Zwei Tote in der NRW-Silvesternacht - Mehrere Brände
Unruhige Silvesternacht in NRW: Zwei 18-Jährige sterben in Bielefeld bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik. Dächer und Gebäude brennen. Polizei und Feuerwehr haben viel Arbeit.
Die Menschen in NRW feierten den Jahreswechsel überwiegend friedlich.Christoph Reichwein/dpa
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Zwei Tote, Brände, herumfliegende Pyrotechnik und eskalierte Feiern haben in der Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen für Dauereinsätze von Polizei und Feuerwehr gesorgt. Gleich zwei tragische Unglücke ereigneten sich in Bielefeld. Dort kamen zwei 18-Jährige unabhängig voneinander bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik ums Leben.
Die beiden jungen Männer erlitten tödliche Gesichtsverletzungen, wie die Polizei mitteilte. Ein Vorfall ereignete sich im Stadtteil Baumheide. Dort starb der Mann den Angaben zufolge noch am Unfallort. Ein weiterer junger Mann erlitt nach Angaben der Polizei leichte Verbrennungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Der zweite 18-Jährige erlag seinen Verletzungen nach Reanimationsversuchen im Krankenhaus. Dieser Vorfall ereignete sich im Stadtteil Brake. Um welche Pyrotechnik es sich handelte, wurde nicht mitgeteilt. Bislang liegen den Angaben zufolge keine Hinweise auf ein Fremdverschulden an den Unfällen vor.
Gefährlicher Vorfall in Düsseldorf
In der Landeshauptstadt Düsseldorf kam es nach einer laut Polizei eher unauffälligen Silvesternacht in der Altstadt am frühen Neujahrsmorgen zu einem versuchten Tötungsdelikt. Nähere Angaben zu Verletzten machte ein Polizeisprecher zunächst nicht. Eine Mordkommission sei gebildet worden und ermittle.
Insgesamt verlief die Silvesternacht in der NRW-Landeshauptstadt jedoch ruhiger verlaufen als im Vorjahr, wie der Sprecher mit Verweis auf das Einsatzkonzept erklärte. Die Polizei sei mit deutlicher Präsenz im Stadtbild sichtbar gewesen und „konsequent, niederschwellig und robust eingeschritten“.
Herausfordernde Einsätze für die Polizei
In den Ruhrgebietsmetropolen Dortmund, Duisburg und Essen blieb es zwar insgesamt ruhig, wie die Behörden der Deutschen Presse-Agentur am frühen Morgen mitteilten. Dennoch gab es für Polizei und Feuerwehr in mehreren Städten immer wieder herausfordernde Einsätze. Immer wieder wurden auch Polizei- und Rettungskräfte angegriffen.
Die unsachgemäße Nutzung von Pyrotechnik, mehrere Brände, Sachbeschädigungen sowie Auseinandersetzungen und Körperverletzungen hätten zu einem „hohen Einsatzaufkommen“ vor allem im Essener Stadtgebiet geführt. Ein Polizeibeamter habe ein Knalltrauma erlitten, als in seiner Nähe ein Böller explodierte. Er wurde ambulant in einem Krankenhaus behandelt.
In Bonn lieferten sich Menschen im Stadtteil Tannenbusch für knapp zwei Stunden ein Scharmützel mit der Polizei. Mit Pyrotechnik beschossen sie Gebäude, Fahrzeuge und Einsatzkräfte. „Es ging sehr, sehr lebhaft zu“, sagte ein Sprecher.
Schüsse aus Schreckschusspistolen
In Hagen feierten auf mehreren Plätzen große Menschengruppen. Die Polizei sprach mehrere Platzverweise gegen Personen aus, die missbräuchlich Feuerwerkskörper entzündeten. Zudem stellten die Einsatzkräfte mehrere Personen fest, die Schüsse aus Schreckschusspistolen abfeuerten. Die Beamten stellten die Waffen sicher.
In der Innenstadt von Recklinghausen richtete ein 17-jähriger Jugendlicher eine Feuerwerksbatterie in Richtung eines unbesetzten Streifenwagens. Die Polizisten konnten den jungen Mann stellen und nahmen ihn mit zur Polizeiwache.
Mehrere Gäste wurden verletzt.Andreas Trojak/wirSiegen.de/dpa
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Eskalation nach Streit auf Silvesterfeier
Nach einem Streit auf einer privaten Silvesterfeier in Kreuztal-Bockenbach (Kreis Siegen-Wittgenstein) soll ein 60-Jähriger drei Fußgänger mit Absicht angefahren haben. Ein 22-jähriger Mann habe schwere Verletzungen erlitten, teilte die Polizei mit. Zwei 23 und 25 Jahre alte Männer seien leicht verletzt worden. Auslöser war wohl der entlaufene Hund des 60-Jährigen, den Gäste der Feier gefunden hatten. Wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr wurde der alkoholisierte 60-Jährige zunächst vorläufig festgenommen und nach seiner Ausnüchterung wieder entlassen.
Viele Einsätze auch in Köln
In der Millionenstadt Köln gab es nach der vorläufigen Bilanz eines Polizeisprechers wie in den früheren Jahren auch eine erhöhte Anzahl an Einsätzen. Gründe seien etwa illegales Abbrennen von Pyrotechnik gewesen, aber auch Körperverletzungsdelikte, die meist mit Alkoholkonsum zusammenhingen. Die Polizei habe mehrere Personen in Gewahrsam genommen und Strafanzeigen wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte gestellt.
In Köln jährten sich die Ausschreitungen der Silvesternacht 2015/16 zum zehnten Mal. Damals wurden zahlreiche Frauen sexuell belästigt. Seitdem steht der Innenstadtbereich rund um den Dom unter besonderer Beobachtung.
In Köln hatte sich die Polizei für die Silvesternacht gewappnet.Christoph Reichwein/dpa
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Wuppertal: Wohnungsbrand in der siebten Etage
In vielen Städten musste die Feuerwehr ausrücken und Brände löschen. In den meisten Fällen vermutete die Polizei Feuerwerkskörper als Auslöser. Mehrere größere Brände forderten die Feuerwehr in Wuppertal. Im Stadtteil Cronenberg brannte eine Wohnung in der siebten Etage eines Mehrfamilienhauses komplett aus. Alle 52 Bewohnerinnen und Bewohner mussten das Haus laut Polizei verlassen.
In Hagen brannten gleich drei Dachstühle eines Gebäudekomplexes.Alex Talash/dpa
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In Hagen brannten gleich mehrere Dachstühle. Flammen eines brennenden Baumes griffen zunächst auf ein Haus und dann auf zwei Dächer benachbarter Gebäude über, wie die Polizei mitteilte. Verletzt wurde niemand. Die Gebäude brannten vollständig aus. Auch in anderen Städten wie Bottrop und Ottbergen bei Höxter brannten Dachstühle. In Solingen fingen Holzpaletten in einem Unterstand neben einem Firmengebäude Feuer. In Meschede im Sauerland brannte der Wintergarten eines Einfamilienhauses.
In Solingen fingen in einer Lagerhalle etliche Holzpaletten Feuer.Christoph Reichwein/dpa
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In Bönen (Kreis Unna) setzte vermutlich eine Silvesterrakete eine Trauerhalle auf dem dortigen Friedhof in Brand. Nach bisherigen Erkenntnissen durchschlug die Rakete eine Scheibe. Im Innenraum entzündete sich ein Gesteck aus Kunststoff. Ein Gebäudeschaden sei nicht entstanden.
In Duisburg wurden nach Angaben der Feuerwehr ein Feuerwehrfahrzeug sowie ein Gerätehaus gezielt mit Raketen beschossen. Ein Feuerwehrmann sei während eines Einsatzes durch einen gezielten Böllerwurf verletzt worden und habe ein Knalltrauma erlitten.
Böllerverbote missachtet
NRW hatte sich auf die Silvesternacht mit starker Polizeipräsenz eingestellt. Landesweit waren rund 7.600 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Etliche Städte richteten lokale Böllerverbotszonen ein. Nicht überall beachteten die Menschen diese Verbote. So wären an der Rheintreppe am Burgplatz in Düsseldorf immer wieder Böller und Raketen in die Menschenmenge geworfen worden, berichtete der WDR. Mehrfach habe die Polizei eingreifen müssen.
Mehr als 100 Einsätze bewältigte die Feuerwehr Mönchengladbach zum Jahreswechsel. Beim Löschen eines Kleinbrandes wurde die Besatzung eines Löschfahrzeugs den Angaben zufolge massiv mit Feuerwerkskörpern beworfen und mit Raketen beschossen. Ein Einsatz sei erst möglich geworden, nachdem die Polizei den Ort abgesichert habe.
In Dormagen-Hackenbroich eskalierte die Situation bei einer Versammlung von mehreren Hundert Personen. Als die Einsatzkräfte eintrafen, seien sie mit Pyrotechnik beworfen worden. Auch die Feuerwehr sei bei Löscharbeiten behindert worden. Als Unterstützungskräfte hinzugezogen wurden, konnte die Situation beruhigt werden. Mehrere Strafverfahren wurden eingeleitet. „Ansonsten zieht die Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss insgesamt ein positives Resümee der Silvesterfeierlichkeiten“, hieß es in einer Mitteilung.