die Planungen der Flottenbetreiber bis 2030 sehen laut Pwc vor, rund 6.400 weitere emissionsfreie Busse zu beschaffen. Damit könnte die E-Bus-Flotte in Deutschland auf mehr als 11.000 anwachsen. Das Ziel der Bundesregierung, dass bis 2030 die Hälfte aller Stadtbusse elektrisch fährt, sei damit erreichbar.

Ein elektrisch angetriebener Linienbus der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) ist auf der Linie 934 unterwegs. Christoph Reichwein/dpa

Ein elektrisch angetriebener Linienbus der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) ist auf der Linie 934 unterwegs. Christoph Reichwein/dpa

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