Politik Inland

4.400 Kitaplätze fehlen im Saarland

Neue Lückenliste zum Kitaplatz-Mangel: Im Saarland suchen Eltern im Bundesvergleich mit am längsten nach einem Platz. Ganz anders sieht es im Osten aus.

29.11.2025

Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. (Symbolfoto)Uwe Anspach/dpa

Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. (Symbolfoto)Uwe Anspach/dpa

© Uwe Anspach/dpa

Für rund 4.400 Kinder unter drei Jahren fehlen im Saarland nach einer neuen Studie Kitaplätze. Damit haben 18,5 Prozent der unter Dreijährigen mit Betreuungsbedarf keinen Platz, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Im Westen bleibe die Lage insgesamt „angespannt“.

Allerdings wünschen sich laut der Studie im Saarland weniger Eltern für Kinder dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz als noch 2020. So fehlten damals noch 4.900 Plätze. Als Hauptgrund dafür nennt das Institut stark gesunkene Kinderzahlen. Mit 18,5 Prozent liegt der Anteil der Eltern, die keinen Platz finden, aber weit über dem Bundesdurchschnitt von 14,2 Prozent - wenn auch niedriger als 2020 (19,9 Prozent). Nur in Bremen und in Rheinland-Pfalz liegt der Anteil mit 18,9 und 18,7 Prozent noch höher.

Große Unterschiede

Wie verbreitet es ist, dass Wunsch und Wirklichkeit bei der Kinderbetreuung auseinanderklaffen, hängt in Deutschland vom Wohnort ab. In Ostdeutschland haben laut Studie 7,3 Prozent der Kinder unter drei mit Bedarf keinen Platz - im Westen 15,6 Prozent.

Ins Verhältnis gesetzt, hat das IW hierbei die Zahl der Eltern, die nach eigenen Angaben Betreuungsbedarf haben, mit der Zahl der betreuten Kinder.

Abbau Ost prognostiziert

IW-Experte Wido Geis-Thöne prognostizierte, dass in den Ostländern wohl künftig Kita-Plätze abgebaut würden. Ein Rückbau der Kapazitäten scheine „unausweichlich“, so die Studie. Die Forscher mahnen, die Gebäude und Orte so zu erhalten, dass sie in Zukunft bei Bedarf wieder in Betreuungseinrichtungen umgewandelt werden können. Eignen könne sich dafür eine Nutzung als Jugendtreffs oder Vereinsheime.

Der Bildungsökonom forderte Anstrengungen für gute Kita-Qualität. Heute seien vor allem in Ostdeutschland die Gruppen oft zu groß. Generell gilt laut Geis-Thöne: „Gerade für Kinder aus bildungsfernen Haushalten ist der Besuch einer Kita entscheidend für den weiteren Bildungsweg.“

Rück- und Ausblick

Vergangenes Jahr fehlte es laut der IW-Vorgängerstudie an 306.000 Kita-Plätzen für Kinder unter drei; für 13,6 Prozent der Kinder mit Bedarf gab es keinen Platz. Insgesamt schreite der Ausbau von Betreuungsplätzen in Deutschland „derzeit kaum voran“, hieß es damals. Auch diesmal forderte das IW, die Politik müsse vor allem im Westen den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur weiter vorantreiben.

In die Berechnung des arbeitgebernahen Instituts eingeflossen, war eine repräsentative Befragung der Regierung zu den Betreuungswünschen. Das IW verwendete zudem Betreuungs- und Gesamtdaten des Statistischen Bundesamts zu Kindern.