„Was willst du mehr?“ - Beckenbauer-Doku „Der letzte Kaiser“
Eine Fußball-Legende: Im Leben von Franz Beckenbauer ging es lange steil und eigentlich ausschließlich nach oben. Erst ab 2016 begann eine schwierige Zeit. Ein Dreiteiler zeichnet seine Karriere nach.
Franz Beckenbauer war einer der bekanntesten deutschen Fußballspieler aller Zeiten.Andreas Gebert/dpa
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Wenn Millionen Handball-Fans an diesem Donnerstagabend mit der deutschen Mannschaft fiebern und deren EM-Spiel gegen Österreich verfolgen, wirft Arte zeitgleich einen Blick zurück in die Fußball-Geschichte.
Die dreiteilige Franz-Beckenbauer-Dokumentation „Der letzte Kaiser“ aus dem Jahr 2024 wird am Donnerstag (15. Januar) ab 20.15 Uhr auf dem Kultursender wiederholt. Viele Prominente erzählen dabei von ihrer Sicht auf die Legende.
„Das ist niemand anderem auf der Welt gelungen“
Fernsehmoderator Günther Jauch ist die Bewunderung anzumerken, wenn er über Franz Beckenbauer spricht. „Erstmal selber Weltmeister werden. Dann Trainer des Weltmeisterteams zu sein. Und dann eine Weltmeisterschaft ins eigene Land zu holen. Das ist ein Triple, das ist niemand anderem auf der Welt gelungen.“
Der deutsche Fußball-Star fasziniert die Fans auch weit über seinen Tod am 7. Januar 2024 hinaus. In der Doku erzählen zahlreiche Männer, von Jauch über Marius Müller-Westernhagen bis zu Wolfgang Thierse, wer Beckenbauer für sie war und wie er sie geprägt hat. Für Beckenbauers Bruder Walter war es eine ganz bestimmte Mischung, die die Popularität ausmachte: „Der kann Fußball spielen, spielt einen anderen Stil und schaut noch gut aus auch. Also was willst du eigentlich noch mehr?“
Mehr als die Nacherzählung eines Lebens
Es stimmt: Im Leben von Beckenbauer ging es lange steil und eigentlich ausschließlich nach oben. Nach seiner Kindheit im München der Nachkriegszeit erlebte Beckenbauer goldene Jahre beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Er wurde als Spieler und als Trainer Weltmeister und war als Organisationschef hauptverantwortlich für die WM 2006 in Deutschland. All das zeigt die Dokumentation mit Filmausschnitten, Fotos und Audioaufnahmen aus vielen Jahrzehnten.
Doch der Dreiteiler soll mehr als die Nacherzählung eines Lebens sein. „Unsere Beckenbauer-Dokumentation ist zugleich auch eine Gesellschaftsbiographie, also eine Erzählung, die dokumentiert, was der Fußball für die Bundesrepublik und was Beckenbauer als erfolgreichster Fußballer für das Leben vieler Menschen bedeutete“, sagte Regisseur Torsten Körner der Deutschen Presse-Agentur zur Erstausstrahlung 2024.
Nur Männer kommen zu Wort - mit Absicht
Menschen - oder eher Männer? Denn unter den Kommentatoren sucht man vergeblich nach einer Frau. Das hat laut Körner einen Grund: „Wenn wir hier also nur Männer sprechen lassen, dann deshalb, um zu zeigen, dass es heute besser wäre, wenn der Fußball insgesamt diverser würde.“ Beckenbauers Probleme nach 2016 hätten genau etwas mit jenen „klandestinen Männerbünden“ zu tun gehabt, die der Fußball so lange reproduziert habe.
Tatsächlich begann für Beckenbauer 2016 eine schwierige Zeit seiner Fußball-Karriere. Als OK-Chef der Sommermärchen-WM geriet er in den Skandal um nicht geklärte Millionen-Zahlungen rund um die Vergabe des Turniers. In der Schweiz wurde gegen ihn wegen des Verdachts auf Betrug, Geldwäscherei und Veruntreuung ermittelt. Das Verfahren gegen ihn wurde im Sommer 2019 von dem gegen die anderen Beschuldigten abgetrennt. Letztlich verjährte es wie auch das gegen drei enge Wegbegleiter aus der Sommermärchen-Zeit. In der Dokumentation taucht dieser Teil von Beckenbauers Leben nur vergleichsweise kurz am Ende des Dreiteilers auf.
Der junge Beckenbauer.-/Bayerische Staatsbibliothek/ZDF/dpa
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