Mehr Frauen in festen Jobs – Gleichstellung ist dennoch fern
Teilzeit, Minijobs und mehr Hausarbeit: Nach wie vor stemmen Frauen oft mehr Arbeit, verdienen aber weniger als Männer. Was der DGB jetzt fordert, um echte Gleichstellung zu erreichen.
Faire, gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt ist für viele Frauen immer noch Zukunftsmusik. (Symbolbild)Monika Skolimowska/dpa
© Monika Skolimowska/dpa
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen ist in Nordrhein-Westfalen von 2008 bis 2024 um fast ein Drittel auf rund 3,4 Millionen gestiegen. Von einer Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt sind sie laut einem wissenschaftlichen Datenreport für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in NRW aber noch weit entfernt. Einer Beschäftigungsquote von rund 65 Prozent bei den Männern stünden nur 56 Prozent bei den Frauen gegenüber, kritisierte der DGB in Düsseldorf anlässlich des bevorstehenden internationalen Frauentags am 8. März.
Zentrale Ergebnisse des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen:
- Im vergangenen Jahr verdienten Frauen im Schnitt 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer.
- Obwohl Frauen in NRW oft besser qualifiziert sind als Männer - gut 59 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen verfügten über einen anerkannten Berufsabschluss gegenüber rund 55 Prozent bei den Männern -, arbeiten sie häufiger in Tätigkeiten mit geringerem Anforderungsniveau.
- Gut 76 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs und mehr als 59 Prozent der Minijobs in NRW entfielen auf Frauen.
- Auch zu Hause setzt sich die ungleiche Verteilung der Arbeit fort: Während Männer in NRW wöchentlich rund 20 Stunden für Haushaltstätigkeiten und Betreuung von Angehörigen aufbrächten, seien es bei den Frauen fast 30 Stunden.
Die Vizevorsitzende des DGB NRW, Anke Unger, forderte Bund, Land und Arbeitgeber auf, das Thema ganz oben auf ihre Agenda zu nehmen: „Anstatt durch Minijobs, Ehegattensplitting und Steuerklasse V das klassische Hauptverdiener-Modell zu fördern, sollte der Staat Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit setzen.“
Eine weitere Baustelle: Laut Datenreport ist die Kinderbetreuung in NRW „wenig verlässlich“. Während hier an 20,5 eigentlich regulären Betreuungstagen die Kitas geschlossen sind, trifft das Eltern in Sachsen im Durchschnitt nur an 7,5 Tagen.
Was Frauen aus DGB-Sicht weiterbringen würde:
- Die Abschaffung von Minijobs. „Sie bedeuten meist niedrige Löhne, fehlende soziale Absicherung und geringe Weiterbildungschancen“, kritisierte Unger.
- Arbeitszeitmodelle, die zur jeweiligen Lebensphase passen. „Viele Frauen geraten in der Familienphase in eine Teilzeitfalle, aus der sie ihr Berufsleben lang nicht mehr herausfinden.“ Vielen Eltern würden verkürzte Vollzeitmodelle von 30 oder 32 Stunden helfen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, schlägt der DGB vor.
- „Vereinbarkeitslotsen“ in Betrieben und Verwaltungen, die helfen, die Unternehmenskultur familienfreundlicher zu gestalten und Beschäftigte zu unterstützen.