„In den Dschihad gezogen“: Prozess um Messerangriffe startet
Ihm wird dreifacher versuchter Mord vorgeworfen, aber auch ein Angriff auf Polizisten: Ein 18-Jähriger steht von heute an in Düsseldorf wegen mutmaßlich islamistischer Messerangriffe vor Gericht.
Die Anklage gegen den mutmaßlichen Islamisten wurde zugelassen. (Archivbild) Federico Gambarini/dpa
© Federico Gambarini/dpa
Mit dem Messer in den Heiligen Krieg: Ein Schüler eines Berufskollegs soll in Essen islamistisch motivierte Messerattacken verübt haben. Von heute an muss sich der inzwischen 18 Jahre alte Angeklagte im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts verantworten.
Die Bundesanwaltschaft wirft ihm dreifachen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung vor. Der junge Mann soll vor neun Monaten mehrfach auf eine 45-jährige Lehrerin eingestochen haben. Auch einen Hausmeister an einer Grundschule und einen Obdachlosen an einer Bushaltestelle soll der junge Kosovare angegriffen haben.
Danach habe er noch möglichst viele Juden töten wollen, aber keine gefunden, als er zweimal an der Alten Synagoge in Essen erschien und nach ihnen Ausschau gehalten habe.
Anklage sieht islamistische Motivation
Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft waren die Taten islamistisch motiviert: Der damals 17-Jährige sei als überzeugter Islamist gegen vermeintliche Ungläubige in den Dschihad gezogen. Die Angriffe hätten sich auch gegen die freiheitliche Gesellschaftsform in Deutschland gerichtet.
Eine Auswertung von Datenträgern hatte nach der Tat Hinweise auf Islamismus als Tatmotiv ergeben. Der Jugendliche soll entsprechende Videos angefertigt haben.
Um seinen Märtyrertod zu provozieren, sei der Verdächtige schließlich in einem Park in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs mit vorgehaltenem Messer auf Polizisten zugelaufen, heißt es in der Anklage. Durch einen Schuss wurde er gestoppt und im Gesicht verletzt; er musste operiert und auf einer Intensivstation behandelt werden.
Der Wuppertaler Verteidiger des Angeklagten wollte vor Prozessbeginn keine Stellungnahme zu den Anklagevorwürfen abgeben.
Da der 18-Jährige zur Tatzeit Jugendlicher war, wird die Öffentlichkeit den Prozess vermutlich nur wenige Minuten verfolgen können: Gleich zu Beginn soll über den Ausschluss von Zuhörern entschieden werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Für das Verfahren sind bislang 13 Verhandlungstage bis Anfang September angesetzt.
Polizisten in Spezialausrüstung sind am Tattag Anfang September 2025 in Essen im Einsatz.Henning Kaiser/dpa
© Henning Kaiser/dpa