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Magdeburg-Anschlag: 13-jähriges Opfer saß im Rollstuhl

Tränen, Schmerzen, Angst: Betroffene des Magdeburger Anschlags erzählen, wie der Tag ihr Leben veränderte. Warum sie trotzdem vor Gericht aussagen – und was sie bis heute begleitet.

13.01.2026

Die gefesselten Hände des Todesfahrers vom Magdeburger Weihnachtsmarkt. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die gefesselten Hände des Todesfahrers vom Magdeburger Weihnachtsmarkt. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Im Prozess gegen den Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt hat eine 13-Jährige als Zeugin ausgesagt, die schwere Verletzungen erlitten hatte. Die Schülerin berichtete, wie sie mit Familienmitgliedern und einer Freundin an einem Essensstand wartete, als sie von dem Auto des geständigen Täters aus Saudi-Arabien mitgezogen wurde. „Ich hatte schon echt doll Schmerzen.“ 

Sie habe mit Verletzungen an Hüfte und Beinen etwa einen Monat im Krankenhaus gelegen, sei danach noch eine Zeit auf den Rollstuhl angewiesen gewesen. Bis heute habe sie Einschränkungen, könne nicht lange stehen. 

Leichtigkeit ist abhanden

Der Vater der 13-Jährigen sagte, sie habe das Geschehen „wirklich gut verarbeitet“. Er schließe sich aber anderen Betroffenen an, die als Zeugen gesagt hatten, die Leichtigkeit sei abhandengekommen.

Ein neunjähriger Junge sowie fünf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren kamen bei der Todesfahrt im Dezember 2024 ums Leben. Mehr als 300 weitere Menschen wurden verletzt. 

Sperren und Zäune umgeben das temporäre Gerichtsgebäude.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Sperren und Zäune umgeben das temporäre Gerichtsgebäude.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

„Wir müssen ja irgendwie damit leben“

Ein 38-jähriger Feuerwehrmann berichtete, er sei von dem Auto überrollt worden. Er sei nach dem Anschlag zweieinhalb Monate krankgeschrieben gewesen. Unter Tränen erzählte er, dass er in der Nacht nach dem Anschlag nach seiner Lebensgefährtin suchte, er habe Krankenhäuser abtelefoniert, bis er sie fand. Körperliche und psychische Folgen gebe es bis heute. „Wir leben damit, wir müssen ja irgendwie damit leben.“ Auch eine Lehrerin und Mutter, die zwar körperlich unverletzt blieb, berichtete von psychischen Problemen, die sie bis heute begleiteten.

Betroffene haben sich bewusst zur Aussage entschieden

Im Prozess haben schon eine Reihe von Betroffenen ausgesagt – alle freiwillig. Die Verfahrensbeteiligten haben sich darauf verständigt, dass Betroffene nicht aussagen müssen, wenn sie nicht wollen. 

Am 20. Dezember 2024 hatte der damals 50-jährige Taleb al-Abdulmohsen laut Generalstaatsanwaltschaft Naumburg den mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gelenkt. Der Mann aus Saudi-Arabien war mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs. Er arbeitete als Psychiater im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter.

Justizbeamte führen den Angeklagten Taleb al-Abdulmohsen in den Gerichtssaal des temporären Gerichtsgebäudes vom Landgericht Magdeburg.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Justizbeamte führen den Angeklagten Taleb al-Abdulmohsen in den Gerichtssaal des temporären Gerichtsgebäudes vom Landgericht Magdeburg.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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