Panorama

Wie Selbstmitgefühl gegen überzogenen Perfektionismus hilft

Der ständige Drang nach Selbstoptimierung kann erschöpfen. Warum es hilft, sich selbst wie einen guten Freund zu behandeln und welche Worte wir dafür wählen sollten, verrät eine Psychotherapeutin.

05.08.2026

Müde von den hohen Ansprüchen an sich selbst? Selbstmitgefühl ist ein Teil der Lösung. picture alliance/dpa/dpa-tmn

Müde von den hohen Ansprüchen an sich selbst? Selbstmitgefühl ist ein Teil der Lösung. picture alliance/dpa/dpa-tmn

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Der Wunsch, ein besseres Leben zu führen, klingt zunächst positiv – doch wenn er zur Dauerverpflichtung wird, kann er auf Dauer belasten. Wer sich rund um die Uhr vornimmt, fitter, fokussierter und ausgeglichener zu werden, riskiert oft das Gegenteil: körperliche und seelische Erschöpfung.

Wer dann aus dem Selbstoptimierungsdrang aussteigen will, sollte auch an den eigenen Ansprüchen arbeiten: „Wichtig ist, sich einzugestehen, dass man nicht immer alles perfekt machen muss und kann“, sagt Nathalie Claus, Psychologische Psychotherapeutin am Institut für Psychologie der Universität Bremen. 

Selbstmitgefühl statt grenzenloser Selbstoptimierung

Eine hilfreiche Strategie dafür: Selbstmitgefühl entwickeln und sich selbst wie einen guten Freund oder eine gute Freundin zu behandeln. Zentral ist die Frage: Wie würde ich den Freund oder die Freundin trösten, wenn sie mir erzählt, dass ihr etwas nicht 100-prozentig gelungen ist? „Die Worte, die man wählen würde, sollte man sich dann auch selbst einmal sagen“, so Claus.

Daneben sollte man ganz bewusst darauf achten, sich selbst nicht abzuwerten. Auch hier geht es darum, auf welche Weise man mit sich selbst spricht. War etwa das letzte Training ein Reinfall, geht es mit dem Gewichtsverlust nicht wie gewünscht voran oder hat man die Meditationsroutine schon wieder vernachlässigt, sollte man nicht denken „Ich habe versagt“. Besser: „Ich habe das getan, was für mich im Bereich des Möglichen war.“ 

Nicht zuletzt entscheidend für einen gesunden Umgang mit sich selbst: Lernen, Nein zu sagen, wenn es einem zu viel wird. „Deswegen muss niemand ein schlechtes Gewissen haben“, so Claus.