Panorama

Was kann ich tun, wenn ich einfach nicht zum Orgasmus komme?

Warum offene Gespräche über Sex entscheidend sind – und wie kleine Übungen mehr Lust bringen. Allein und zu zweit.

17.08.2026

Kommen klappt nicht? Kein Grund, sich selbst unter Druck zu setzen - vielen geht es ähnlich. Christin Klose/dpa-tmn

Kommen klappt nicht? Kein Grund, sich selbst unter Druck zu setzen - vielen geht es ähnlich. Christin Klose/dpa-tmn

© Christin Klose/dpa-tmn

Schwierigkeiten, beim Sex zum Höhepunkt zu kommen? Das geht tatsächlich vielen so. Die meisten Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Phasen, in denen der Orgasmus ausbleibt oder schwer erreichbar ist. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Ansätzen lässt sich eine erfüllende Sexualität entwickeln oder wiederentdecken. Dabei geht es nicht nur um den Orgasmus selbst, sondern auch um Kommunikation und Selbsterfahrung.

Warum reden über Sex so schwer ist - und trotzdem wichtig

Das Problem: Scham macht uns stumm, dabei wollen beide Partner eigentlich das Gleiche - mehr Verständnis und besseren Sex. Ann-Marlene Henning, Sexualtherapeutin aus Flensburg, rät: „Wag‘ was, sag‘ was - aber bitte nicht mitten in der sexuellen Situation. Das können nur Fortgeschrittene.“ Für ein Gespräch über Intimität braucht es ausreichend Zeit und Ruhe. 

Kann man das sagen oder nicht? Wenn ein Paar reden möchte, gerade über sexuelle Dinge, kann es sein, dass man über eine Grenze gehen und sich was trauen muss. Henning nennt ein Beispiel, wie man es erst mal im Kleinen im Alltag probieren kann: „Jetzt sage ich es: Dein Oberteil, das mochte ich noch nie.“ 

Es kommt darauf an, offen mit dem Partner oder der Partnerin über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen: „Was ist mir wichtig, was fühlt sich gut an?“ Um sich zu entspannen und fallen zu lassen, braucht es das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Spaß beim Solo-Sex, Probleme beim Partner-Sex

Eine weitere Herausforderung: Was sich alleine gut anfühlt und Spaß macht, lässt sich nicht immer auch auf Partnersex übertragen. 

Henning nennt zwei Beispiele: Eine Frau, die nur durch Beine-Überschlagen und intensives Reiben zum Orgasmus kommt, oder ein Mann, der ausschließlich mit visueller Stimulation durch Pornos funktioniert. Deshalb ist es wichtig, beim Solo-Sex auch zu schauen, was später zu zweit umsetzbar ist - etwa sanftere Berührungen oder das Einbeziehen von Fantasien statt nur visueller Reize. 

Der Stopp-Trick für intensivere Lust

Ein konkreter Tipp für die Praxis: Henning empfiehlt den Stopp-Trick, während man sich der sexuellen Erregung nähert (beim Solo-Sex oder mit Partner). Damit lässt sich die körperliche Wahrnehmung und Erregung steigern. 

Und so funktioniert es: Kurz vor dem Höhepunkt mit jeglicher Stimulation innehalten, alles entspannen und loslassen, tief durchatmen - und dann weitermachen. „Die Erregung wird danach viel deutlicher spürbar“, sagt Henning.

Und wenn das alles nicht klappt? Kein Grund zur Panik. Professionelle Hilfe gibt es - man muss nur wissen, wo. Meistens sind Sexualtherapeuten hier die richtigen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Bei Beziehungsthemen auch Paartherapeuten und bei körperlichen Ursachen Gynäkologen oder Urologinnen.

Und was auch ganz wichtig ist: Guter Sex bedeutet nicht automatisch jedes Mal einen Orgasmus.