Politik Inland

Quantencomputer und Raumfahrt - Mehr Souveränität Europas

In Köln üben Astronauten den Alltag auf dem Mond. Sie erklären, warum Europa dabei nach mehr Unabhängigkeit streben sollte. Das gilt auch für andere High-Tech-Bereiche.

03.09.2026

In Köln kann man testen, wie die Bedingungen auf dem Mond sind.Henning Kaiser/dpa

In Köln kann man testen, wie die Bedingungen auf dem Mond sind.Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Europa muss nach Worten des Astronauten Matthias Maurer in der Raumfahrt souveräner und unabhängiger werden. „Wenn es Richtung Mond geht, dann möchten wir das gemeinsam mit Partnern machen“, sagte Maurer bei einem Besuch von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in der Mondsimulationsanlage LUNA in Köln. Wenn es aber um die Internationale Raumstation ISS oder eine Nachfolgestation gehe, dann müsse Europa unabhängig werden von Partnern, die vielleicht nicht mehr ganz so zuverlässig seien wie in der Vergangenheit. 

„Wir fliegen momentan mit Amerikanern und auch mit Russen ins All“, sagte Maurer. „Wir wünschen uns als Europa eine eigene Kapsel für europäische Astronautinnen und Astronauten.“

Mond wird entdeckt wie die Antarktis 

„Der Mond ist der achte Kontinent unserer Zeit, und der wird entdeckt werden wie die Antarktis vor hundert Jahren“, sagte der deutsche Astronaut Alexander Gerst. „Nicht um eine Flagge mehr aufzustellen“, betonte er. „Jetzt geht es voran. Wir gehen als Wissenschaftlerinnen und als Wissenschaftler dorthin.“ 

In wenigen Jahrzehnten werde es auf dem Mond Forschungsstationen geben wie jetzt schon die deutsche Neumayer-Station in der Antarktis, wo internationale Forscher friedlich zusammenarbeiten. Deshalb sei es wichtig, dass Europa mit dabei sei und „dass wir das nicht den anderen überlassen, weil das wird passieren, mit uns oder ohne uns“.

Ministerpräsident Wüst sagte: „Wenn Sie jetzt den Weg zum Mond sehen, sind wir da ganz weit vorne.“ Auch aus geostrategischen und Sicherheitsgründen müsse Europa stark sein in der Luft- und Raumfahrt. NRW wolle als wichtiger Standort einen Beitrag leisten, „dass der Weg zum Mond über Nordrhein-Westfalen geht, weil wir hier eben gute Trainingsmodule haben“.

Alltag auf dem Mond in Köln üben

Die rund 700 Quadratmeter große Simulationsanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung künftiger Mondmissionen. Dort können Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Astronauten neue Technik wie Roboter oder Raumanzüge unter realistischen Bedingungen testen, seit Kurzem mit einer neuen Sonnensimulationsanlage. 

Bedeckt ist die simulierte Mondlandschaft mit etwa 900 Tonnen Staub. Der Staub wurde aus Basalt hergestellt und stammt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis. Er soll dem Original-Mondstaub sehr ähnlich sein.

Für Astronauten ist der Mond der „achte Kontinent“. Ministerpräsident Wüst sagte: „Wenn Sie jetzt den Weg zum Mond sehen, sind wir da ganz weit vorne.“Henning Kaiser/dpa

Für Astronauten ist der Mond der „achte Kontinent“. Ministerpräsident Wüst sagte: „Wenn Sie jetzt den Weg zum Mond sehen, sind wir da ganz weit vorne.“Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Den beengten Alltag auf einer künftigen Mondstation können Astronauten in Köln in einem neuen Wohn- und Arbeitsquartier für vier Personen mit Schlafkabinen, Sanitäranlagen, Luftschleuse und Labor simulieren. Kommendes Jahr wird mit EDEN-LUNA zudem ein Gewächshaus an das Mondzentrum angebaut.

Gerst und Maurer möchten zum Mond

Die beiden erfahrenen deutschen Astronauten Gerst und Maurer, die beide schon auf der ISS waren, hoffen, dass sie bei künftigen Artemis-Mondmissionen dabei sein können. Für 2028 sind gleich zwei Mondmissionen geplant. Erstmals nach einem halben Jahrhundert sollen dann wieder Menschen auf dem Mond landen. 

Auf die Frage, ob auch er gerne zum Mond fliegen würde, sagte Wüst: „Ich bin nicht sicher, ob es nicht welche gibt, die mich gern zum Mond schießen, aber ich fühle mich auf der Erde ganz wohl.“ Er sei sich auch sicher, dass er nicht einmal einen Bruchteil dessen könnte, was man für eine Mondmission können müsse.

Quantencomputer könnten unser Leben tiefgreifend verändern.Henning Kaiser/dpa

Quantencomputer könnten unser Leben tiefgreifend verändern.Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Neuer Quantencomputer in Jülich

Technologische Souveränität Deutschlands und Europas forderte auch die Vorstandschefin des Forschungszentrums Jülich, Astrid Lambrecht. Es gehe nicht nur um exzellente Forschung, sondern darum, eigene Technologien zu entwickeln, sie wettbewerbsfähig zu machen und in die Anwendung zu bringen, sagte Lambrecht bei der Einweihung des neuen, in NRW entwickelten Quantencomputers JION. 

Dieser soll künftig Forschern, Unternehmen und Industrie offenstehen, etwa für die Medizin, Batterieforschung, sichere Verschlüsselungsverfahren oder das Finanzwesen, wenn klassische Rechnersysteme nicht mehr reichen. Quantencomputer könnten nach Worten von Experten möglicherweise künftig auch Tierversuche unnötig machen.

Tiefgreifende Veränderungen des Lebens

„Quantentechnologien bieten uns unglaubliche Chancen, die werden unser Leben tiefgreifend verändern“, sagte Ministerpräsident Wüst. „Unsere Kompetenzen in diesen Zukunftstechnologien entscheiden mit darüber, ob wir technologisch unabhängig sind und unsere Sicherheit und wirtschaftlicher Erfolg in Zukunft gewährleistet bleiben.“ Deutschland solle führender Quantenstandort werden - mit NRW als einem starken Motor. 

Traditionelle Computer arbeiten mit Bits. Ein Bit kann nur zwei Zustände annehmen: „Eins“ und „Null“ beziehungsweise „An“ und „Aus“. Quantencomputer arbeiten dagegen mit Qubits („Quanten-Bits“). Sie nutzen nach Erklärung Lambrechts einzelne Atome, die in einem elektromagnetischen Feld schweben - ihre Quantenzustände werden mit Laserlicht oder mit Mikrowellen gesteuert und bilden Qubits. Dadurch kann der Quantencomputer nach Worten Lambrechts Probleme auf eine grundsätzlich andere Art und Weise lösen, die die sich klassischen Hochleistungsrechnern entziehen. 

Mit dem Supercomputer Jupiter steht am Forschungszentrum Jülich einer der schnellsten Rechner der Welt bereit. JION wird in die Infrastruktur für Quantencomputer eingebunden und damit Teil der Supercomputer-Architektur des Forschungszentrums. Entwickelt wurde der neue Quantencomputer vom Siegener Start-up eleQtron gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich.