Politik Inland

Für Kleinkinder fehlen in Bayern knapp 46.000 Kitaplätze

Fast jede achte Familie mit Betreuungswunsch steht nur auf der Warteliste: Kitaplätze für unter Dreijährige sind Mangelware. Wie sich die Lage in Bayern entwickelt hat - und wie es weitergehen dürfte.

29.11.2025

Die Planung von Kitaplätzen sind keine Sandkastenspiele. (Symbolfoto)Christoph Soeder/dpa

Die Planung von Kitaplätzen sind keine Sandkastenspiele. (Symbolfoto)Christoph Soeder/dpa

© Christoph Soeder/dpa

In Bayern fehlen einer Studie zufolge rund 45.800 Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren. Das betrifft 12,8 Prozent aller Kleinkinder mit Betreuungsbedarf, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Berlin mitteilte. Demnach werden heuer rund ein Drittel aller unter Dreijährigen im Freistaat in einer Kita betreut.

Damit hat es innerhalb der vergangenen fünf Jahre eine Verbesserung gegeben: 2020 waren in Bayern noch 50.000 unter Dreijährige beziehungsweise ein Anteil von 13,1 Prozent der Familien mit entsprechenden Wünschen ohne Betreuungsplatz. Der Anteil der betreuten Kinder in der Altersgruppe unter drei Jahren stieg zugleich von 30,0 auf 33,8 Prozent.

Positive Entwicklung durch Geburtenrückgang

Die Entwicklung liegt aber auch an einem starken Rückgang der Geburten, wie das IW erläuterte: Zwischen 2019 und 2024 ging die Zahl der Kinder unter drei Jahren im Freistaat um 6,1 Prozent zurück. 

Während weniger Kinder geboren wurden, wünscht sich zugleich ein höherer Anteil der bayerischen Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kleinen: 46,6 Prozent der Eltern wollten 2024 ihr Kind im Alter von unter drei Jahren in einer Kita betreuen lassen. Dies sind 3,5 Prozentpunkte mehr als noch 2019. 

Buntes Treiben: Diese Kinder haben einen Kitaplatz. (Symbolfoto)Monika Skolimowska/dpa

Buntes Treiben: Diese Kinder haben einen Kitaplatz. (Symbolfoto)Monika Skolimowska/dpa

© Monika Skolimowska/dpa

Und die Bedarfe dürften besonders in Bayern und Baden-Württemberg noch deutlich zunehmen, betonten die Forscher. Denn dies seien die einzigen Bundesländer, in denen sich derzeit noch weniger als die Hälfte der Eltern eine institutionelle Betreuung für ihre Kleinkinder wünsche. „Dies könnte mit vergleichsweise hohen und nicht nach Einkommen gestaffelten Gebühren
für die Betreuung in Zusammenhang stehen“, hieß es.

Ausreichend Kita-Plätze für frühkindliche Förderung wichtig

Insgesamt wünschen sich bayerische Eltern in diesem Jahr für knapp 167.000 Kinder zwischen null und drei Jahren einen Betreuungsplatz. Rund 121.000 Kinder dieser Altersgruppe werden davon bereits institutionell betreut.

Die Studie betrachtet auch das Alter der betreuten Kinder. Demnach sind in Bayern 1,6 Prozent der Säuglinge unter einem Jahr in einer Krippe oder Kita. Bei den Einjährigen sind es 34,8 Prozent und bei den Zweijährigen 62,2 Prozent.

Ein ausreichendes Angebot an Kita-Plätzen ist nicht nur für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig, sondern wird von Bildungsforschern auch mit Blick auf die frühkindliche Förderung und Chancengleichheit gefordert. IW-Experte Wido Geis-Thöne betonte: „Gerade für Kinder aus bildungsfernen Haushalten ist der Besuch einer Kita entscheidend für den weiteren Bildungsweg.“ 

Bundesweit gravierende regionale Unterschiede

Deutschlandweit wünschen sich Eltern der Studie zufolge für insgesamt 1,1 Millionen Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz, rund 800.000 Kinder haben einen. Dabei gibt es regional große Unterschiede: In Westdeutschland haben laut Studie 15,6 Prozent der Kinder unter drei mit Bedarf keinen Platz. Im Osten sind es mit 7,3 Prozent nicht einmal halb so viele. Dies liegt nicht nur an dem traditionell großen Angebot, sondern auch an einem massiven Geburtenrückgang.

In die Berechnung des arbeitgebernahen Instituts war eine repräsentative Befragung der Regierung zu den Betreuungswünschen eingeflossen. Das IW verwendete zudem Betreuungs- und Gesamtdaten des Statistischen Bundesamts zu Kindern und setzte den laut Eltern-Angaben gewünschten Betreuungsbedarf mit der Zahl der betreuten Kinder ins Verhältnis.