Politik Inland

Linke braucht neue Spitze: Fraktionsvize Pantisano tritt an

Linken-Chef van Aken zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Doppelspitze mit Ines Schwerdtner zurück. Jetzt meldet ein möglicher Nachfolger seine Bewerbung an. Andere verzichten.

16.04.2026

Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano möchte Linken-Vorsitzender werden. (Archivbild)Michael Kappeler/dpa

Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano möchte Linken-Vorsitzender werden. (Archivbild)Michael Kappeler/dpa

© Michael Kappeler/dpa

Nach dem angekündigten Rückzug von Parteichef Jan van Aken stellt sich die Linken-Spitze neu auf. Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano bewirbt sich um die Nachfolge - und hat offenbar die Unterstützung der Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner, die erneut kandidieren will. Gewählt wird bei einem Parteitag in Potsdam vom 19. bis 21. Juni. 

Der 64-jährige van Aken hatte angekündigt, dass er sich dort aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut bewirbt. Im Rennen für die Parteispitze sind nun zwei vergleichsweise junge und unerfahrene Bundestagsabgeordnete - der heute 46-jährige Pantisano und die 36-jährige Schwerdtner zogen beide nach dem fulminanten Comeback der Linken 2025 ins Parlament ein. Beide zählen zur sogenannten Bewegungslinken, die über soziale Bewegungen auch außerhalb des Parlaments mobilisieren und gerne mal von „Klassenpolitik“ sprechen.

Andere Kandidaturen sind in den nächsten Wochen möglich. Die neben van Aken bekannteste Linke sagte aber bereits ab: Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, sie sei ausgelastet: „Wenn man Fraktions- und Parteivorsitz wirklich vernünftig ausführen will, dann kann man nicht beides machen, davon bin ich überzeugt. Also ich bleibe Fraktionsvorsitzende.“

Auch Co-Fraktionschef Sören Pellmann sagte auf dpa-Anfrage: „Ich beabsichtige derzeit nicht, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Ich erfülle meine Aufgabe als Co-Vorsitzender gemeinsam mit Heidi Reichinnek weiterhin.“

Wer ist Luigi Pantisano?

Pantisano ist stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt als Abgeordneter die Region Stuttgart und Konstanz. Er ist Architekt und Stadtplaner und begann in der Kommunalpolitik in Stuttgart. 

Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano möchte Linken-Vorsitzender werden. (Archivbild)Helena Dolderer/dpa

Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano möchte Linken-Vorsitzender werden. (Archivbild)Helena Dolderer/dpa

© Helena Dolderer/dpa

Seine Eltern seien 1979 aus Italien nach Deutschland gekommen, um ihren vier Söhnen ein besseres Leben zu ermöglichen, schreibt er über sich. Er selbst wurde in Waiblingen geboren, lebte aber nach eigenen Worten als Kleinkind zunächst in Kalabrien, später dann mit seinen Brüdern bei seinen Eltern in Deutschland.

Seine Eltern hätten in Fabriken gearbeitet und „die Bücher hergestellt, die sie selbst nie lesen durften“, schreibt Pantisano. So hätten sie ihm ein Studium ermöglicht. „Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu haben.“

Was will Luigi Pantisano?

„Ich gehe diesen Schritt in großer Demut“, erklärte Pantisano zu seiner Kandidatur. „Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert.“ Mehr als 70.000 Menschen seien neu in die Partei eingetreten. „Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.“ Die Partei wolle jene zurückgewinnen, die von der Politik enttäuscht und wütend seien. „Hier möchte ich anschließen und den nächsten Schritt gehen“, erklärte Pantisano.

Er wolle „Hoffnung gegen Rechts“ organisieren, da viele Menschen nach jahrelangen Krisen frustriert und erschöpft seien, erklärt er weiter. Wie van Aken, der 2024 mit dem Spruch „Es sollte keine Milliardäre geben“ auf die Bühne kam, teilt auch Pantisano gegen „die Superreichen“ aus: „Sie handeln nach ihren eigenen Regeln, zetteln Kriege an, plündern den Sozialstaat.“

Als Ziel nennt er, die Zahl der Parteimitglieder von heute gut 120.000 auf 200.000 zu erhöhen. Er bekennt sich zur Begrenzung von Mandatszeiten auf zwei Legislaturperioden und zur Deckelung seines Gehalts als Abgeordneter.

Wie geht es weiter für die Linke?

Die Co-Vorsitzende Schwerdtner begrüßte die Kandidatur: „Ich freue mich sehr, dass Luigi Pantisano sich bereit erklärt, für die Partei Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie. Als wachsende Partei brauche die Linke jede Kraft. „Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Partei, im Bundestag und in der Kommunalpolitik bringt er wichtige Fähigkeiten mit, um die Partei weiter gut aufzustellen.“ Mit dem Hinweis auf die Bundestagserfahrung spielt sie wohl darauf an, dass Pantisano wissenschaftlicher Mitarbeiter des ehemaligen Linken-Vorsitzenden Bernd Riexinger war. In der Partei ist er seit 2022 stellvertretender Landessprecher in Baden-Württemberg.

Er geht, sie freut sich über Pantisanos Bewerbung: die Linke-Vorsitzenden van Aken und Schwerdtner.Soeren Stache/dpa

Er geht, sie freut sich über Pantisanos Bewerbung: die Linke-Vorsitzenden van Aken und Schwerdtner.Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

Ursprünglich hatte van Aken angekündigt, erneut mit Schwerdtner zu kandidieren. Beide waren im Oktober 2024 als Doppelspitze gewählt worden. Damals steckte die Partei mit Umfragewerten von nur noch zwei bis drei Prozent in einer tiefen Krise. Dem Duo gelang die Wende. Bei der Bundestagswahl 2025 zog die Linke mit 8,8 Prozent wieder ins Parlament ein. Inzwischen liegt sie bundesweit in Umfragen bei zehn bis elf Prozent Zustimmung. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz scheiterte die Linke zuletzt aber an der Fünf-Prozent-Hürde.

Wo steht Pantisano beim Thema Israel und Antisemitismus?

Im Vergleich zu van Aken ist Pantisano in der Öffentlichkeit eher unbekannt. In seiner Bewerbung kündigt er an, Kreisverbände und „Betriebe im ganzen Land“ zu besuchen.

Heikel ist für die Linke das Thema Israel und Antisemitismus. Van Aken stand trotz vieler markiger Sprüche dabei für Ausgleich. Unklar ist, was von Pantisano, Mitglied des migrantischen Netzwerks Linkskanax in der Partei, zu erwarten ist.