Böttinger: Spahn war als Fraktionschef „nicht mehr tragbar“
Bettina Böttinger wundert sich: Wie konnte Jens Spahn als erfahrener Politiker die heftige Reaktion auf seine Leihmutterschaft so unterschätzen?
Moderatorin Bettina Böttinger kritisiert einen „homophoben Unterton“ in der Debatte über Jens Spahn. Federico Gambarini/dpa
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Die Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger hält den Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionsvorsitzender wegen dessen Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA für folgerichtig. Spahn habe seine Fraktion nicht zum ersten Mal falsch eingeschätzt, sagte Böttinger (70) vor Journalisten in Düsseldorf. „Als Fraktionsvorsitzender ist er nicht mehr tragbar gewesen.“ Sie würde aber nicht so weit gehen, dass Spahn auch sein Bundestagsmandat niederlegen sollte.
Schon bei Bekanntwerden der Nachricht über Spahns Elternschaft habe sie sofort gedacht: „Das wird er politisch nicht überstehen“, sagte die langjährige Talkshow-Moderatorin. Denn als Politiker habe Spahn sich immer ganz klar gegen Leihmutterschaften ausgesprochen - und sei nun den gleichen Weg gegangen wie auch andere.
Böttinger: Spahn hätte es sehen müssen
Ihr sei es ein Rätsel, dass ein Vollblutpolitiker wie Spahn (46), der sein Leben lang nichts anderes als Politik gemacht habe, die politische Wucht der Debatte über seine Leihmutter-Elternschaft falsch eingeschätzt habe. „Er hat doch als politischer Kopf sehen müssen, dass das nicht in seiner Fraktion funktionieren kann“, sagte Böttinger. „Hat er nicht tatsächlich damit gerechnet? Ist es wirklich so, dass das Private für ihn in seinen mittleren Jahren so viel wichtiger ist als das Politische, seine politischen Ambitionen?“. Das alles seien für sie noch offene Fragen, so Böttinger. Zugleich kritisierte sie einen „homophoben Unterton“ in der Debatte über Spahn.
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am vergangenen Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte ihren Sohn Georg zur Welt. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot, das Spahn in der CDU mitgetragen hat. In der Union, für die die Leihmutterschaft ein emotional sehr aufgeladenes Thema ist, brach ein Sturm der Empörung los. Am Samstag beugte sich Spahn dem Druck und informierte die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion über seinen Rücktritt.