Politik Inland

Bürgerrechtlerin Kolesnikowa nimmt Karlspreis entgegen

Mit vierjähriger Verspätung hat Maria Kolesnikowa in Aachen den Karlspreis in Empfang genommen. Sie nutzte dies für einen Appell zur Verteidigung europäischer Werte gegen die „Stimme der Aggression“.

14.03.2026

Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa ist in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden. Thomas Banneyer/dpa

Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa ist in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden. Thomas Banneyer/dpa

© Thomas Banneyer/dpa

Bei ihrer Auszeichnung mit dem Karlspreis hat die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa Europa dazu aufgerufen, auch in der aktuellen „Zeit großer Unsicherheit“ an seinen Werten festzuhalten. „Gerade jetzt zeigt sich, was Europa wirklich ausmacht“, sagte die 43-Jährige in ihrer Dankesrede im Aachener Rathaus. „Nicht Macht, nicht Angst, nicht Gewalt. Sondern Menschen, die zusammenstehen, Menschen, die Würde bewahren, Menschen, die Freiheit verteidigen.“ Manchmal scheine die „Stimme der Aggression“ am lautesten. „Unsere Stimmen müssen stärker sein“, forderte sie. 

Kolesnikowa hatte den Karlspreis bereits 2022 zuerkannt bekommen, doch damals war sie in Belarus in Haft. Im vergangenen Dezember kam sie nach fünf Jahren frei, als Machthaber Alexander Lukaschenko auf US-Druck hin mehr als 120 politische Gefangene aus dem Gefängnis entließ. Kolesnikowa hatte 2020 zu den Anführerinnen der Massenproteste nach den von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Belarus gehört. In ihrer Rede erinnerte sie daran, dass in Belarus noch mehr als 1.000 politische Häftlinge in Haft seien. „Darum spreche ich heute auch für sie.“ 

Im Gerichtssaal formte sie mit gefesselten Händen ein Herz 

Der Aachener Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU) erinnerte daran, wie Maria Kolesnikowa 2021 im Gerichtssaal mit gefesselten Händen ein Herz geformt habe. „Dieses Herz ist zu einem Symbol geworden“, sagte er. Ein Symbol für „die Kraft eines menschlichen Willens, der sich dem Unrecht nicht beugt“.

Der Karlspreis gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Kolesnikowa betonte, Europa sei nicht nur ein politisches Projekt: „Europa ist eine Gemeinschaft von Werten: Menschenwürde, Meinungsfreiheit, das Recht der Menschen, ihre Zukunft selbst zu bestimmen - und unsere Kultur.“ 

Kolesnikowa hat sich seit ihrer Freilassung mehrfach für eine diplomatische Initiative der EU-Staaten in Richtung Belarus ausgesprochen. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie in Aachen, derzeit gebe es für junge Leute aus Belarus kaum eine Möglichkeit, die Europäische Union oder die USA kennenzulernen. „Noch fünf Jahre weiter, und dann haben wir eine jüngere Generation, die gar keine Ahnung mehr davon hat, was Europa ist und für welche Werte wir 2020 gekämpft haben. Und das ist, finde ich, ein großes Problem, weil sich diese jungen Leute dann Russland zuwenden werden - weil sie keinen alternativen Weg kennen, weil sie keine Möglichkeit hatten, die Luft der Freiheit einzuatmen.“