Entscheidung in Streit um Nationalpark Rothaarkamm steht an
Seit Monaten wird im Süden NRWs gestritten: Wäre ein Nationalpark ein Wirtschafts-Hemmnis oder eine Chance für die Region? Bald entscheidet die Politik in Siegen-Wittgenstein, wie es weitergeht.
Befürwortet die Politik in der Region einen Nationalpark? Oder erteilt sie dem Projekt eine Abfuhr - wie die Abstimmung ausgeht, ist offen. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa
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Während die einen eine Chance für Natur, Artenschutz und die Region als Ganzes sehen, fürchten die anderen wirtschaftliche Nachteile und Risiken für geplante Straßenprojekte: Die Debatte um einen möglichen Nationalpark auf dem Rothaarkamm wird im Kreis Siegen-Wittgenstein seit Monaten polarisiert geführt.
Wo stehen die Abgeordneten in der Nationalparksdebatte?
Am Freitag will der Kreistag in einer Sondersitzung entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen er grünes Licht für ein formelles Ausweisungsverfahren gibt - oder ob er dem Traum des grünen Umweltministers Oliver Krischer für einen zweiten NRW-Nationalpark eine Abfuhr erteilt.
Wünscht sich einen zweiten Nationalpark - aber nur wenn das Projekt in der Region Rückhalt hätte: Der grüne Umweltminister Oliver Krischer. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa
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Im Koalitionsvertrag hatten CDU und Grüne einen solchen vorgesehen - und später sechs grundsätzlich geeignete Gebiete genannt. Doch alle Regionen lehnten eine Bewerbung ab - auch Siegen-Wittgenstein.
Im März dieses Jahres hatte der dortige Landrat Andreas Müller (SPD) das Thema jedoch wieder auf die Agenda gesetzt. In einer sehr knappen Abstimmung beschloss der Kreistag eine erneute Prüfung des Vorhabens. In Arbeitsgruppen waren dann Argumente dazu ausgetauscht worden, ob ein strengerer Schutz sinnvoll wäre.
Nationalpark als Rückzugsraum für bedrohte Arten
Im Kern geht es um einen Streifen von gut 4.300 Hektar Staatsforst, der sich quer über den Rothaarkamm bis an die hessische Landesgrenze erstreckt - für einen Nationalpark wäre das eher klein. Schon jetzt finden sich dort viele besonders geschützte Waldstücke und Naturschutzflächen.
Die Natur, Natur sein lassen: Im Rothaargebirge finden sich schon jetzt viele geschützte Waldflächen. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa
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Befürworter des Parks, darunter ein Bündnis von verschiedenen Naturschutzverbänden, heben hervor, dass ein Nationalpark einen der größten zusammenhängenden Naturräume im dicht besiedelten NRW dauerhaft sichern und die natürliche Entwicklung von Wäldern fördern würde. Bedrohte Pflanzen und Tiere fänden hier Rückzugsräume, die Biodiversität steige, die Wälder würden insgesamt widerstandsfähiger.
Gegner fürchten wirtschaftliche Risiken
Die CDU als größte Kreistags-Fraktion hatte zum Ende des Diskussionsprozesses klargemacht, die Pläne weiter abzulehnen. Man fürchte starke Belastungen für Kassen der Kommunen, Risiken für Arbeitsplätze - kurz: eine überstürzte Festlegung mit negativen Folgen für Jahrzehnte.
Die Partei greift damit den scharfen Gegenwind auf, der mitunter aus der Wirtschaft kommt. Die Industrie- und Handelskammer betonte wiederholt Risiken für die Umsetzung geplanter Straßenbauprojekte in der Region. Angrenzende Waldbesitzer und Landwirte fürchten Einschränkungen, etwa bei der Wegenutzung oder eine zu stark wachsende Rotwild-Population, die dann die eigenen Bäume anknabbern könnte.
Nationalpark als Standortfaktor
Eine Unternehmens-Befragung hatte ein geteiltes Meinungsbild gezeichnet. Landrat Müller sieht in einem Nationalpark durchaus auch Vorteile für die Wirtschaft: „Er ist ein starker Entwicklungsimpuls für unseren ländlichen Raum“, ließ er mitteilen. Er verspricht sich internationale Sichtbarkeit der Region, einen Schub für den Tourismus - und damit neue Arbeitsplätze.
Bekannt ist die Region unter anderem für den Fernwanderweg Rothaarsteig. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa
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Die aufgeworfenen Bedenken aufgreifend, betonte der SPD-Politiker zuletzt aber auch, dass das Ja zum Nationalpark an Voraussetzungen geknüpft sei: Er dürfe nicht zu Lasten wichtiger Verkehrsprojekte gehen, die beteiligten Kommunen müssten mitreden dürfen, auch für Besitzer angrenzenden Flächen müssten Nachteile ausgeschlossen werden.
Anfang September hatte NRW-Umweltminister Krischer im Interview mit der „Siegener-Zeitung“ zuletzt seine Unterstützung für einen Nationalpark deutlich gemacht. Er betonte auch, dass ein solches Projekt zwingend die Akzeptanz vor Ort brauche. Die Stunde der Wahrheit, ob das Projekt von einer Mehrheit der politischen Vertreter befürwortet wird, schlägt am Freitag den 13. November. Wie die Abstimmung ausgeht, ist offen.