Politik Inland

Ist der Grönland-Konflikt jetzt beigelegt?

Trump brach mit den Europäern einen Streit vom Zaun, indem er vollen Zugriff auf die Arktisinsel Grönland forderte. Jetzt deutet sich ein Ende des Streits an. Was wird dem US-Präsidenten zugestanden?

19.09.2026

Der Streit um Grönland sorgte für erhebliche Spannungen in der Nato. (Archivbild)Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Der Streit um Grönland sorgte für erhebliche Spannungen in der Nato. (Archivbild)Evgeniy Maloletka/AP/dpa

© Evgeniy Maloletka/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump löste mit seinen Ansprüchen auf die Arktisinsel Grönland einen Aufschrei in Europa und Empörung unter Verbündeten aus. Doch jetzt scheint sich ein Knoten im Konflikt zu lösen: Die USA, Dänemark und Grönland gaben einen Durchbruch bekannt.

Warum gibt es überhaupt Streit um Grönland?

Schon während seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Idee, das zum dänischen Hoheitsgebiet gehörende Territorium zu kaufen. Damals wurde das auf Grönland und in Dänemark zunächst für einen Scherz gehalten. Doch spätestens im Januar dieses Jahres wurde klar, dass Trump ernsthaft Ansprüche auf die Kontrolle der Insel erhebt, die zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt ist und knapp 60.000 Einwohner hat.

US-Präsident Trump will die Kontrolle über die Insel haben. (Archivbild)Emil Stach/Ritzau Scanpix Foto/dpa

US-Präsident Trump will die Kontrolle über die Insel haben. (Archivbild)Emil Stach/Ritzau Scanpix Foto/dpa

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Die offizielle Begründung des US-Präsidenten: Angesichts einer immer stärkeren Präsenz mächtiger Staaten wie China und Russland in der Arktis könne Dänemark nicht ausreichend für die Sicherheit und Verteidigung der auch für die USA strategisch bedeutsamen Insel sorgen. Die Vereinigten Staaten müssten deshalb für militärische Sicherheit in der Region sorgen, um nicht selbst in Gefahr zu geraten. Jüngst provozierte Trump noch einmal, indem er auf der Plattform Truth Social eine Landkarte postete, die Grönland in den Farben der US-Flagge zeigt. 

Nicht nur auf der Insel wird vermutet, dass es Trump neben einer militärischen Kontrolle der Arktis auch um wertvolle Rohstoffe wie seltene Erden gehen könnte, die in Grönland unter dem Eis schlummern.

Wie reagierten die Bewohner?

Auf der Insel lösten die wiederholten Drohungen Trumps einen Sturm der Entrüstung aus. Immer wieder stellten Grönland und auch Dänemark klar: Das Territorium steht nicht zum Verkauf. Darüber, was mit der Insel passiert, sollten die Grönländer selbst bestimmen. Die frühere dänische Kolonie ist inzwischen weitgehend autonom, gehört aber weiterhin zum Königreich Dänemark. Schließlich gründete sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen drei Ländern, die sich zu Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit traf.

Trumps Vorgehen stieß nicht nur in Grönland auf Unmut. (Archivbild)Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Trumps Vorgehen stieß nicht nur in Grönland auf Unmut. (Archivbild)Evgeniy Maloletka/AP/dpa

© Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Was ist bislang über das angestrebte Abkommen bekannt?

Wenig. Während es vonseiten des US-Präsidenten so klingt, als sei der Deal schon in trockenen Tüchern, ließen die Dänen und Grönländer in einer gemeinsamen Mitteilung wissen, das Abkommen sei noch gar nicht unterzeichnet: Erst in der kommenden Woche solle die Vereinbarung im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York besiegelt werden. Danach müsse sie dann noch durchs Parlament, um in Kraft treten zu können.

Was sagt Trump zum Deal?

Nach seinen Worten bekommen die USA dauerhafte Kontrolle über alle Fragen, die die Verteidigung der Insel und sonstige Sicherheitsbelange betreffen. Gegner der USA dürften keine Basis in Grönland errichten, keine militärische Präsenz dort haben und keine „sensiblen Investitionen“ tätigen - es sei denn, die USA genehmigen es. Außerdem würden sofort Vorbereitungen für den Aufbau einer großen Militärpräsenz auf der Insel aufgenommen. Ob diese ausschließlich von den USA gestellt wird, ging aus seinem Post nicht eindeutig hervor.

Den Vereinigten Staaten entstünden durch die Vereinbarung keine Kosten, betonte Trump. Was genau das heißt - also welche Kosten mit den Abmachungen verbunden sind und wer dafür aufkommt - blieb unklar. Die Vereinbarung gelte für „immer“, schrieb Trump.

Und die andere Seite?

Von dort gibt es noch keine konkreten Details zum Inhalt. In der gemeinsamen Mitteilung der dänischen und grönländischen Regierung hieß es bloß, der Deal erkenne die Souveränität und territoriale Integrität des dänischen Königreichs und das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung an.

Es handle sich um „ein Abkommen, das unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im nordatlantischen Raum stärkt und damit auch gut für die Nato und Europa ist“, erklärte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte, der bevorstehende Deal wahre die Interessen Grönlands. 

Was würde ein Abkommen für Deutschland bedeuten?

Das ist unklar. Auch weil zunächst offen blieb, inwieweit andere Nato-Länder und die EU in den Deal eingebunden sein könnten. Als Reaktion auf Trumps polternden Alleingang vor einigen Monaten hatten sich europäische Nato-Länder entschlossen gezeigt, Grönlands Souveränität zu unterstützen. Danach gab es wieder diplomatische Annäherungsversuche.

Auch die Europäische Union zeigte demonstrativ Stärke. So besuchte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Arktisinsel und gab einen Ausbau der Zusammenarbeit bekannt. Dabei geht es um die Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der EU und Grönland. Hinzu kam ein millionenschweres Investitionspaket. Als wirtschaftsstärkste Volkswirtschaft der EU und wichtiger Nato-Staat ist Deutschland unmittelbar von den Abmachungen beider Bündnisse mit den USA betroffen.